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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck - auch auszugsweise - NUR mit ausdrücklicher Genehmigung von Jamie McGuire.

Alle Namen, Charaktere und Ereignisse sind frei erfunden und entspringen der Fantasie oder der Vorstellung der Autorin.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und unbeabsichtigt.

 

Copyright © Jamie McGuire 2015. 

 

Episode One: Newlyweds

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Frisch verheiratet

 

 

Abby

 

Travis beugte sich über das Bett und unser Gepäck, um unsere dreckige Wäsche zu sortieren. Er hielt mein Hochzeitskleid vor sich und legte es nach ein paar Sekunden vorsichtig auf unsere Überdecke. Der Satinstoff und der Tüll waren durch die Reise ein wenig zerknittert, aber es lag wohl zum größten Teil an unserer Hochzeitsnacht. Travis hielt mich so an sich, als würde ich nur ihm gehören, all seine Zweifel gehörten endlich der Vergangenheit an. Jetzt waren wir alleine in unserer Wohnung und er wirkte noch entspannter als er es am Flughafen von Las Vegas war. Wir waren zurück in der Realität, verheiratet und immer noch zusammen.

 

Ich hielt meine linke Hand hoch und starrte auf meinen Ehering, genau so vertieft in meine Gedanken wie Travis es bei meinem Hochzeitskleid nur ein paar Sekunden vorher war. Ich wackelte mit meinen Fingern, als ich merkte das Travis mich anschaute und hinter meiner Hand stand. Eine Seite seines Mundes verzog sich zu einem Lächeln und er lachte kurz auf.

 

“Bist du immer noch okay?”, fragte er mich bereits zum dritten Mal seitdem wir zu Hause angekommen waren.

 

“Immer noch Mrs. Maddox”, sagte ich und ging auf ihn zu um meine Arme um seinen Nacken zu legen. Ich lehnte mich an ihn, als ich meine Augen schloss und seine Lippen sanft meine berührten. “Ich wünschte, wir hätten ein paar Tage mehr für uns, bevor wir wieder zum Unterricht müssen.”

 

“Wir könnten ein paar Tage ausfallen lassen”, flüsterte er gegen meinen Mund. Er betrachtete mein Gesicht mit seinen warmen braunen Augen und hatte durch den ganzen Stress der letzten Tage einen leichten Bart. Er war immer noch genau so atemberaubend wie an dem Tag, an dem ich ihn zum ersten Mal begegnet bin. Seine tattowierte Haut zierte seine definierten Muskeln. Die Tattoos auf seinem Arm variierten zwischen künstlerisch und Tribal - Motiven, aber keines seiner Tattowierungen bedeutete ihm so viel wie mein Spitzname, der sich in eleganten Linien entlang seines Handgelenkes zog, oder die hebräischen Worte, die er sich entlang seiner Rippen hat stechen lassen. Sie hießen

 

“Ich gehöre meiner Liebsten, und meine Liebste ist mein.”

 

Und es war so. Ganz offiziell. Ich hatte mir in Vegas sogar selber ein Tattoo stechen lassen, Mrs Maddox. Für jemanden, der sich nie ein Tattoo machen lassen wollte, konnte ich nicht aufhören es anzuschauen, genauso wie meinen Ehemann.

 

Ich ließ ihn los und stellte mich vor ihn. “Ich habe dieses Semester Statistik. Das ist nichts was ich verpassen möchte.”

 

“Du machst das schon”, sagte er und drehte sich um, damit er weiter auspacken konnte.

“Du löst Probleme auf die gleiche Art, wie ich Prügel verteile.”

“Nein”, entgegnete ich. “Nichts ist so schön”. Er schaute über seine Schulter und guckte mich mit einem Dutzend Emotionen an, bevor er sagte: “Meine Frau ist es.”

 

Ich schaute mich in dem Raum um, stemmte meine Hände auf die Hüften und pustete mir eine Strähne aus dem Gesicht. Es verteilten sich insgesamt vier Stapel dreckige Klamotten in unserem Schlafzimmer und ich fragte mich, wie wir es schaffen konnten, so viel Wäsche in ein paar Tagen zu produzieren. An den Wänden hingen Bilderrahmen, die jede Situation unserer Beziehung dokumentierten: Freunde, Feinde und Liebende. Wir lächelten in jedem Bild und Travis berührte mich immer auf irgendeine Weise.

 

Ich vermisste diesen Raum, als wir das letzte Mal in ihm waren, machte ich Travis den Antrag. Sein Gesicht war noch voller Ruß vom Feuer und ein bisschen hing von dem Geruch auch immer noch in der Luft.

 

Shepley und America gingen bereits früh zur Morgan Hall, nachdem sie uns bei Travis´ Vater abgesetzt hatten damit wir die Neuigkeiten auch Jim erzählen konnten. America nahm ein paar von meinen Sachen und gab Travis und mir Zeit zum auspacken und zum wieder ankommen. Obwohl das Apartment genau so war, wie an dem Tag als wir nach Vegas flogen, fühlte es sich dennoch anders an. Ich schnappte mir einen Stapel wäsche. ging zur Tür und fragte mich, ob Travis sich wohl genauso fühlte wie ich.

 

“Wo gehst du hin?”, fragte Travis.

 

“Ich gehe nur kurz die Wäsche anschmeissen”, ich zog eine Grimasse und lachte, “Ich bin nur kurz einen Raum weiter, Baby.”

 

Er nickte, aber ich konnte sehen, dass er sich nach wie vor Sorgen machte, was unsere Ehe betraf. Als würde sie sich von jetzt auf gleich auflösen, oder, nicht das sowas noch nicht geschehen wäre, in dem Moment wo ich aus seinem Blickfeld weg wäre, er alleine in seinem Bett aufwachen würde.

 

Ich ging am Wohnzimmer vorbei, um kurz darauf vor der aufklappbaren Tür zu stehen, die eine Waschmaschiene und einen Trockner verbarg. Beide Geräte waren laut und vermutlich älter als ich es war, aber sie erfüllten ihren Zweck voll und ganz. Ich stopfte nur die Hälfte des Stapels in die Waschmaschiene, da ich ganz genau wusste, dass die kleine Trommel nicht alles schaffen würde. Kurz nachdem ich das Waschmittel mit rein gab, die Trommel schloss und das Programm einstellte, klopfte es an der Tür.

 

Ich ließ die restlichen Klamotten fallen, stieg über sie drüber und lief einmal durch das Wohnzimmer um zur Tür zu gelangen. Ich guckte durch den Spion und musste kurz schlucken, bevor ich die Tür öffnete.

 

“Hi”, sagte ich in einem überraschenden Tonfall. Die Polizisten waren in ihrem Alltagsklamotten hier, was nichts anderes hieß, als das sie Detektive waren. Sie waren jedenfalls nicht überrascht mich zu sehen.

 

“Miss Abernathy?”, fragte einer der beiden. Er war dick, sein Bauch quillte bereits über seinen Gürtel und sein verschlissener Blazer war eine Nummer zu klein. Auf dem Namensschild über seiner Jackentasche stand der Name Gable. Sein Kollege Williams war deutlich lässiger gekleidet und trug zu seinem lila Button Down Hemd die passende Krawatte. Er kreuzte seine Arme, die dunkle Hautfarbe das komplette Gegenteil von Gables heller, mit Sommersprossen gespickter Haut.

 

“Ja?”, sagte ich, wohlwissend das Gable es nur bestätigt haben wollte und nicht gefragt hat.

 

“Wir suchen nach Travis Maddox.”

 

“Er ist hier. Er ist im Badezimmer”, sagte ich in der Hoffnung, dass Travis uns auf Grund der Lautstärke der Waschmaschiene nicht hören konnte. Es wird sich wesentlich leichter gestalten ihn zu decken, wenn er im Schlafzimmer bleibt. Ich musste ihn vorwarnen. Im Gegensatz zu mir, war er kein guter Lügner. Ich konnte mich nicht erinnern, dass er in den sieben Monaten seit wir uns kannten, jemals gelogen hatte.

 

“Können wir kurz reinkommen? Wir müssen mit ihm sprechen”, sagte Williams.

 

“Geht es um das Feuer?”, fragte ich.

 

Die beiden tauschten einen Blick aus und fühlten sich bereits einen Schritt im Vorraus.

 

“Ja”, sagte Gable. “Was können sie uns dazu sagen?”

 

“Ich habe es in den Nachrichten gesehen. Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt hatten, wollten wir rüber zu seiner Studentenbrüderschaft gehen, da er einige Brüder verloren hat. Ihn hat das wirklich schwer getroffen”, antwortete ich wohlwissend, dass dies keine Lüge war.

 

“Sind sie seine Freundin?”, fragte Gable in einem Ton, der nicht wirklich fragend war.

 

“Ich bin seine Frau”, korrigierte ich ihn.

 

Sie tauschten einen Blick aus, Williams verlagerte sein Gewicht auf das andere Bein und schaute sich seine Notizen noch einmal genauer an.

“Seine Frau?”

 

“Ja. Wir sind dieses Wochenende durchgebrannt. Nach Vegas. Wir kamen zurück, weil wir von dem Feuer gehört haben.” Gable verengte seine Augen.

 

“Es gibt mehrere Augenzeugen, die uns gesagt haben, dass Travis zur Zeit des Feuers in dem Gebäude war. Sie sagten unter anderem aus, dass er ein regelmäßiger Kontrahent in den…” er guckte kurz auf seinen Notizblock, “Circle Fights war.” Er betonte jedes Wort so, als würde er gerade eine andere Sprache sprechen.

 

“Okay… Da ich glaube, dass es gegen das Gesetz wäre, sie anzulügen”, sagte ich und lehnte mich an der Tür zurück. Die Männer beugten sich vor und warteten ungedulig auf mein Geständnis.

“Wir waren tatsächlich bei ein paar dieser Kämpfe. Es gibt ja nicht wirklich irgendwas zu tun in Eakins”, lachte ich und tat so als wäre es mir unangenehm, dass sie meinen Witz nicht lustig fanden.

 

Gable beugte sich vor, da er jemanden hinter mir gesehen hatte.

“Mr. Maddox?”

 

Ich drehte mich um und sah Travis wie erstarrt im Flur stehen.

 

“Hi Baby”, sagte ich. “Den beiden Herren hier wurde erzählt, dass du am Wochenende bei dem Kampf warst. Sie wollen ein paar Fragen stellen.”

 

“Dürfen wir reinkommen?”, fragte Williams.

 

“Klar”, erwiderte Travis und stieg über den Haufen Wäsche, den ich zuvor noch liegen gelassen hatte. Er wischte die Hände an seiner Hose ab und gab, während sie sich einander vorstellten, zuerst William und dann Gable einen festen Händedruck.

 

“Travis Maddox.”

 

“Schön sie kennenzulernen, Sir.”, sagte Gable während er seine Hand schüttelte wegen Travis´festem Händedruck. Er kam rein, ging an mir vorbei und man merkte sofort, dass er dem Mann vor ihm skeptisch gegenüber trat.

 

“Sie haben ja bereits meine Frau kennengelernt”, sagte Travis, als ich die Tür hinter den Polizisten schloss. Die Beamten nickten. Williams schnupfte kurz.

“Sind sie nach Vegas gefahren oder geflogen?”

“Geflogen”, sagten wir beide gleichzeitig, lächelten uns dabei an und setzten uns auf die Couch.

 

“Die Leute behaupten wirklich, dass er da war?”, fragte ich nach.

 

“Das sie beide dort waren”, korrigierte Gable und schrieb sich etwas auf seinen Notizblock auf. “Haben sie noch die Boarding Pässe?”

 

“Ja”, sagte ich und stand sofort auf, ging ins Schlafzimmer und holte sowohl die Boarding Pässe als auch die Hotel Rechnung aus meiner Handtasche. Ich wollte sie direkt griffbereit haben, für den Fall, dass die Ermittler kommen und Travis nach seinem Aufenthaltsort während des Feuers befragten.

 

“Das ging ja schnell”, sagte Williams misstrauisch.

“Wir sind gerade erst zurück gekommen. Es war noch alles in meiner Handtasche.” Ich gab ihnen Pässe und Rechnung.

 

“Ist das ihr.. uh…”, stotterte Gable als er mein Hochzeitskleid sah.

 

“Ja”, antwortet ich, als ich es stolz in die Höhe hielt. “Oh!”, ich lief in den Flur runter, schmiss das Kleid wieder auf unser Bett und kam mit der DVD unserer Hochzeit zurück ins Wohnzimmer.

“Wollen Sie vielleicht unsere Zeremonie sehen?”  Bevor auch nur einer der beiden antworten konnte, war die DVD schon im Player und ich drückte auf Play.

 

Ich setzte mich zu Travis, kuschelte mich an ihn, während er sich selbst sah, wie er unruhig neben dem Pfarrer stand. Ich küsste seine Wange, er drehte sich zu mir und drückte seine Lippen auf meine.

 

“Okay”, sagte Williams, stand auf, weil sein Handy anfing zu klingeln und hielt es an sein Ohr.

 

“Williams. Was? Wann? Das ist Bullshit und das wissen Sie auch!”

 

Travis guckte mich kurz an, ich drückte seine Hand und lächelte weiter. Ich starrte auf den Fernseher. Die Aufnahmen machten es leicht, so zu tun als würde ich nicht jedes Wort von Williams hören.

 

Gable formte ein “Was” mit seinen Lippen.

Williams schüttelte den Kopf. “Ja, Sir. Wir sind jetzt hier. Ich verstehe, Sir. Ja, Sir.”

 

Er seufzte, steckte sein Handy in die Hosentasche und schaute Travis genervt an.

“Das Federal Bureau of Investigation wird den Fall übernehmen. Ich bin mir sicher, die werden noch mehr Fragen für sie haben.”

 

“Das FBI?”, fragte Travis.

 

Williams runzelte die Stirn als er seinen überraschten Partner sah. “Sieht so aus. Ich wünsche ihnen einen schönen Tag, Mr. Maddox. Und Glückwunsch.”

 

Travis stand auf, wir brachten die Beamten nach draußen und dann wurde Travis nervös.

 

“Trav”, sagte ich und griff nach ihm, aber er hörte nicht auf. “Travis, hör auf. Alles wird gut, ich verspreche es dir.”

 

Er setzte sich auf die Couch, stützte seine Ellenbogen auf die Knie und bedeckte seine Nase und den Mund mit den Händen. Seine Knie wippten auf und ab und er atmete schwer. Ich bereitete mich innerlich schon auf einen Wutausbruch vor.

 

Ich setzte mich neben ihn, und berührte seine starke Schulter. “Wir waren in Vegas und haben geheiratet. Das ist das, was wir gemacht haben und das werden wir auch weiterhin sagen. Du hast nichts falsch gemacht, Travis. Das was passiert ist, ist wirklich schrecklich, aber ich werde nicht zulassen, dass dir deswegen etwas passiert.

 

“Abby”, sagte Travis durch seine Hände. Er schloss die Augen und nahm einen tiefen Atemzug.

 

“Wusstest du, dass es passieren wird?”

 

Ich küsste seine Schulter. “Was meinst du?”

 

“Das ich ein Alibi brauche.”

 

Mein Herz raste in meiner Brust und es begann wie wild zu schlagen.

 

“Wovon redest du?”

 

Er drehte sich mit einer unglaublichen Angst in den Augen zu mir und bereute schon schon fast die Frage, die er stellen wollte.

 

“Sag mir die Wahrheit.”

 

Ich zuckte zusammen. “Okay.”

“Hast du mich geheiratet, damit ich nicht ins Gefängnis muss?”

 

Ich musste schlucken, Das erste Mal überhaupt hatte ich Angst, dass mein berühmtes Pokerface versagen würde. Wenn ich zugeben würde, dass ich ihn geheiratet habe, damit er ein Alibi hat, würde er mich nicht glauben, dass ich ihn auch geheiratet habe, weil ich ihn liebe und seine Frau sein wollte. Er würde nicht glauben, dass der einzige Grund für eine Freshman, gerade mal neunzehn Jahre jung, ihn zu heiraten aus Liebe war. Ich konnte ihm nicht die Wahrheit sagen, aber ich wollte unsere Ehe auch nicht mit einer dicken Lüge beginnen. Ich öffnete den Mund und wusste nicht was ich sagen würde, bevor die ersten Wörter rauskamen. 

 


 

 

Episode Two: White Lie

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White Lie - Notlüge

 

“Travis”, begann ich und fasste ihm ans Knie. “Ich habe dich geheiratet, weil ich mich in dich verliebt habe.”

 

“Ist das der einzige Grund?”, fragte er und bereitete sich auf all den Schmerz vor, den meine Antwort hervorrufen könnte.
“Nein.”

 

Seine Brust hob sich als ob alle Luft aus ihm geschlagen worden wäre. Eine Stunde zuvor begann er gerade zu akzeptieren, dass unser Wochenende nicht nur ein Traum war. Vor einem Monat hätte er noch die Wohnung zerschlagen. Ich konnte sehen, wie er gegen den Drang ankämpfte, um sich zu schlagen, trotz des großen Schmerzes, den er gerade durchlebte. Diesen Konflikt in jedem noch so kleinen Zucken seines Gesichts zu sehen, ließ mich ihn nur noch mehr lieben.

 

Travis starrte zu Boden, als er sagte: “Abby, wenn ich sagte, dass ich dich liebe … Ich wusste bis zu diesem Moment nicht, dass ich mehr wollte, als dich zur Frau zu haben.” Sein Atem stockte und er räusperte sich um das Zittern aus seiner Stimme zu kriegen. “Ich möchte, dass du gücklich bist. Du musstest das nicht tun.”

 

“Ich bin glücklich. Heute bin ich so glücklich wie noch nie. Morgen werde ich sogar noch glücklicher sein. Aber dein Glücklichsein ist genauso wichtig für mich, Travis, und …” Ich zögerte. Egal auf wie viele Arten ich es zu erklären versuchte, Travis würde es nicht verstehen. Nach Vegas durchzubrennen, um ihn vor dem Gefängnis zu bewahren, bedeutete mir mehr als aus einer Laune heraus zu entscheiden. Vielleicht war es nicht so romantisch wie der zufällige, impulsive Antrag, den Travis wollte, aber ich musste meine Gefühle durch Aktionen bestätigen. Für mich war es eine Bestätigung meiner Liebe zu ihm, die alles überragte, was mir sonst wichtig war, aber Travis würde es nicht so sehen. Ich konnte es in seinen Augen sehen.

 

“Sag es einfach, Täubchen. Ich muss es dich sagen hören. Ich muss die Wahrheit wissen”, sagte er geschlagen.

 

Ich umfasste sein Kinn mit meinen Händen und berührte sein Ohr flüchtig mit meinen Lippen. “Ich gehöre dir”, flüsterte ich. Meine Augenbrauen zogen sich zusammen. “Und du bist mein.”

Er drehte sich um, berührte meine Wange mit seinen Fingerspitzen und suchte in meinen Augen nach dem kleinsten Hinweis, dass ich nicht komplett ehrlich war.

Ich bot ihm ein kleines Lächeln und verschloss all meine Sorgen in meinem tiefsten Inneren. Die Worte, die ich gesagt hatte, waren die Wahrheit, aber ich fühlte den Drang sie zu beschützen als wären sie Lügen. Travis musste nicht wissen, dass ich ihn retten wollte. Er musste nur wissen warum.

 

Er nickte und als er ausatmete entspannten sich alle seine Muskeln. “Hast du jemals etwas so sehr gewollt, etwas, das so außerhalb deiner Reichweite war, dass als du es bekommen hast, du zu fast zu viel Angst hattest es zu glauben?

“Ja”, flüsterte ich gegen seine Lippen. “Aber ich bin deine Frau. Nichts wird das jemals ändern.”

 

“Ich weiß nicht”, sagte er kopfschüttelnd. “Ein zwanzigjähriger Gefängnisaufenthalt könnte das ändern.”

 

“Wie kannst du glauben, du hättest keine Kontrolle über das, was mit uns passiert? Du hast dafür gesorgt, dass ich mich so sehr in dich verliebe, dass ich dir mit neunzehn einen Antrag mache.”

 

Er lachte kurz auf.

“Hast du mal daran gedacht, dass ich diejenige sein könnte, die Angst hat dich zu verlieren?”, fragte ich.

 

“Wo soll ich denn hingehen?”, fragte er, während er mich auf seinen Schoß zog.

 “Du bist mein Anker. Es gibt nicht eine Sache da draußen, die ich haben wollte, wenn es mich von dir wegnimmt.”

 

Seine Mundwinkel zogen sich zu einem Grinsen, aber nur für eine Sekunde. “Ich werde vom FBI befragt, Täubchen. Was, wenn sie mich verhaften? Was, wenn ich für eine lange Zeit weg bin?”

 

Ich schüttelte meinen Kopf. “Das passiert nicht. Du warst nicht da. Wir waren in Vegas und haben geheiratet.” Ich hob meine Hand und wackelte so mit den Fingern, dass sich das Licht in dem Diamanten brach. Sein Ausdruck ließ Tränen in meine Augen steigen und ich warf meine Arme um ihn, hielt ihn ganz fest und vergrub mein Kinn in seiner Halsbeuge. Ich musste nicht verstecken, dass ich Angst hatte.

 

“Ich werde nicht zulassen, dass sie dich mir wegnehmen.”

“Irgendjemand muss für das gerade stehen, was passiert ist.”

 

Meine Augen durchsuchten die Wohnung, da waren die kleinen Kerzen, die ich in der kleinen Eakin’s Strip Mall gekauft hatte und der Aschenbecher, den Travis neben der Tür aufbewarte, um ihn greifbar zu haben, wenn er zum Rauchen raus ging. Ich dachte an seinen liebsten Pfannenwender direkt neben meinem liebsten Servierlöffel in der Küchenschublade nach, seine Shotgläser neben meinen Kaffeetassen, seine riechenden Sportsocken zwischen meinen Victoria’s Secret.

 

 Ich dachte an den Eastern State Campus und an das Schwindelgefühl, wenn Travis mich in dem Meer von 12000 Studenten fand, und an das eine mal, als die halbe Mensa einen Song sang, nur weil die Aufmerksamkeit von mir nehmen wollte.

 

Ich bin von Kansas nach Illinois gezogen um vor meiner Vergangenheit zu fliehen - und bin mit dem Gesicht voran bei der Person, mit der ich als letztes in Kontakt kommen wollte -  die aber gleichzeitig die einzige Person war, die mich intensiver und bedingungsloser liebte, als es je jemand getan hatte. Travis Maddox brachte mich zum Lächeln, sorgte dafür, dass ich mich auf jeden Tag freute. Es gab keine Abby ohne Travis.

 

“Nicht du. Du hast nicht das Gebäude ausgesucht. Du hast die Laternen beschädigt. Das Feuer war ein Unfall, Trav. An schrecklicher, entsetzlicher Unfall. Aber wenn es jemandes Schuld ist, dann nicht deine.”

 

“Wie soll ich das Dad erklären, Täubchen. Wie soll ich meinen Brüdern sagen, dass ich Teil davon war? Einige unserer Brüderschaft Brüder sind in dem Feuer gestorben. Fuck”, sagte er und streichte seine Hand über sein kurzes Haar. “Trenton ist fast in dem Feuer umgekommen.”

 

“Aber ist er nicht. Travis?” Ich schüttelte meinen Kopf. “Du kannst es ihnen nicht erzählen. Du kannst es auch nicht Shep oder Mare sagen. Du kannst es nicht deinem Dad beichten. Wenn wir es ihnen erzählen und sie dich nicht anzeigen, dann haben sie auch Probleme.”

 

Er dachte einen Moment darüber nach und nickte dann. “Aber … was ist wenn sie Adam verhaften?”

 

Ich sah nach unten, unsicher wie ich diese Variable händeln sollte. Adam könnte zustimmen, gegen Travis auszusagen, wenn er dafür weniger Zeit im Gefängnis sein müsste. Wenn auch nur eine weitere Person aussagte, dass Travis während des Kampfes im Keller war, könnte sein Alibi hinfällig sein.

 

Ich sah in seine besorgten, rostbraunen Augen. “Wir machen das Schritt für Schritt. Der erste Schritt ist unsere Heirat. Wie kommen zu erst, jedes Mal”, sagte ich und berührte seine Brust mit meinem Finger. “Erst wir, dann die Familie, dann die Welt.”

 

Er nickte, griff mein Kinn und legte seine Lippen auf meine. “Ich liebe dich, verdammt nochmal”, flüsterte er.

 

Der Türknauf wackelte, ehe Shepley und America durch die Tür platzen, beide mit großen, braunen Tüten in den Händen und über Jalapeno-Koreander-Hummus redend. Sie blieben direkt hinter der Couch stehen und starrten uns an, während wir ein uns in einer eingefrorenen Umarmung befanden..

 

“Was zu Hölle, Shep? Klopf an!”, sagte Travis.

Shepley zuckte mit den Schultern, die Tüten bewegten sich mit. “Ich wohne hier!”

“Ich bin verheiratet. Du bist das dritte Rad. Dritte Räder klopfen”, sagte Travis.

 

America schnappte sich die Schlüssel aus Shepleys Hand und hielt sie so, dass Travis sie sehen konnte. “Nicht, wenn das dritte Rad einen Schlüssel hat”, entgegnete sie. “Übrigens, Shep hat Brazil dazu überredet uns seinen Truck zu leihen, damit wir den Rest von Abbys Sachen hierher bringen können. Gern geschehen.”

 

Sie drehte sich zur Küche und zeigte Shepley an ihr zu folgen. Sie war immer noch sauer, dass wir durchgebrannt waren und verstand nicht, wie der einzige Weg dafür war, mitten in der Nacht weg zu schleichen ohne jemandem davon zu erzählen. Sie öffneten alle Türen und begannen die Tüten auszuräumen, füllten dabei die fast leeren Regale mit Dosen, Tüten und Boxen.

 

“Ich helfe”, bot ich an und stand von Travis’ Schoß auf. Er zog mich wieder runter und kuschelte sich an meinen Nacken.

 

“Oh nein”, schnaubte America. “Du bist jetzt verheiratet. Lass die dritten Räder den zweihundert Dollar Essenseinkauf wegräumen, den sie gerade gemacht haben.”

“Whoa! Nett, Shep!”, sagte Travis und drehte sich lange genug zur Küche, damit Shepley ihm zuzwinkern konnte.


“Ich kaufe, du kochst. Das hat sich nicht geändert, oder, Trav?”, sagte Shepley.

“Richtig”, antwortete Travis und hob seinen Daumen in die Luft.

 

“Du wirst es mir beibringen müssen”, saget ich verlegen.

“Kochen?”, frage Travis. Ich nickte. “Aber wenn ich es dir beibringe, dann werde ich nicht so oft für dich kochen können.”

“Eben drum. Ich will helfen.”

 

Er grinste, sodass sich das Grübchen in seiner Wange bildete. “Dann ist die Antwort nein.”

Ich zwinkte ein Stückchen Haut direkt unter seinem Armen und kicherte, als er aufschrie. America ging an der Couch vorbei zu dem Loveseat, wo die Fernbedienung kaum sichtbar zwischen den Kissen hervorlugte.

 

Ich dachte darüber nach, sie zu warnen, dass der große Polizeibeamte sie wie eine Henne bebrühtet hatte, aber bevor ich dazu kam, zog America schon so lange an der Fernbeziehung, bis sie frei war. Sie richtete sie auf den Fernseher, sah den Bildschirm angehen, der sofort die lokalen Nachrichten wiedergab. Sie berichteten noch über das Feuer, der Reporter direkt vor Keaton, mit schwarzen Streifen über den Fenstern, während gelbe Wörter am unteren Bildschirmrand durchliefen.

 

Ich fasste mir an den Hals und schluckte, erinnerte mich an den Rauch, den ich verschluckte und wie beängstigend es war, die Flammen näher kommen zu sehen. Ich war verwirrt, verloren und verängstigt, spürte, dass der Tod jeden Moment kommen könnte, bis ich Travis’ Stimme zwischen den Schreien und dem Weinen des Hauptraums ausmachen konnte.

 

America setzte sich langsam auf den Loveseat und ließ ihre Hände mitsamt Fernbedienung zwischen ihre Beine sinken. “Emily Heathington ist in dem Keller gestorben. Sie war in meinem Wasseraerobic Kurs”, sagte America und lachte ohne Humor. “Sie hasste das Wasser.

 

Sie sagte, dass der Gedanke ans Untergehen und nichts zwischen ihr und der Tiefe zu haben sie klaustrophobisch werden ließ. Also hat sie den Wasseraerobic Kurs belegt und ihrer Angst ins Gesicht zu sehen. Dass sie so gestorben ist … ist fast ein schlechter Witz.”

“Mare”, warnte ich sie, als ich Travis’ Gesichtsaudruck wahrnahm.

 

“Ich bin so froh, dass ihr nicht da wart”, sagte America und strich über ihre Wange. “Ich weiß nicht, was wir getan hätten, wenn einem von euch etwas passiert wäre.” Sie stand auf und warf die Fernbedienugn auf Travis. “Ja. Sogar du, Arschloch.”

 

Travis fing das kleine schwarze Dreieck mit einer Hand und drehte sich zurück zur Küche. Er konnte nicht über den Rücken des Couchkissens sehen, aber sprach trotzdem zu seinem Cousin. “Sollten wir zu Sig Tau gehen?”

 

“Ich war gerade da”, antwortete Shepley. “Es ist sehr ruhig da drüben. Viele Jungs sitzen nur rum und starren zu Boden.”

“Sie haben darüber geredet eine Benefizveranstaltung zu organisieren”, sagte America.

Travis nickte. “Ja, das sollten wir definitiv tun.”

 

“Travis”, sagte Shepley. “Wie sollen wir jetzt die Miete bezahlen? Uns fehlt das, was wir sonst im Sommer bezahlen. Wir haben kein Einkommen.”

“Wir suchen einen verdammten Job”, entgegnete Travis und lehnte sich zurück.

“Und tun was? Alles was du je für Geld gemacht hast ist Leute zu verpügeln. Ich habe rumtelefoniert. Sollen wir uns bei Burger King bewerben?”

 

Ich runzelte die Stirn und sah America an, aber sie zuckte nur die Schultern. “Ihr findet schon eine Lösung”, sagte ich. “Ich hab eine Ausschreibung für einen Mathe Tutoren am Schwarzen Brett neben der Tür gesehen, vor der Pause. Ich werde da nochmal nachsehen.”

“Oh, ja”, sagte Shepley mit einem Seufzer. “Wir teilen Miete und Rechnungen jetzt durch drei. Das wird viel einfacher.”

 

“Deine Eltern bezahlen deine Rechnungen”, grummelte Travis. “Ich weiß nicht, worüber du so jammerst.”

“Es ist cool, nicht fragen zu müssen”, sagte Shepley.

“Shep”, fing Travis an, “Ich liebe dich, Cousin, aber einer von uns wird ausziehen müssen.”

“Wovon redest du?”, sagte Shepley.

 

America griff nach einem Kissen und warf damit nach Shepley. “Hör auf damit! Tu nicht so als hättest du nicht in der Sekunde, in der du von ihrer Hochzeit erfahren hast, gewusst, dass es so kommen würde!”

 

Shepley schmunzelte. “Sorry. Ich hätte das so lange ausgenutzt wie ich könnte.”

Zwei Linien bildeten sich zwischen Travis’ Augenbrauen. Shepley wusste nicht, dass Travis sich bereits schlecht genug wegen so vielen Dingen fühlte. Travis atmete aus und schüttelte seinen Kopf. “Wir werden nichts finden, wo wir gut bezahlt werden. Dass versichere ich dir.”

“Wie du gesagt hast”, sagte ich und streichelte seinen Rücken, “Wir haben jetzt zwei Einkommen. Es ist okay, wenn du weniger verdienst. Selbst wenn es die Hälfte ist.”

“Ich werde das Geld vermissen”, sagte Travis und starrte ins Nichts. “Ich hatte viele Pläne für uns.”
“Wie ein Auto?”, fragte ich.

 

Er unterdrückte ein Lächeln. “Mach dir deswegen keine Sorgen.”

Ich schlug ihn spielerisch. “Was meinst du?”

“Ich meine, dass ich mich darum gekümmert habe.”

“Hast du uns ein Auto gekauft?”, sagte ich und setzte mich hin.

 

Ich habe noch nie ein Auto besessen. Travis’ einzige Beförderungsart war seine Harley Night Rod, und obwohl es unglaublich sexy darauf aussah, war es mehr als nur etwas zugig im Winter. Wir hatten uns auf Shepley verlassen, der uns entweder gefahren hat oder uns sein Auto lieh. Aber da wir jetzt verheiratet waren, würde sich das ändern.

 

Alles würde sich ändern. Wir waren nicht länger die Studenten, die sich wegen einer Autofahrt aufeinander verlassen konnten. Wir waren ein verheiratetes Paar und da waren gewisse Erwartungen - größtenteils an uns selbst- verantwortungsbewusst und eigenständig zu sein.

Ehe war so viel mehr als nur eine Zeremonie und Versprechen.

 

Ich habe keinen Gedanken daran verschwendet, dass Travis einen Mitbewohner hat, als ich nur seine Freundin war. Aber die Ehe machte, dass es sich anders anfühlte. Ebenso wie kein Auto zu haben, oder Jobs, oder … die Wirklichkeit all dessen wirkte gerade auf mich ein und ich ließ mich in die Couch sinken.

 

Travis runzelte die Stirn, besorgt durch meine Reaktion. “Was, Baby?”, fragte er.

Shepley schmunzelte. “Jetzt hast du wirklich kein Geld mehr über.”

“Jetzt brauchen wir es wirklich nicht, dass du hier wohnst”, grummelte Travis.

Shepley zog seine Nase kraus und sah aus, als hätte er etwas ekelhaftes gerochen. “Man, das war einfach nur unhöflich.”

 

Travis krabbelte über die Couch und drückte seinen Cousin auf den Fliesenboden der Küche. Shepley grunzte, als sein Knie die untere Regaltür traf, dann jaulte er auf, als Travis nach seinem Schritt griff.

 

“Hör auf, dreckig zu kämpfen Sackdieb!”, schrie Shepley.

America sprang zurück und verfehlte Travis’ schnell bewegende Beine nur knapp. Ich stand neben ihr auf und hakte meine Arme um ihre.

 

“Bist du dir sicher, dass du weißt, worauf du dich da eingelassen hast?”, fragte sie. “Du hängst da drin, weißt du? Das ist deins.”

 

“Du bist die Nächste”, sagte ich und zog an ihrem Arm.

“Oh nein. Nur weil du als Freshman geheiratet hast, heißt das nicht, dass der Rest von uns verrückt ist.” Sie sah mich verwirrt an. “Ich verstehe immer noch nicht, warum du es getan hast. Travis wusste, dass der größte Kampf des Jahres anstand, Adam findet irgendwie wen anders, der an Travis’ Stelle kämpft - quasi in der letzten Minute, das Feuer bricht aus und ihr beide entscheidet einfach durch zu brennen …” Erkenntnis flackerte in ihren Augen.

Travis erstarrte und beide Jungs sahen schwer atmend zu America.

“Abby”, begann America verdächtig.

 

“Mare, nicht”, sagte ich. “Sag es nicht. Denk nicht einmal daran.”

“Aber ich habe Recht, nicht wahr?”, fragte sie.

“Nein”, sagte ich abrupt. “Wir waren auf dem Weg nach Vegas als das Feuer ausbrach. Was für Leute wären wir, wenn wir so etwas getan hätten?”

 

“Schlau”, sagte Shepley beim Aufstehen. Er strich seine Hose sauber und versuchte immer noch, wieder zu Atem zu kommen. Seine Wangen waren von dem erfolglosen Herumschlagen mit seinem viel größeren Cousin gerötet.

 

Travis stand auch auf und schlang seinen Arm um meine Taille. Wir vier tauschten Blicke aus, unsicher, was als nächstes gesagt würde. Aber in dem Moment wusste ich, dass Travis die Wahrheit wissen musste.

 

Episode Three: Silver

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Silver - Silber

 

 

Teller, Töpfe und Besteck klapperten laut aneinander und wurden durch das laufende Wasser aus dem Hahn eingehüllt. Dampf stieg aus dem Waschbecken während America und ich die Reste von Travis´ berühmten Cajun Chicken Nudeln weg spülten und die Teller anschließend in die Spülmaschine stellten. Keiner von uns hatte während des Essens viel gesagt, zum einen, weil Travis ein wirklich guter Koch war, aber zum größten Teil wusste keiner so wirklich was er sagen sollte ohne die Wahrheit auszusprechen und jeden im Raum zu beschuldigen.

 

“War es wirklich der einzige Weg?”, fragte America mich während sie mir eine Schüssel gab.

“Ich möchte nicht darüber sprechen”, antwortete ich. “Es ist besser wenn ich nichts sage. Aber falls du es wissen möchtest…. Ja, ich liebe ihn und ja, ich bin glücklich seine Frau zu sein.”

 

“Das ist alles, was ich wissen muss. Ich werde nicht noch einmal fragen.”

“Und genau deswegen bist du die beste Freundin die es gibt.”

“Du hast Recht. Das bin ich. Du kannst dich sehr glücklich schätzen!”

Ich musste lächeln. “Das bin ich.”

 

America wählte ein Programm aus und die Spülmaschine begann zu brummen und zu summen. Sie trocknete sich die Hände ab, stellte sich hinter mich und legte die Hände auf meine Schultern. Sie drückte ihr Kinn sanft in meinen Nacken, küsste meine Wangeund flüsterte mir ins Ohr: “Es wird alles wieder gut. Ich verspreche es.”

“Ich weiß.”, antwortete ich.

 

Ich drückte mir ein bisschen von dem blauen Spülmittel in die Hände und schrubbte meine schon aufgeweichte Haut. So sehr mir unsere Probleme in der Vergangenheit bewusst waren, wir hatten jetzt ein wirkliches großes. Wenn Travis festgenommen werden würde, dann wären wir alle dran. Ich habe die Polizisten angelogen, habe dabei geholfen eine Straftat zu vereiteln und anzustiften, ganz zu schweigen davon, dass ich das vor, während und nach der Tat gemacht habe. Aber ich würde die Konsequenzen dafür tragen, so lange es eine Chance gab, dass Travis nicht ins Gefängnis gehen musste.

 

Ich schaute über meine Schulter zu meinem Ehemann. Er stand, seine starken tätowierten Arme vor der Brust gekreuzt, und unterhielt sich mit seinem Cousin. Er drehte seine weiße Baseball Kappe anders herum und wechselte andauernd das Standbein, als könnte er nicht still stehen. Shepley hatte einen beruhigenden Effekt auf Travis und brachte ihn wieder runter, von was auch immer Travis gerade nervös machte.

 

Ich lächelte und schaute auf meine Hände, wo noch immer die Seife runterlief und wünschte mir einfach, dass meine Hände sauber wären.

 

Die Sonne ging bereits unter und zauberte einen warmen Schimmer durch die Fensterscheibe, die direkt über dem Waschbecken war. Meine Aussicht bestand aus dem Parkplatz, den Wohnblöcken ein Stück weiter unten und die Spitzen der Campus Gebäude, die durch die Bäume zu sehen waren, ein paar Meilen entfernt. Der Himmel war immer noch durch den Rauch, der vor ein paar Tagen aus Keaton Hall aufstieg, verschwommen.

 

Das Feuer war eine der beängstigsten Sachen, die ich je in meinem Leben erlebt hatte, aber ich war immer noch am Leben. Diese Angst, die für mich nur noch eine Erinnerung war, hatte die letzten Momente von so vielen Klassenkameraden bestimmt. Ich konnte immer noch ihre Schreie hören, schloss meine Augen damit es aufhörte.

Ich trocknete mir die Hände ab und ging in den Flur. Ich schmiss eine neue Maschine mit Wäsche an und nahm die frische, noch warme und saubere Wäsche mit ins Schlafzimmer und stellte sie aufs Bett. Sich zu beschäftigen war gut.

 

Travis kam ebenfalls rein und brachte den Korb zum springen, als er sich mit dem Gesicht zuerst aufs Bett fallen ließ. Er nahm ein paar tiefe Atemzüge, drehte sich dann auf den Rücken und kreuzte seine Arme hinter dem Kopf. Er starrte an die Decke während ich mein Brautkleid an den Kleiderständer hing.

 

Die blanken Äste von dem Baum draußen zitterten durch den Wind. Ich beobachtete jedes Jahr in Travis´Schlafzimmer, wie sich der Baum durch die Jahreszeiten veränderte, doch jetzt war es unser Schlafzimmer.

“Erinnerst du mich dran, es in die Reinigung zu bringen, damit es konserviert werden kann?”, fragte ich und glättete das Kleid.

“Konservieren? Was soll das denn bitte bedeuten?”, sagte er mit einem Lächeln.

“Damit es nicht Gelb wird. Damit es frisch bleibt.”

“Und für warum?”

 

“Für immer.”, antwortete ich und ging zum Bett. “So wie wir.”

Travis hielt meinen Blick für einen Moment und beobachtete mit einem anerkennenden Lächeln wie ich zurück zum Bett ging.

 

Ich nahm das lästige, aber ebenso notwendige Falten unserer Sachen, die wir in Vegas getragen hatten sowie der Handtücher mit denen wir uns direkt nach dem Feuer gewaschen hatten wieder auf.

 

Travis kreuzte seine Arme hinter seinem Kopf und seufzte.

“Ich habe keine Angst ins Gefängnis zu gehen, Täubchen. Ich wusste so ziemlich genau von dem Moment, an als ich dich zum ersten Mal gesehen habe, dass…. Ich weiß auch nicht. In meinem Kopf hört es sich völlig normal an so etwas zu sagen, aber wenn ich es laut aussprechen muss….”

 

“Sag es einfach.”

 

“Ich existiere für dich, Abby. Das ist es. Ich habe alles in meiner Macht stehende getan, damit ich dich nicht verliere. Was mache ich, wenn ich dich nie wieder sehen würde? Oder deine Haare nie wieder anfassen könnte? Deine Augen nie mehr im Sonnenlicht sehen würde? Deine nassen Haare auf meinen Arm, wenn wir einschlafen, nicht mehr spüren könnte?

Ich hatte noch nie vor irgend etwas Angst, aber das macht mir eine Todesangst.”

 

“Du wirst nirgendwo hingehen müssen.”, sagte ich. Mein Ausdruck blieb entspannt, aber alles was er sagte war beängstigend. Ich sortierte seine Socken und faltete sie. So waren Travis und ich. Ein großes verknotetes Bündel. Selbst wenn wir getrennt waren, lebten wir zusammen.

 

“Du kannst es nicht lösen, Abby”, sagte er. “Ich werde nicht lügen. Nicht, wenn ich etwas falsches getan habe und es verdiene -- “

“Hör auf”, unterbrach ich und warf ein Paar Socken in sein Gesicht. Er fing sie, bevor sie ihn überhaupt treffen konnten.

 

“Ich bin deine Frau. Es ist deine Pflicht hier bei mir zu sein, mich zu lieben und zu beschützen. Du hast es versprochen! Wir haben immer einen Kampf nach dem anderen bestritten und das hier ist nichts anderes!”

 

Er nickte und richtete seinen Blick an die Decke. Er seufzte kurz, dann stand er auf. “Ich kann hier nicht die ganze Zeit rumhängen, es macht mich Wahnsinnig. Lass uns gehen.”

“Wohin?”

“Pinkerton´s.”

 

“Das Autohaus? Nein”, sagte ich und schüttelte den Kopf.

 

Travis grinste. “Es ist alles schon bezahlt. Du musst nur noch eine Farbe aussuchen.”

Ich zog eine Augenbraue hoch. “Verarsch’ mich nicht, Maddox.”

 

Er zog sich ein langarmiges T Shirt und eine saubere Jeans an, ehe er sich bückte um seine Stiefel anzuziehen. “Wir gehen”, warnte er.

 

Ich rührte mich nicht von meinem Wäschekorb weg, aber Travis kam zu mir, stieß mich mit seine Hüfte an, nahm eines meiner Shirts und einen Kleiderbügel und in weniger als einer Minute waren wir mit dem Falten und Wegräumen der Kleidung fertig. Ich stand vor meinem Kleiderschrank, verschränkte die Arme vor meiner Brust und versuchte keine große Sache aus der Wahl meiner Klamotten zu machen.

 

 

“Einfach eine Jeans und einen Pulli, Baby. Du bist wunderschön. Du musst es gar nicht erst versuchen.”

Meine Wangen liefen rot an und ich guckte auf den Boden. Travis war zwar mein Ehemann, aber er konnte mich immer noch in Verlegenheit bringen, wie er es getan hatte, als wir uns kennenlernten. “Sie schließen bald, oder?”

 

“Was? Du willst also kein Auto? Vamos! Beweg’ deinen Hintern, Mrs. Maddox!”

Ich kicherte, schnappte mir die erste Hose und den ersten Pulli, den ich in die Hände bekam, zog mich zügig um und ging zu Travis ins Wohnzimmer. Er hatte Shepleys Autoschlüssel in der Hand und sein Gesicht hellte auf als er mich sah. Er öffnete die Tür und deutete mir an, dass ich zuerst gehen sollte.

 

“Das hast du jetzt nur gemacht, damit du mir auf meinen Hintern gucken kannst, oder?”, fragte ich ihn.

“Da hast du verdammt Recht”, sagte er und schloss die Tür hinter sich. Wie liefen Händchen haltend die Treppen hinunter. “Es riecht nach Regen.”

 

“Gut, dass wir den Charger nehmen”, sagte er und öffnete mir die Tür auf der Beifahrerseite. Er wartete bis ich mich setzte und lief dann auf die Fahrerseite. Als er saß, hielt er sich am Lenkrad fest und schüttelte den Kopf.

 

“Was ist los?”, fragte ich. “Hast du etwas vergessen?”

“Alle fünf Minuten trifft es mich und ich kann es nicht glauben.” Er lehnte sich zu mir, nahm mein Gesicht in die Hände, als seine warmen Lippen meine berührten.

 

Er lehnte sich wieder zurück, steckte den Schlüssel in die Zündung und fummelte an der Heizung. Er verzog das Gesicht, als er den Radiosender einstellte. Er wechselte den Sender bis er einen gefunden hatte der Dexy´s Midnight Runners spielte. Er wackelte den Kopf im Takt und ich musste lachen als er die Lippen zu C´mon Eileen bewegte.

 

Er legte den Gang ein und fuhr vom Parkplatz. Seine Hand lag auf meinem Knie und sein Kopf wippte immer noch zur Musik. Er kannte jedes Wort. Es war beeindruckend. Zwischendurch guckte er immer wieder zu mir und sang die Wörter mit soviel Enthusiasmus, dass ich gar nicht anders konnte als mit ihm zu singen.

 

Als wir Pinkerton´s erreicht hatten brüllten wir praktisch den Refrain in der Melodie von Dukes of Hazzard. Ich kannte nicht den ganzen Song, aber Travis kannte ihn und sang ihn als stünde er in einem Stadion voller Menschen, die er unterhalten wollte. Ich war froh, dass er vorgeschlagen hatte die Wohnung zu verlassen. Mir war nicht klar, wie sehr ich mich gefangen fühlte und wie sehr ich nochmal laut lachen musste.

 

Travis parkte das Auto und stieg aus. Als ich die Beifahrertür geschlossen hatte, ging er vor mir her und hielt seine Hände hinter sich, bis sich meine Finger mit seinen vereinten. Er schlang meine Arme um sich und blieb stehen, als wir zu einer langenReihe mit Toyota Camrys kamen. Ein älterer Herr kam raus, richtete seine Haare und die Krawatte, bereitete sich auf seine Show vor und legte sein charmantes Lächeln auf. Travis´ war deutlich besser. Zu meinem Erstaunen sprach er Travis mit seinem Namen an. Travis ließ meine Hand los um die des Verkäufers zu schütteln.

 

“Ich habe mich schon gefragt, wann ihr kommen würdet. Das ist Abby?” Er nahm meine Hand. “Richard. Schön dich endlich kennen zu lernen.”

Ich drehte mich zu Travis.

 

Travis zuckte mit den Achseln. “Ich habe dir doch gesagt, such’ dir einfach eine Farbe aus.”

Ich brachte ein einzelnes Lachen raus. “Gibt es dich wirklich?”

Er hielt seine Hände vor sich und ließ sie dann auf seine Oberschenkel fallen. “Habe ich dich jemals angelogen?”

 

Ich griff langsam um seinen Nacken, merkte wie sich seine Muskeln entspannten. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und gab ihn einen schnellen Kuss. Ich konnte sehen, wie Richard versuchte nicht hinzuschauen.

“Niemals.”

 

Ich schaute in die Reihe von Camrys. Richard deutete aus die verschiedenen Farben “Attitude Schwarz, Barcelona Rot, Klassisches Silber, klares Wasserblau, Cosmic Grau und Sandy Beach Metallic. Leider haben wir momentan keinen in Pearl oder Magnetic Gray.”

“Aber er kann ihn besorgen”, sagte Travis.

“Natürlich”, antwortete Richard.

 

Travis ging mit mir entlang der Reihe. “Schau mal rein. Sie haben alle eine verschiedene Innenausstattung.”

 

Ich ging zu dem silbernen Auto und öffnete die Fahrertür. “Was ist das? Ein Fernseher?”

Richard kam zu mir. “Das ist ein…. Navigationssystem und ein Radio.” Er spulte weiter die Vorzüge des Autos ab, während Travis mich ermutigte mich reinzusetzen. Die Innenausstattung war in einem leichten Grau gehalten und die Knöpfe, die um den Bildschirm und am Lenkrad waren, erinnerten mich an eine NASA-Kontrolltafel. Ich konnte mir nicht vorstellen, damit jemals umgehen zu können.

“Ich kann nicht glauben, dass du das für mich machst”, sagte ich und strich mit meinen Fingern über das Lenkrad.

 

“Ich hatte noch nie ein eigenes Auto.”

Travis hockte sich neben sich, stützte sich an der offenen Tür ab und sagte “Ich mache alles für dich Täubchen. Ich werde dir alles geben, was du haben willst.”

Ich berührte seine Wange. “Das hast du bereits.”

Travis lehnte sich in meine Berührung, nahm meine Hand und war plötzlich aufgeregt. “Was hälst du von dem Wagen?”

“Diesen hier.”

“Den Silbernen?”, fragte er.

“Den Silbernen”, antwortete ich.

 

Travis drehte sich zu mir und hielt meinen Blick. “Du hast meine Frau gehört, Richard. Sie möchte diesen hier.”

Ich stürzte mich auf Travis und schubste ihn regelrecht auf den Rücken. Er lachte, umarmte mich auf dem Asphalt und küsste meine Lippen in dem Moment, als man in der Ferne den Donner hören konnte und der Regen anfing.

“Bis du glücklich, Täubchen?”

“Am glücklichsten”, flüsterte ich an seine lächelnden Lippen. 

 

Episode Four: What's Left of Right

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What’s Left of Right - Was vom Richtigen übrig geblieben ist

 

:: Travis ::

Abbys Handy fühlte sich klein aber entspannt in meiner an, als wir den nassen Gehweg entlang des gelben Absperrbands um die Keaton Hall gingen. Das Gebäude und der matschige Boden um die vier Backsteinecken waren jetzt ein Tatort.

 

Die Polizei - und jetzt das FBI - untersuchten den Tod von siebenunddreißig College Studenten, die meisten von ihnen nicht alt genug um Bier zu kaufen. Die letzten drei Tage habe ich mich gefragt, wann ich Dad davon erzählen sollte, wie er die Nachricht aufnehmen würde, dass sein jüngster Sohn in den tragischten Unfall in der Geschichte der Eastern State involviert war, und was er wohl sagen würde. Ich stellte mir die Enttäuschung in deinen Augen vor, die Sorge und den Stress, die ihn plagen würden, selbst nachdem mich die Polizei ins Gefängnis verfrachtet hat.

 

Die Backsteine über jeden Fenster des Gebäudes, in dem Adam meinen letzten Kampf organisiert hatte, waren schwarz von dem Rauch.

 

Die Schreie von vor einigen Nächten klangen noch in meinen Ohren und ich erinnerte mich noch an die Panik, die ich empfunden hatte, als ich verzweifelt den Keller und dessen dunkles Labyrinth nach Abby absuchte.

 

Die überwältigende Angst die mich überkam, als ich realisierte, dass Trenton nicht mit dem Rest der Überlebenden draußen war, war noch frisch. Die Haare in meinem Nacken stellten sich allein durch die Gedanken an den Vorfall auf. Dennoch kam nichts auch nur annähernd dem Schmerz nahe, den so viele Eltern empfanden, seit die Story des Feuers in den Nachrichten landete.

 

Selbst wenn Abby nicht eine Chance ausließ, mir zu sagen, dass das Geschehene nicht meine Schuld war, fühlte ich mich verantwortlich.

 

Ich pausierte vor einer provisorischen Gedenkstätte für die Opfer: Ein Stapel voller Notizen, Schleifen, Blumen und Stofftieren. Abby zog an meinem Kopf und zog mich vorwärts ohne ein Wort zu sagen. Sie wusste, dass ich mir selbst Vorwürfe deswegen machte, aber sie wusste nicht, dass ich auch gegen den Drang ankämpfte, mich selber der Polizei zu stellen. Das Einzige, was mich davon abhielt, war der Gedanke, meine Frau alleine zurück zu lassen.

 

Ich ging mit ihr zu dem Gebäude, in dem sie ihren ersten Kurs hatte und nachdem ich sie so küsste, dass jeder der es sah wusste, dass sie meine Frau war, sah ich ihr zu, wie sie die Treppen hoch ging und hinter den Doppelglastüren verschwand.

 

Shepley schlug mir auf die Schulter. “Sie werden so schnell erwachsen.”

Schulterzuckend entwand ich mich seinem Griff. “Verpiss dich, Penisatem.”

Shepley schmunzelte. “Eine der Sig Cap Schwestern hat America schon gefragt, ob das Gerücht wahr ist.”

 

Ich spürte, wie meine Augenbrauen sich langsam zusammen zogen. “Was für ein Gerücht?”

Shepley starrte mich an, als wäre ich ein Idiot. “Das Gerücht, dass du Abby geheiratet hast.”

Ich justierte meinen Rucksack und ging unter dem grauen Himmel, fühlte die Morgenluft in mein langärmliges T-Shirt eindringen. Wir sprachen nicht bis wir das Gebäude für freie Kunst erreichten, wo wir beide Kurse hatten. Ich nahm zwei Stufen auf einmal, sodass Shepley sich endlich beschwerte.

 

“Um Himmels Willen, Trav. Wo ist das Feuer?”

Ich blieb stehen und drehte mein Gesicht zu meinem Cousin, die Zähne zusammen gebissen. “Was stimmt mit dir nicht?”

 

Shepley wurde blass. “Sorry, Mann. Schlechte Wortwahl. Wir sind nicht zu spät. Uns bleiben noch zehn Minuten vor dem Kurs. Warum hetzt du so?”

“Es geht mir viel durch den Kopf”, sagte ich und riss die Tür auf.

 

Der Flur war voll mit Studenten die kamen und gingen, die nebeneinander liefen bis sie sich nur so lange trennten, um ein Hinternis mitten im Gang zu umgehen: Eine Glasbox auf einem Podium.

 

Darin befand sich ein Portrait von Gerald P. Stymie, der ehemalige Präsident der Eastern State und ehemaliges Mitglied von Sig Tau. Mister Stymie rockte Sig Tau mit meinem Vater und Onkel Jack und ich erinnere mich, wie er oft bei uns vorbei kam während meiner prägenden Jahre. 

 

Er nahm an unseren Urlaubspartys teil und an der Beerdigung meiner Mutter. Er starb vier Jahre nach seiner Pensionierung, was sechs Jahre vor meinem Freshman Jahr im College war. Ich fragte mich ob er mehr davon enttäuscht wäre, dass ich geholfen habe, dass tragischte Event der Eastern zu organisieren oder dass ich nicht zu meiner Involviertheit stand.

 

Die Energie was total anders als die Woche vor dem Spring Break, als jeder von gelächelt hat und mit einem schwunghaften Schritt unterwegs war. Jetzt war es ruhig in den Fluren, die Luft schwer und düster.

 

Die Mädchen wischten sich Tränen weg und die Kerle hielten die Mädchen dicht bei sich, sie alle erkannten ihre eigene Sterblichkeit -- einige das erste Mal.

 

“Dir geht viel durch den Kopf?”, fragte Shepley, während er hinter mir ins Gebäude huschte. “Was in etwa? Oh. Du meinst die Dinge, von denen ich nichts weiß? Oder hast du gerade realisiert, dass Ehe für immer ist?”

 

Ich griff mit beiden Fäusten in Shepley’s Kragen und schubste ihn gegen die dichteste Wand. Der Atem entwich ihm und er starrte mich mit geweiteten Augen an, die Hände in die Höhe gehalten. “Hey!”, sagte er durch seine Zähne. “Ich bin auf deiner Seite!”

 

Langsam lockerte ich meinen Griff und war mir der neugierigen Augen der Vorbeigehenden bewusst. Ich tätschelte Shepley’s Schulter um mich zu entschuldigen und atmete tief durch. “Das ist nicht witzig, Shepley. Nichts davon.”

 

Shepley sah sich kurz um und beugte sich zu mir, seine Stimme leise. “Du hast Recht. Es tut mir Leid. Ich versuche nur dich aufzuheitern. Aber du musst unauffällig bleiben, Travis. Jetzt ist nicht die beste Zeit Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen.”

 

Ich sah über meine Schulter zu meinen Kommilitonen, Kindern, jung und dumm wie ich aber ohne Ehefrau oder Rechnungen oder Polizisten, die an ihre Tür klopften. Ihre größten Sorgen waren ihre Noten und die Kreditkartenabrechnung, die sie ihren Eltern erklären mussten. Abby und ich hatten solche albernen Sorgen auch noch vor ein paar Tagen.

 

Die Hochzeit hat mir geholfen, so zu tun als wäre das Feuer nicht passiert, aber jetzt starrten mir die Nachwirkungen regelrecht ins Gesicht. Die Sorge, Abby an Parker zu verlieren schien wie ein vergangenes Leben. Jetzt könnte ich sie wirklich verlieren … für immer.

 

“Du hast recht”, sagte ich. Ich strich sein Shirt glatt und betätschelte seine Wange, zwang mich zu einem Lächeln. “Du hast recht, Kumpel, Es tut mir Leid.”

 

“Geh zu deinem Kurs, dick head”, sagte Shepley und justierte seinen Rucksack, ehe er um die Ecke verschwand um die Treppen zu steigen.

 

Ich ging zum Ende des Flurs und tauchte in meinem Kurs unter, nickte meinem Humanwissenschaften Professor zu bevor ich mich setzte.

 

Ein paar der Studenten aus dem vorherigen Kurs lungerten noch um seinen Tisch um Fragen zur Halbjahresprüfung zu stellen. Ich sah auf meine Uhr, zog dann mein Handy aus meiner Tasche und lächtelte, als das Display aufleuchtete. Abbys wunderschönes Lächeln ziehrte den Bildschirm, wie sie in einer einfacheren Zeit lachte.

                        Hey.

Ich lächelte, während ich eine Antwort tippte. WTF. Wie kann ich dich schon vermissen?

Drei Punkte erschienen -- das Manifest der Erwartung. Ich auch.

Ich lachte leise.

 

Abby war ein Rätsel. Ich wusste, dass sie mich liebte -- verdammt, sie war meine Ehefrau -- aber ihre kurzen Antworten und die Verweigerung, zu emotional zu werden, außer um Frustration oder Zorn zu teigen, ließen mich die meiste Zeit rätseln. Ich liebte das an ihr. Ich liebte, wie stur sie war und sogar wie kleinlich sie war.

 

 Ich liebte es, wie ich mir wegen ihr verrückt vorkam, wie unsicher, wie verängstigt. Sicherlich war das nicht gesund, aber es ging mir am Arsch vorbei. Niemand hat sich zuvor gewagt, mich solche Dinge fühlen zu lassen -- zumindest nicht absichtlich.

                        Ich habe gerade Abby Maddox in mein Heft geschrieben. Mit Herzchen. Wie
                        lahm bin ich?

Ein riesiges Grinsen breitete sich in meinem Gesicht aus. War das seltsam?

                        Nein. Ich muss. <3 dich.

 

Professor Halsey stand von seinem Platz auf, ging zur Vorderseite seinen Tischs und stütze seinen Arsch gegen die holzige Kante. Er war ein schlaksiges Wesen, nur Arme und Beine und Nase, sein schwarzes, fettiges Haar zu einer Seite frisiert, ein armseliger Versuch eine kahle Stelle auf seinem Kopf zu verdecken. Er spreizte seine Finder und presste die Lippen zusammen, berüchrte mit seinen Zeigefingern die Lippen.

 

“Ich bin mir sicher, dass ihr alle wisst, dass dieses College in der vergangenen Woche eine schreckliche Tragödie erlitten hat.”

 

Eine unangenehme Stille erfüllte den Raum und die Studenten rutschten in ihren Sitzen hin und her. Ich versank in meinem Tisch und kaute am Ende meines Stifts.

 

Halsey fuhr fort. “Wir wurden eingewiesen, euch über die Möglichkeit zu informieren, dass es auf dem Campus einen freien Beratungsservice gibt, den die Eastern State euch zur Verfügung stellt. Aufgrund unserer Zahlen bin ich mir sicher, dass wir mindestens eine Person in diesem Raum haben, diejemanden kannte der verletzt wurde, überlebt hat oder ein Opfer im Keller von Keaton wurde. Dies kann für alle eine beängistgende, überwältigende Zeit sein, ob ihr eng mit einem der Opfer befreundet war oder nicht, also bitte … ignoriert keins der Gefühle, die ihr nur schwer verarbeiten könnt. Wir sind hier um euch zu helfen.” Er pausierte lange genug, damit seine Wort durchsickern konnten und begann dann seinen Unterricht. Ein oder zwei Mädels schnieften ein paar Mal, aber abgesehen davon fuhren wir ganz normal fort, machten Notizen und stellten Fragen.

 

In dem Moment, als er den Kurs beendete, flüchtete ich zur Tür, lief den Flur runter und aus der Tür raus, ich lief den ganzen Weg bis zu dem Punkt, wo Abby bald ihren Kurs verlassen würde. Sie kam gerade durch die Tür, hielt an, als sie mich sah. Ich warf mich an sie und sie schlang ihre Arme um meine Mitte, führte mich die Stufen runter und entlang der Gebäudeseite.

 

“Was ist passiert?”, sagte sie, ihre Stimme leise und ruhig.

Meine Brust hob sich schwer als ich um Luft rang. Ich schüttelte meinen Kopf, nicht in der Lage zu antworten.

 

“Travis, schau mich an”, sagte sie, griff meinen Kiefer und hob meinen Kopf, bis mein Blick ihren traf. “Sprich mit mir.”

 

“Sie sind alle tot. So viele Leute laufen hier um ohne ihre Freunde, Mitbewohner … Familienmitglieder.” Ich zeigte auf meine Brust. “Ich habe das getan.”

 

“Nein. Hast du nicht.” Sie blickte über ihre Schulter und dann wieder zu mir. “Reiß dich zusammen, Maddox. Wenn die Leute dich so sehen und es der Polizei erzählen?”

“Vielleicht sollten sie das. Vielleichte sollte ich mich stellen”, sagte ich. Keiner meiner Atemzüge war tief genug. Je mehr Luft ich einzog, desto weniger befriedigend fühlte es sich an.

“Was zur Hölle redest du da?”, sagte sie. Das erste Mal hatte sie Mühe, ihr berühmtes Poker Face zu bewahren. “Travis, du hörst mir jetzt besser zu”, sie griff mein Shirt. “Du wirst mich nicht verlassen.”

 

“Glaubst du, dass ich das will?”, spie ich aufgeregt. “Sie sind gestorben, ja, und es ist schrecklich, ja, aber du darfst mich nicht verlassen.

 

Du wirst mich über alles andere wählen; über deine Schuld, über deine gottverdammte Moral, sogar über das Richtige! Wenn ich deswegen egoistisch oder eine schlechte Person bin, dann akzeptiere ich das. Aber sie würden nicht verstehen, dass du nicht wolltest, dass irgendetwas davon passiert. Es wird sie nicht interessieren, dass du das Gebäude nicht ausgesucht hast oder die Laternen nicht aufgestellt hast. Sie werden dich verhaften, Travis. Sie werden dich verhaften, dir Handschellen anlegen und … dich mir wegnehmen und …”

 

Ich zog sie an meine Brust, hielt sie fest, während sie in meinen Armen zitterte. “Baby”, sagte ich überrascht. Ich habe sie nie so verunsichert gesehen.

 

Sie schob mich weg, behielt mein T-Shirt jedoch in ihrer Faust. “Tu nichts dummes, Travis. Wag es ja nicht.” Frustriert machte sie mit ihrer freien Hand and Faust und schlug mir auf die Brust -- nur doll genug um deutlich zu sein. Tränen füllten ihre Augen. “Du bist die einzige Familie die ich habe.”

 

“Okay”, sagte ich blinzelnd. Ich zog sie wieder an mich, schwankte ein bisschen und versuchte so gut ich es konnte sie zu beruhigen. Ich küsste ihre Schläfe und verfluchte mich selbst. Ich wusste, dass ich sie nicht verlassen könnte, selbst wenn es wäre um das Richtige zu tun. Ich wollte nur, dass sie mir sagte es nicht zu tun. Etwas auf ihr abzuladen, von dem ich wusste, dass es nicht passieren würde, war ein arschiges Ding. 

 

“Du hast Recht … Ich war …. Ich will nicht verhaftet werden. Ich musste es nur von dir hören, glaube ich.”

“Du willst, dass ich dich da raus rede? So dass du dir selbst später sagen kannst, dass ich es war?”, fragte sie und schloss ihre Augen zu Schlitzen.

“Nein, Baby, Verdammt nochmal.”


Sie hob ihr Kinn. “Denn das ist in Ordnung. Ich werde die Schuld auf mich nehmen. Was immer es braucht, Travis. Was immer ich tun muss.”

 

Ich schluckte meine Emotionen runter, biss meine Zähne zusammen. Sie liebte mich so sehr wie ich sie liebte. Ich wusste nicht, dass das möglich war. “Abby…”

 

Sie presste ihre Stirm gegen meine Brust, atmete tief ein und nickte dann. Sie brauchte einen Moment um sich zu sammeln und blickte zu Boden, als sie sich entschied mir zu vertrauen, dass ich ihre Pläne nicht zerstören würde. Sie wischte sich die Augen, drehte sich auf dem Absatz um und ging in Richtung ihres nächsten Kurses. Der rauchige Geruch lag immer noch in der Luft, als sie aus meinem Blickfeld ging und die Asche meines Gewissens in ihrem Sog ließ. 

 

Episode Five: Truth

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Truth - Wahrheit

 

::Travis::

Meine Stiefel machten quietschende Geräusche als ich die nasse Treppe zu meiner Wohnung hoch ging. Zwischen meinen Unterrichtsstunden ergoss sich immer wieder der Himmel über mich. Ich war froh darüber. Der Boden rund um Keaton Hall war immer noch sehr matschig von dem ganzen Wasser, was die Feuerwehr in das Gebäude gepumpt hatte, und der Regen sorgte dafür, dass der Rest vom Campus genau so aussah wie das Gras und die Bürgersteige rund um Keaton Hall.

 

Die Schlüssel klimperten in meiner Hand als ich die Haustür öffnen wollte. In dem Moment als ich den Türknauf anfasste, hörte ich ein zaghaftes Kratzen auf der anderen Seite. Ich lächelte, öffnete die Tür und bückte mich um Toto zu begrüßen.

 

Mit seinem struppigen Fell, bedeckte er mein Gesicht mit Hundeküssen. Er war zwar schon ganz schön gewachsen, aber kläffte und tollte immer noch genau so rum wie an seinem ersten Tag in der Wohnung. Er hörte nicht auf, also nahm ich ihn auf den Arm und hielt ihn an meine Brust, während er mein Gesicht mit Hundesabber bedeckte. Ich hielt mein Kinn hoch, so dass seine Zunge nicht in meinem Mund enden würde.

 

Brazil hatte den Ersatzschlüssel benutzt um Toto abzuholen, nachdem wir schon am Flughafen waren und obwohl er ohne Fragen zu stellen auf ihn aufgepasst hatte, war Abby mehr als unglücklich als wir Toto wieder bei ihm abholten. Sie hatte ihm als erstes ein ausgiebiges Bad gegeben, um den Geruch von Zigaretten Rauch und dreckigen Socken loszuwerden. Nachdem sie ihn trocken gerubbelt und die verlorenen Streicheleinheiten nachgeholt hatte, war er in sein Hundekörbchen in der Ecke unseres Schlafzimmers gegangen und schlief den Rest der Nacht.

Ich nahm mein Handy um Brazil eine Nachricht zu schicken, so wie ich es Abby versprochen hatte.

 

Kumpel, ich bin dir wirklich dankbar, dass du unseren Hund zu dir genommen hast, aber wenn du nicht um ihn kümmerst, hättest du auch einfach “Nein” sagen können.

 

Es dauerte nicht lange, bis Brazil antwortete.

Was meinst du?

 

Er roch wie Scheiße! Hast du geraucht, wenn er in deiner Nähe war? Nicht mal ich rauche wenn er in meiner Nähe ist und er war für 24 Stunden komatös als er wieder bei uns war.

 

Sorry, Mann. Ich hatte eine Party und mein Mädchen zog mich nach draußen um über etwas dummes zu streiten. Als ich wieder rein kam, hatte Derek ihn aus meinem Zimmer gelassen und versucht ihn mit Bier zu füttern. Ich schmiss Derek raus, aber der Hund war nicht verletzt oder so. Ich schwöre!

 

Erinner mich beim nächsten Mal, dich nicht nochmal zu fragen.

 

Es wird nicht wieder vorkommen. Tut mir leid, Travis.

 

Ich setzte Toto wieder auf den Boden und hörte ihn aufgeregt über den Linoleum Boden tappsen, als ich eine Schale von seinem Lieblinsgfutter öffnete. Ich verzog das Gesicht, weil ich mir nicht vorstellen konnte wie man etwas, was so widerlich stinkt fressen konnte. Auf der anderen Seite, reden wir hier von Toto, der es auch toll findet an seinem eigenem Arschloch zu riechen und zu lecken.

 

Ich schenkte ihm etwas von dem Fressen in seinen Orangen Keramik Napf, den Abby online gefunden hatte. Sogar Toto´s Name stand auf dem Napf. Ich gab noch etwas mehr Wasser hinzu bevor ich meine Aufmerksamkeit wieder meinem Handy widmete. Ich ging meine Kontakte durch, bis der Name Brandon Kyle auftauchte.

 

Mein Daumen schwebte über den “Anrufen” Icon. Einer meiner Studentenbrüder hatte mir die Nummer gegeben. Er war der Besitzer von Iron E, eines der drei Fitnessstudio außerhalb des Campus in Eakins. Zwei der drei Studios gehörten Brandon und Iron E war sein ganzer Stolz. Es war ein neueres Studio und es war wesentlich bekannter als die anderen beiden, was an der hohen Anzahl der gemischten Studentenmitglieder lag. Ich trainierte auch hin und wieder dort und redete jedes Mal mit Brandon. Er war nett, hatte eine schwangere Frau, aber gleichzeitig auch so einige Liebschaften. Nicht unbedingt jemand den ich einen Freund nennen würde.

 

Ich drückte den “Anruf”-Knopf und hielt das Telefon an mein Ohr. Es klingelte ein paar Mal, dann hörte ich ein Klicken gefolgt von Schreien, Schläge und noch mehr Schreien hörte. Ich hatte mir bereits gedacht, dass er noch im Studio war.

 

“Brandon Kyle”, antwortete er. Aufgeblasener Idiot. Ich mochte keine Leute, die ihren ganzen Namen anstelle eines “Hallo” benutzten.

 

“Hey. Hier ist Travis Maddox. Wir haben uns ein paar mal im Iron E gesprochen. Ich habe gehört du suchst einen Teilzeit Trainer?”

 

“Schön von dir zu hören! Ich habe mir schon gedacht, dass du anrufen würdest. Wir würden dich sehr gerne bei uns im Team haben. Ich habe dich hier schon beobachtet. Du weißt was du tust. Und großer Gott, du würdest die Mädels praktisch schon mitbringen. Lass dir einen Termin geben, ich zeige dir alles und dann können wir immer noch entscheiden, ob es das ist was wir beide wollen.”

 

“Ähm…” Ich hatte so eine Antwort nicht erwartet. “Wann wäre es dir denn recht? Heute habe ich früher frei, ich müsste vorher nur meine Frau abholen…”

“Frau?”, lachte Brandon. “Seit wann?”

“Seit letztem Wochenende.”

 

“Oh”, sagte er. Seine Stimme war bedeckt. Ich war mir ziemlich sicher, er hielt seine Faust über den Mund, so wie ich es schon oft bei ihm beobachtet hatte, wenn er sich über andere Leute lustig macht. “Verdammt. Hast du sie geschwängert?”

“Was hast du gerade zu mir gesagt?”, fragte ich ihn und fühlte wie das Blut in meinen Adern zu kochen anfing. Ich drehte mich um und stellte fest, dass meine freie Hand bereits zu einer Faust geformt war.

 

“Gar nicht, gar nichts. Ich mache nur Spaß. Komm einfach vorbei, wir sehen uns dann.”

“Egal wann?”, fragte ich.

 

“Es ist eine ruhige Woche. Die ganzen Studenten haben ihre guten Vorsätze für das neue Jahr bereits wieder über Bord geworfen. Ich habe bis Donnerstag geöffnet.”

Ich dankte ihm mit zusammengebissenen Zähnen. Auf gar keinen Fall würde ich für diesen Idioten arbeiten können.

 

Ich würde schon an meinem ersten Tag auf ihn losgehen.

Toto war mit seinem Essen fertig, also steckte ich ihn in den grün karierten Pullover den Abby ihm gekauft hatte.

 

Während er versuchte meine Hand abzulecken, leinte ich ihn an und nahm ihn mit raus. Ich kreuzte meine Arme, fluchte ein bisschen über Brandon, als ein Porsche neben meiner Harley parkte. Das Fenster fuhr runter und zu sehen war Parker´s eingebildetes Lächeln.

“Maddox! Ich habe gehört du hast ein paar Schwierigkeiten mit den lokalen Behörden? Und auch mit den nicht so lokalen.”

“Leck meine Eier, Hayes.”

 

Parker´s Ausdruck wurde ernst. “Stimmt es auch…. mit Abby und dir?”

“Hat sie dich nicht wegen mir sitzen lassen? Zweimal?”

Parker runzelte die Stirn. “Stimmt es oder stimmt es nicht?”

 

“Natürlich stimmt es. Du hast nicht wirklich geglaubt, dass du eine Chance bei ihr hast, oder?”

“Du verdienst sie nicht, Maddox. Das solltest du wissen.”

 

“Vielleicht nicht, aber Abby sieht das anders und das ist die einzige Meinung die mir etwas wert ist. Du kannst also Scheiße fressen und sterben, Parker, weil es niemanden hier interessiert was du denkst. Du warst eine Ablenkung. Ein Lückenfüller. Sie hatte nie wirklich vor mit dir zusammen zu kommen. Es ist verdammt erbärmlich, dass du es überhaupt bei ihr versucht hast.”

 

“Ich habe es überhaupt nicht so sehr versucht. Wenn ich das getan hätte, wärt ihr jetzt sicher nicht verheiratet.”

Ich senkte mein Kinn und sah ihn finster an. “Was hältst du davon, wenn du aus deinem Frauenauto aussteigst und mir das nochmal ins Gesicht sagst?”

 

Parker schluckte und das schloss das Fenster bis zur Hälfte. “Frauenauto? Was ist denn mit deinem Frauenhund? Hübscher Pulli!”

 

“Dieser Hund kann mehr ab als du.”

“Sie wird dich verlassen, Travis. Sie wird erkennen, was für einen Fehler sie gemacht hat, das Neue wird schnell verflogen sein und dann wird sie dich verlassen. Und ich wünsche mir, dass ich dann sehen könnte wie dein arrogantes Lächeln mit einem Mal von deinem Gesicht verschwindet.”

 

Ich ging einen Schritt nach vorne, meine Muskeln angespannt und bereit, genau wie vor einem Kampf im Circle. Ich wusste, dass wenn ich einmal zuschlagen würde, ich nicht aufhören würde, aber in Moment war das Einzige, was mich besser fühlen lassen würde, Parker zu töten. “Steig aus deinem verschissenen Auto aus. Sofort.”

 

Parker versteckte sich hinter der dunklen Scheibe und fuhr davon. Ich stand mit meinen Händen zu Fäusten geballt da, mein ganzer Körper zitterte vor Wut. Toto schmiegte seine Nase an meine Jeans und ich sah runter. Das Adrenalin verschwand wieder aus meinem System, als mein Blick seine erwartungsvollen Augen traf. Ihm war kalt bevor er überhaupt sein Geschäft verrichtet hatte; jetzt zitterte er genauso wie ich. Er schnüffelte und trat ein paar Grasbüschel zurück als würde der ganze Platz ihm gehören.

 

Ich lächelte “Yeah. Du hättest ihm auch eine Abreibung verpasst, was?” Ich nahm ihn hoch und ging mit ihm rein. In der Sekunde, in der ich ihn runter ließ, trottete er zum Schlafzimmer, vermutlich um sich auf seinem Bett für sein Nachmittagsschläfen zusammenzurollen.

 

Ich griff nach meinem Portemonnaie, Handy und Schlüsseln, ehe ich aus der Tür und die Treppen runter ging um hinter das Steuer des Camrys zu schlüpfen. Ich umfasste das Lenkrad, beobachtete wie meine Knöchel dabei unter dem Druck weiß wurden. Abbys letzter Kurs dauerte noch eine Stunde und es reizte mich, meinem Frust über Brandon und Parker Raum zu schaffen. Etwas weißes erregte meine Aufmerksamkeit und ich sah zwischen die Sitze. Ich griff runter, fischte nach dem Umschlag, der den Brief meiner Mutter an meine zukünftige Frau beinhaltete … an Abby. Ich legte ihn behutsam auf den Beifahrersitz, schaltete in den Rückwärtsgang und fuhr in Richtung meines Vaters.

 

Währen ich fuhr dachte ich darüber nach ihm die Wahrheit über das Feuer zu sagen. Ich war mir nicht sicher ob er wollen würde, dass ich mich stellte oder nicht. Das war aber auch egal -- ich konnte nicht. Ich hatte es Abby versprochen. Es Dad zu erzählen bedeutete nur die Last von meinen eigenen Schultern zu nehmen -- um sie auf ihm abzuladen. Er müsste dann entscheiden, ob er mich verraten würde oder nicht. Das konnte ich auch nicht tun.

 

Ich umfasste das Lenkrad fester und machte mich auf dem Weg zu dem Haus, in dem ich groß geworden war. Das Haus, wo ich meinen ersten Schlag getan habe und die erste Faust in meinem Mund gefangen habe. Wo Thomas mich runterdrücken würde, sodass meine Brüder mir nicht den Hintern versohlen würden, weil ich nicht aufhören wollte und wo Trenton so ziemlich alles kaputt machte, was zwischen ihm und mir stand … sogar die Zwillinge. Ich lächelte als ich in die Auffahrt fuhr und den Kies unter den Rädern hörte.

 

Dad öffnete die Fliegengittertür und ließ seine Hand auf seinem Bauch ruhen, während er mit einem anerkennenden Lächeln beobachtete, wie ich mir der Veranda näherte. “Sieh an, sieh an”, sagte er. “Ich dachte ich würde dich hier eine Weile nicht sehen.”

“Ich bin nur drei Meilen weg”, sagte ich und stieg die Stufen zur hölzernen Latten, die die Veranda bildeten. Dad schlug mir liebevoll auf die Schulter und ich zog ihn für eine Umarmung an mich.

“Deine Mutter und ich haben das Haus für drei Wochen nicht verlassen nachdem wir geheiratet haben.”

“Dad”, schimpfte ich. Mein Gesicht verzog sich in Ekel und ich ging an ihm vorbei in das Wohnzimmer zur Couch.

 

Dad schmunzelte und schloss die Tür hinter uns. “Das Wetter ist ein Arschloch”, grummelte er. Er lukte aus dem kleinen Glasquadrat in der Vordertür und schüttelte den Kopf, während er zu seinem Sessel ging. Er setzte sich auf die Kante und lehnte sich mit den Ellenbogen auf den Knien vor. “Was hast du da? “ Er zeigte auf den weißen Umschlag in meiner Hand.

Ich hob ihn ein paar Zentimeter, überrascht wie nervös ich war. Dad sprach nicht viel über Mom. Nicht dass er versuchte es nicht zu tun, aber ich konnte immer noch die Leere in seinen Augen sehen -- so würde ich mich fühlen, falls ich Abby je verlieren sollte.

“Es ist ein Brief.”

“Der, hm… der den Mom dir geschrieben hat?”

Ich nickte. “Ich habe ihn Abby vor der Hochzeit gegeben.”

“Ich hatte gehofft, du würdest dich daran erinnern.”
“Ich habe mich erinnert.”

“Gut”, sagte er und räusperte sich. “Gut.”

“Willst du ihn lesen?”

Er schüttelte den Kopf. “Der ist nicht für mich.”

Ich zog das dünne Blatt aus dem Umschlag und blickte auf Moms Handschrift. “Ich weiß. Es ist irgendwie, als würden wir noch einmal von ihr hören. Es liest sich genauso wie ich sie erinnere.”

 

Dad dachte einen Moment darüber nach, nickte dann und winkte mit seiner Hand zu sich selbst. “Okay, also… Bring ihn her.”

Ich sprang auf, gab Dad das Papier und ging dann zurück zu meinem Platz auf der Couch.

Dad blinzelte ein paar Mal, versuchte seinen Blick zu fokussieren und dann, als er ihre Worte auf dem Papier sah, begann seine Unterlippe zu zittern. Er legte sein Kinn in seine Hand und versuchte, seine Emotionen zu verstecken, aber dann blinzelte er mehrmals und seine Augen füllten sich mit Tränen. Ein Lächeln legte sich auf seine Litten, er schüttelte den Kopf und lachte einmal leise. Dad ließ die Hand, die den Brief hielt, sinken und wischte sich mit der anderen die Augen. Nach einer ganzen Minute räusperte er sich und sah zu mir auf.

“Es war eine lange Zeit. Es war schön ihre Stimme wieder zu hören. Danke, mein Sohn.”

Ich nickte. “Ich vermisse sie auch. Die ganze Zeit.”

Er lachte wieder, wischte eine weitere entrissene Träne weg. “Ich auch … Jeden Moment von jedem Tag. Seit verdammten fast siebzehn Jahren. Und so wie du Abby ansiehst”, er seufzte, “so habe ich deine Mutter angesehen. Mein Gott, habe ich diese Frau geliebt. Ich habe so etwas davor nie gespürt … und nie wieder seither.”

Meine Augenbrauen zogen sich zusammen. “Glaubst du, das ich sie verlieren werde, Dad?”

“Abby?”

Ich nickte.

Dad berührte seine Lippen mit den Fingern und sah dann zu Boden. Ich konnte mich nicht bewegen oder atmen während ich auf seine Antwort wartete. Endlich lehnte er sich vor und sah mir direkt in die Augen.

“Travis … Ich hasse es, dir das sagen zu müssen, Sohn … aber deine Frau? Sie ist stärker als du. Du würdest sie verlassen bevor sie dich verlässt.”

Seine Worte verschlugen mir den Atem und ich bedeckte mein Gesicht, als Wellen der Erleichterung über mich schwappten. Dad lag nie falsch und ich vertraute ihm mit meinem Leben. Ich sah zu ihm auf, wohlwissend, dass er mir die Wahrheit sagte, aber weil ich meine Frau liebte, verschwieg ich ihm die Wahrheit.

 

Episode Six: Real Life Starts Now

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Real Life Starts Now - Das echte Leben beginnt jetzt

 

 

::Abby::

 

Die Pinnwand neben dem Ausgang der Reiger Hall war voll mit Anzeigen. Einige waren mit der Überschrift “Zu Verkaufen”, “Suche nach” oder “ Suche Hilfe” versehen. Auf jeder Anzeige waren unten Nummern als Streifen zum abreißen. Eine Anzeige ganz oben hatte den offiziellen Stempel der Uni und eine Liste der Fächer. Ich las das Kleingedruckte, riss eine Nummer ab und steckte sie in meine Tasche. Die Uni suchte Nachhilfelehrer und Rechnungswesen war eines der Fächer.

Nicht einmal eine Woche nachdem die zweite Hälfte des Semesters gestartet hatte, war mein Rucksack so voll mit Büchern, dass die Träger nach unten gedrückt wurden und sich in meine Schultern schnitten. Ich hüpfte ein bisschen als ich zum Ausgang ging, um meinen Schultern ein bisschen zu entlasten.

Die frühe Frühlingsluft traf mich ins Gesicht als ich raus ging. Mäntel in verschiedenen Farben gingen auf dem Bürgersteig, Studenten die sich von der grauen Umgebung abhebten. Ich guckte in den Himmel und spürte sofort wie der Nebel mein Gesicht bedeckte. Es hatte entweder den ganzen Tag lang wie aus Eimern gegossen, oder es nieselte vor sich hin.

Der Morgennebel fing so langsam an sich aufzulösen.

 

“Hey!”, rief America und kam halb joggend und halb rennend auf mich zu. Sie winkte und ihr Lächeln war der pure Sonnenschein. Sie hielt genau vor mir an, hielt die Riemen vor ihrer Brust und atmete schwer.

“Die Studentinnen drehen durch. Ich liebe es.”

“Was meinst du?”

“Wegen Travis… und dir. Jeder redet über euch.”

Ich fühlte wie meine Wangen rot wurden. “Super.” Ich ging weiter den Bürgersteig runter und America lief mir hinter her.

“Nicht einmal die Hälfte glaubt es.”

Ich blieb schlagartig stehen. “Glauben was? Das wir verheiratet sind? Oder dass er mich geheiratet hat?”

Sie schluckte. “Beides.” Als sie bemerkte, dass ich beleidigt war, ruderte sie zurück.

“Ach, komm schon. Schau dich an. Natürlich hat er es getan.”

Ich schaute an mir herunter, über mein nicht wirklich tolles kariertes Flanellshirt, die olivgrüne Weste, den Skinnyjeans und den hohen braunen Stiefeln. Meine Haare waren platt und nass. Ich konnte mich nicht daran erinnern, ob ich mir überhaupt die Mühe gemacht hatte, mich heute morgen etwas zu schminken, bevor ich die Wohnung verlassen hatte.

Ich schaute mich um und sah wie die Leute mich neugierig ansahen.

Jemand pfiff, ich drehte mich um und sah, wie sich eine Schar von Studenten löste und Travis zum Vorschein kam. Er stolzierte in der Mitte des Gehwegs, die Hände in den Hosentaschen, er trug eine graue Mütze und unter einem offenen Button Down Hemd ein Ramones T- Shirt, seine schwarzen Lederboots gaben ihm noch mal mehr die “Leg dich nicht mit mir an, oder ich bringe dich um” Ausstrahlung. Selbst mit einem Ehering an dem Finger konnten die Studentinnen nicht aufhören ihn anzustarren. Travis war schön und strahlte immer noch seinen sexy Charme aus, ob er es wollte oder nicht. Eine Seite seines Mundes zog sich genau wie seine Augenbrauen ein bisschen nach oben und ich musste schlucken als ich die Schmetterlinge in meinem Bauch fühlte. Er blieb vor mir stehen und schaute mich mit dem gleichen Ausdruck an, wie in Vegas als der Pfarrer Mann und Frau sagte. Travis musste überhaupt gar nicht sagen, dass er mich liebte - ich konnte es in der Art sehen, wie er mich anguckte, wie er sich bewegte, wie er mit mir redete - selbst wenn das, was er zu sagen hatte überhaupt nichts mit mir zu tun hatte.

Er musste lachen, als er meinen Gesichtsausdruck sah. “Was geht in deinem Kopf vor?”

Ich schüttelte den Kopf und warf meine Arme um seinen Nacken.

“Täubchen, was ist los? Ist alles okay? Bist du okay?”

“Mir geht es gut”, antwortete ich und drückte meine Wange an seine. Seine Barthaare hatten auf mich eine beruhigende Wirkung, genau wie der Geruch seines Parfüms.

“Ich…” Ich ließ ihn los und schluckte. “Ich liebe dich.”

Er starrte mich für einen Moment an, bevor sich ein breites Grinsen in seinem Gesicht hervortat. “Zu hören wie du das sagst, wird niemals langweilig.” Er streckte seine Hand aus, und ging mit mir zum Parkplatz.

Wenn die Leute uns nicht anstarrten, taten sie so als würden sie es nicht tun bis wir weg waren. Ich fühlte wie sich die neugierigen Augen in meinen Kopfbohrten und hörte das Flüstern über das Feuer, die Hochzeit und einfach über die Tatsache, dass Travis und ich zusammen waren, trotz der großen, skandalösen Trennung über die sich nur ein so kleiner Campus wie Eastern Gedanken machen würde.

Travis ging über die Wiese in der seine Stiefel direkt im Matsch versanken. Ich hüpfte über Pfützen und war mehr als dankbar als mein Mann mich in seine Arme nahm und mich ohne zu fragen den Rest des Weges trug. Ich vereinte meine Hände hinter seinem Nacken und konnte ich aufhören zu lächeln, weil Travis ebenfalls nicht aufhören konnte zu lächeln.

“Was macht dich so glücklich?”

“Du.”

“Nein, es ist noch etwas anderes. Was hast du heute gemacht? Hast du gute Nachrichten bekommen?”

Er ließ mich direkt neben unserem Auto wieder auf den Boden und holte die Autoschlüssel aus seiner Tasche und reichte sie mir. “Du fährst.”

“Ich? Nein”, antwortete ich kopfschüttelnd.

Er schnaubte. “Täubchen, du musst es irgendwann lernen.”

“Ich weiß wie man fährt. Aber ich möchte es einfach nicht.”

“Was, wenn ich auf der Arbeit bin und du irgendwo hin musst?” Er öffnete die Fahrertür und bedeutete mir einzusteigen.

Ich schlug die Tür wieder zu. “Dann werde ich fahren. Aber du bist jetzt nicht auf der Arbeit du bist…. hey. Hast du einen Job bekommen?”

“Noch nicht. Ich habe zwar jemanden angerufen, aber es wird wahrscheinlich nicht klappen.”

Der Nieselregen wurde mit jeder Sekunde zu immer größeren Tropfen.

“Warum nicht?”

Travis öffnete die Tür erneut. “Steig in das Auto, Täubchen. Es schüttet.” Ich hob meine Augenbraue während er seufzte.

“Sie suchen jemanden im Iron E.”

“Du bist gerne dort, oder?”, fragte ich.

“Baby, steig in das verdammte Auto. Du bist klatschnass.”

Ich ging auf die gegenüberliegende Seite, aber er hielt mich am Arm fest um mich zu stoppen.

“Ich werde nicht im Regen fahren, Trav. Komm schon. Ich fahre morgen.”

Er runzelte die Stirn. “Na gut.”

Er setzte sich hinter das Lenkrad, lehnte sich rüber, zog am Hebel und drückte die Tür auf, während ich um das Auto lief um mich auf die Beifahrerseite zu setzen.

Ich fummelte an der Heizung rum, stellte sie auf die höchste Stufe als Travis meine Hände zwischen seine nahm und er sich zwischen reiben und pusten abwechselte. Eine lose, nasse Strähne hing vor meinen Augen. Travis war nicht glücklich.

“Was ist das Problem mit Iron E?”, fragte ich.

“Ich mag das Fitnessstudio. Allerdings nicht den Besitzer.”

“Diesen Brandon Typen?”

“Ja”, antwortete er durch seine Zähne. “Seine Frau ist schwanger. Quasi bereit für den Kreisaal schwanger. Er vögelt die Empfangsdame, zwei Trainerinnern, Kundinnen….”

“Und?”

Und? Er ist ein Stück Scheiße, Täubchen. Ich will nicht für ihn arbeiten. Er prahlt die ganze Zeit damit rum. Er würde sich schon innerhalb der ersten Stunde einen Schlag fangen.”

“Hast du irgendwelche anderen Möglichkeiten? Wir haben Miete zu bezahlen, Baby.”

Travis seufzte und guckte aus dem von Regen beschmierten Fenster.

“Nein. Es hörte sich so an, als müsse ich nur fragen und ich hätte den Job.”

“Worauf wartest du dann?”, sagte ich mit einem überraschtem lachen.

Travis drehte sich zu mir. “Wie ich bereits sagte, Täubchen”, meinte er ernst.

“Du wirst doch nicht die ganze Zeit mit ihm zu tun haben. Außerdem ist es ja nur solange bis du etwas anderes gefunden hast.”

“Dort sind Mädchen. So, so viele Mädchen vom College. Und gelangweilte Hausfrauen. Und...”

Ich starrte ihn an. “Willst du mir damit sagen, dass ich dir nicht vertrauen kann?”

“Verdammt, nein. Es ist einfach nur etwas, womit ich nichts zu tun haben möchte. Brandon sagte selbst schon, dass es wie beim Metzger ist. Er ist nicht mein Zuhälter.”

Ich lachte laut los.

“Das ist nicht lustig”, murmelte Travis. “ Da stecke ich lieber ein paar Schläge ein, als das ich mich mit den ganzen weiblichen Pumas auseinander setze die hier den ganzen Tag ein und aus gehen.”

Ich berührte sein Gesicht. “Ich vertraue dir. Du schaffst das. Es ist leicht verdientes Geld.” Ich griff in meine Tasche und holte die nasse Anzeige raus.

“Ich glaube ich habe auch etwas gefunden. Sie suchen nach einem Nachhilfelehrer in Rechnungswesen”.

Travis war unbeeindruckt. “Wenn ich für Benny kämpfen würde…”

“Dann wären wir nicht mehr zusammen.”

Travis schaute verletzt nach unten. “Ich wollte mehr für dich, Abby.”

“Ich möchte das nicht missen, Travis. Ich will in unserer kleinen Wohnung leben, Rabatt Coupons ausschneiden und wenn es sein muss von Nudeln leben bis wir Geld bekommen. Ich möchte, dass wir unsere Konten zusammen balancieren und das wir über unsere wöchentlichen Ausgaben sprechen, Pullover im Boutiquen angucken um sie dann wieder an den Ständer zu hängen, weil es einfach viel toller ist deine Hand zu halten als volle Tüten mit Klamotten. Ich will, dass wir vor Aufregung ganz aus dem Häuschen sind, wenn wir alle zwei Monate ins Kino gehen, einfach weil es etwas besonderes ist und nichts selbstverständliches. Ich will das wir unser Schloss Stück für Stück bauen... nur du und ich. Auch wenn es nicht einfach wird.”

Sein Lächeln kehrte langsam zurück und er lehnte sich an meine Hand. “Ja?”

“Absolut.”

“Wo wir gerade beim Thema pleite sind… Es ist ist Coin Beer Night im Red. Wenn wir demnächst beide arbeiten gehen, lass es uns noch einmal so richtig feiern.”

Ich grinste. “Bin dabei.” Ich schrieb eine Gruppennachricht an Shepley und America und bekam direkt eine Antwort. Ich zuckte mit den Schultern. “Shep und Mare werden gegen halb neun dort sein.”

Travis fuhr vom Parkplatz Richtung Straße, schaltete das Radio ein und sang für mich bis wir zu Hause waren. 

 

Episode Seven: The New Normal

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The New Normal - Das neue Normal

 

 

Das Red war wie eine Zeitmaschine. Ich ging durch die Eingangstür, meine Heels klickten über den klebrigen Boden und ich hielt mich an Travis´Hand fest, der sich seinen Weg durch die Menge bahnte. Es fühlte sich an als wären wir zurück in der Zeit bevor die Ermittlungen angfingen, vor der Hochzeit, vor dem Feuer. Studentinnen die knapp bekleidet in ihren metallicfarbene Stramplern und im Minirock ihre Haare ständig neu richteten, während sie mit irgendeinem dummen Jungen quatschten der ihnen vermutlich den nächsten Drink ausgeben würde.

Das Red war wie eine Metzgerei. Jeder stand freiwillig zur Schau, um von jemandem, allen, gesehen zu werden. Paare machten hier deutlich, dass sie vergeben waren oder dass sie jemanden zurück haben wollten.

Es gab Gäste die es einfach liebten zu tanzen, oder etwas zu trinken oder Billiard zu spielen. Aber Menschen brauchen andere Menschen dazu und das Red war laut und voll genug um zu sehen und gesehen zu werden, ohne dabei von anderen verurteilt zu werden.

Die Lautsprecher vibrierten durch die Musik und sie pochten wie Blut welches durch das Herz gepumpt wird. Ich drückte meine freie Hand gegen meine Brust und versuchte so den Druck, der sich durch meinen Oberkörper zog, etwas weniger werden zu lassen.

Münder bewegten sich , aber der einzige Sound war die Musik, jeder Sprach die gleiche Sprache; jeder sang den gleichen Song.

Als wir an der Bar ankamen, winkte Travis Camille zu und sie verscheuchte ein paar Jungs direkt vor ihr von ihren Stühlen. Sie grinste als wir uns hinsetzen, wischte die Bar vor uns mit einem Lappen ab. “Ich habe mich bereits gewundert, ob ihr zwei hierher zurückkommen würdet.”

“Warum sollten wir nicht?” , fragte ich als ich sie dabei beobachtete wie sie zwei Bier öffnete und vor mich und Travis stellte.

Camille kreutze ihre Arme. “ Ich weiß nicht. Ihr zwei seit ja jetzt verheiratet. Ich dachte das würde euch irgendwie ändern.”

“Wir mögen es nach wie vor etwas trinken zu gehen und dabei unsere Freunde zu sehen”, sagte Travis und stoß mit seinem Bier mit meinem an. Er küsste die Ecke meines Mundes, drehte sich um und sah sich im Raum um. “Wo ist Trent?”

Camille sah auf ihre Uhr und antwortete als sie schon auf dem Weg zur nächsten Bestellung war. “Sollte jeden Moment hier sein.”

Ich beobachtete Camille dabei wie sie zwei, drei Bestellungen auf einmal aufnahm, sie fertig machte, das Geld kassierte und dann wieder von vorne damit anfing. Es war voll an der Bar. Wenn wir Camille nicht kennen würden, hätten wir die ganze Nacht warten müssen um einen freien Platz zu bekommen. Die Tische waren alle voll, genau wie die Billardtische und die Tanzfläche.

Zwei Hände berührten meine Schultern und ich drehte mich in eine Umarmung von America. Große Ohrringe hingen von ihren Ohren, ihre Haare hatte sie in einen unordentlichen Knoten zusammen gesteckt, ihr Oberteil zeigte eine Schulter. Sie hatte diesen mühelosen glamorösen Style einfach drauf. 

Camille kam zu uns zurück. “Wollt ihr einen Tisch haben? Reagan kann euch einen klar machen.” Sie zwinkerte. “Sie liebt es ein Miststück zu sein.”

“Nein, es ist okay”, sagte Shepley der gerade die Hand seines Cousins schüttelte. America verschwendete keine Zeit damit mich auf die Tanzfläche zu ziehen. Ein paar mal fiel mein Blick auf meinen Ehemann, als ich ihn beobachte wie er mich beobachtete und vier Frauen ignorierte, die mit ihm flirten wollten. Als ich zurück zu meinem Stuhl an der Bar kam, fuhr Travis mit seinem Finger an meinem Arm entlang und genoss die Feuchtigkeit von Schweiß auf meiner Haut. Er lehnte sich zu mir um meine Schulter zu küssen, seine Zunge leckend mit jedem Kuss. Ich stand auf und lehnte mich an ihn. “Wenn du so weiter machst, werden wir nicht lange hier bleiben.”

Travis guckte mich mit einem schiefen Lächeln an. “Versprochen?”

Ich küsste ihn auf den Kopf während seine Arme sich um mich schlangen und er meinen Hintern festhielt. Er beobachtete wieder Leute, amüsiert über die Spielchen die sie spielten, die Verurteilungen, das Flirten, das Wegstoßen und Wiederannähern, die Manipulationen… alles was wir in einem Jahr auch durchgemacht hatten bis zu unserer Hochzeit.

Travis tätschelte meinen Rücken und stand auf. “Ich gehe eben zur Toilette. Brauchst du irgendwas?”

Ich hob eine Augenbraue. “Von der Herrentoilette? Nein.”

Travis lachte und stellte seine leere Bierflasche wieder auf die Bar. “Würde es dir etwas ausmachen mir ein neues zu bestellen?”

“Nein, nicht wirklich”, antwortete ich und drückte meine Lippen gegen seine als er sich für einen schnellen Kuss zu mir lehnte.

Shepley gab America sein Bier. Sie schüttelte den Kopf. “Jeder sagt, dass nur Frauen zusammen auf Toilette gehen, aber Männer machen es genau so.”

Shepley schluckte. “Ich sorge nur dafür, dass er sich in keinen Kampf verwickelt während er da drin ist.”

“Er braucht keinen Babysitter”, sagte America.

Shepley verzog das Gesicht mit dem er America sagen wollte, dass sie es besser wissen müsste. “Er braucht einen.”

Die Jungs verschwanden in der Menge und America drehte sich zu mir. “So”, sagte sie und fuhr sich mit den Fingern durch ihre Haare. “Fühlt sich der Ort hier jetzt anders an?”

“Warum fragt mich das jeder?”, antwortete ich. “Ich habe geheiratet und keine Leukämie bekommen.”

America lachte laut los, nahm einen Schluck von ihrem Cocktail und blinzelte als sie zwei College Jungs sah, die auf uns zu kamen. “Oh nein.”

“Was?”, fragte ich.

“Sie sind noch keine verdammten fünf Sekunden weg und wir müssen schon versuchen jemanden los zu werden”, beklagte sie sich.

“Die kommen nicht zu uns”, sagte ich. “ Davon abgesehen wird Travis keinen Mist mehr bauen nur weil jemand mit mir redet. Er ist nicht mehr so.”

America starrte mich unbeeindruckt und nicht überzeugt an. “Du hast recht. Vorher warst du seine Freundin. Jetzt bist du nur seine Frau.”

“Hey”, sagte der erste Typ. Sein Kopf war kahlrasiert, er war etwa so groß wie ich, hatte einen dicken Nacken und deformierte Ohren. Definitiv ein Wrestler. “Bist du-”

“Nicht alleine”, unterbrach America ihn. “Ich habe einen Freund und sie ist verheiratet.” Sie zeigte dabei auf mich. Der Wrestler grinste, guckte seinen viel größeren Kumpel an und dann wieder uns. Toll. Er war also einer dieser Typen, die dachten verheiratete Frauen seien eine Herrausforderung. “Hallo verheiratete, ich bin Ricky.”

America lachte ihn aus. “Wie lustig. Kommst du aus dem Jahr 1984? Wer nennt sein Kind noch Ricky?”

“Mare!”, zischte ich. Sie war unnötig unfreundlich.

Ricky beunruhigte das nicht. “Das ist Joel. Schön euch zwei kennen zu lernen.”

“Wir haben euch nicht gesagt wie wir heißen, also theoretisch haben wir uns noch nicht kennen gelernt”, sagte ich.

“Tut mir leid”, sagte Joel. “Haben wir euch irgendwie beleidigt oder so?”

Beschämt guckte ich nach unten. “Sorry, nein habt ihr nicht. Wir versuchen euch nur zu helfen. Unsere Freu… Mein Ehemann und ihr Freund sind hier und sie werden jede Sekunde wieder da sein.

“Und?” sagte Ricky.

Ich seufzte. “Mein Eheman mag es nicht wenn fremde Männer mit mir sprechen.”

“Oh, ist er eifersüchtig?”, meinte Joel. “Das muss auf Dauer nervig sein.”

“Nicht wirklich”, antwortete ich. “Danke das ihr euch vorgestellt habt, aber ihr solltet jetzt besser gehen.”

“Ist okay für mich,” sagte Ricky mit einem schmunzeln.

Ich rollte meine Augen. America hatte recht. In dem Moment in dem Travis zurück kommen würde, gäbe es eine Konfrontation und unser Abend würde ein schnelles Ende finden. Keiner der beiden schien mir schlau genug, um zu gehen, wenn Travis es ihnen sagte. Ricky steckte eine Hand in seine Hosentasche und schaute sich um, bevor er einen Schluck von seinem Bier nahm. Mir wurde schnell klar, dass die beiden nicht mit uns flirten oder überhaupt mit uns reden wollten. Es schien so als würde er darauf warten, dass Travis und Shepley zurück kommen würden. Ich beobachtete ihn genau und wurde mit jeder weiteren Sekunde misstrauischer.

“Seit ihr Cops?”, fragte ich ihn.

Beide Männer drehten sich überrascht zu mir. “Was?”, fragte Ricky.

“Wenn ihr Cops seit, müsst ihr mir das sagen”, sagte ich.

America drehte sich ebenfalls zu mir, die Verwirrung stand ihr ins Gesicht geschrieben.

Joel lachte. “Nein. Keine Cops.”

“Was ist mit dir?”, fragte ich als ich mein Kinn senkte und Ricky anstarrte.

Ricky studierte mich von Kopf bis Fuß und wieder zurück. Er war nicht wirklich an mir interessiert. Er versuchte zu verstehen, wie eine Neunzehnjährige ihn so durchschauen konnte. Er war wegen Travis hier.

Er antwortete nicht, also ging ich einen Schritt auf ihn zu. “Seht zu, dass ihr verschwindet. Wenn ihr mit ihm reden wollt, müsst ihr ihn nicht gleich verhaften.”

Ricky lehnte sich zu mir. “Was allerdings gar kein Problem wäre. Er ist noch keine Zwanzig und trinkt in einer Bar. Ich wette ihr alle habt gefälschte Ausweise.”

Meine Augen wurden zu Schlitzen und ich lehnte mich noch näher zu ihm. “Worauf wartest du dann?”

“Was geht hier vor sich?” fragte America alamiert. “Was wollt ihr?”

Joel stand nun auch in seiner vollen Größe vor uns, auch endlich in seiner wahren Rolle. Er war auch nicht auf dem College. Er war ein Neuer. Jung aussehend genug, um zu versuchen uns hinters Licht zu führen. Ein starker Arm hackte sich um meinen Nacken als Travis meine Hand küsste. “Hey Baby.” Wie erwartet starrte er die beiden vor uns an. “Wer ist das?”

“Wer?”, fragte America. Sie versuchte sich dumm zu stellen. Travis fand es nicht lustig. Er zeigte auf Joel und Ricky - wenn das überhaupt ihre richtigen Namen waren “Diese Clowns.”

Ricky lachte. “Clowns? Wir reden überhaupt nicht mit euren Schlampen. Beruhig dich.”

“Oh du bist verdammt brilliant”, sagte Shepley der bereits seine Jacke auszog. Bevor ich “Stop” schreien konnte, hatte Travis mich schon losgelassen und nach Ricky gegriffen und ihn auf den Boden geworfen. Wie immer, interessierte sich aufeinmal die ganze Bar dafür. Betrunkene Idioten, die nur darauf warteten eine Schlägerei anzetteln zu können, hatten endlich eine gefunden.

America hielt mich von dem immer größer werdenen Berg fliegender Fäuste zurück. Als ich versuchte meinen Ehemann zu finden, konnte ich nicht anders als darüber nachzudenken wo der Sinn darin war ihn in einen Kampf zu verwickeln. Ricky hatte bereits zugegben, dass sie ihn verhaften könnten weil er noch nicht alt genug war um hier zu sein.

Die Schlägerei wurde immer größer, America und ich gegen die Bar gedrückt. Camille greifte nach uns und half uns über die Bar zu gelangen, bevor wir getroffen wurden.

“Shep!”, brüllte America als ich sie rüber drückte und Camille sie zu sich zog. “Shepley!”

Als America sicher neben Camille stand, sprang ich über die Bar. Travis war nirgendwo zu sehen und je länger er aus meiner Sicht verschwunden war, umso größer wurden meine Sorgen um ihn. Ich war mir nicht sicher, was die Männer wollten. Sie könnten Cops sein, vom FBI oder noch schlimmer… sie könnten von Benny aus Vegas geschickt wurden sein, da er immer noch nicht damit klar kam, dass Travis ihm abgesagt hatte.

“Travis!”, brüllte ich.

Die Türsteher kämpften sich durch die Menge und trennten Menschen die sich wie Tiere verhielten, Travis mit eingenommen.

“Travis Maddox!”

Travis stand auf, wischte sich mit der Rückseite seiner Hand Blut von der Lippe ab und lächelte auf die immer noch am Boden liegenden Männer. Sein Gesicht war selbstsicher, seine Augen funkelten. Er vermisste das Kämpfen. Shepley zog an seinem Shirt, Travis ging Rückwärts bis er die Bar erreichte und nach mir Griff. Er half mir über die Bar bis ich wieder auf meinen eigenen Füßen stand.

“Bist du okay?”, fragte Travis.

Ich runzelte die Stirn, aber es tat ihm nicht leid. Kämpfen würde immer durch seine Adern fließen und das machte mich nervös. Die Menge löste sich langsam auf, Travis drehte sich von mir weg und stellte sich in eine beschützende Stellung als wären die Männer die sich vor Schmerz auf dem Boden krümmten immer noch ein Problem. Die Türsteher begleiteten sie nach draußen, signalisierten Shepley und Travis, dass sie auch gehen mussten.

Camille kam zu uns rüber und ging zu Travis um mit ihm zu sprechen. “Wenn du mit dem Scheiß nicht aufhörst, Travis, wird Jorie dich nicht mehr hier reinlassen.”

“Das sagt sie doch immer”, antwortete Travis mit einem Grinsen und wischte sich erneut über den Mund.

“Bist du… bist du am bluten?”, fragte ich und drehte ihn zu mir. Travis wurde nie getroffen, es sei denn er ließ es zu. Das war sowas wie sein Ding. Ich war es nicht gewohnt ihn blutig zu sehen und das befeuerte meine Paranoia nur noch mehr.

“Ja”, sagte Shepley. “Ich habe ihn ausversehen mit meinem Ellebogen getroffen.”

Ich hob eine Augenbraue. “Das hast du wohl nicht kommen sehen, hm?”

Travis verzog das Gesicht. “Doch, aber ich war in dem Moment einfach in einer super Position um dieser kleinen Made, die dich und Mare als Schlampe bezeichnet hatte eine zu verpassen. Also wich ich nicht aus.”

“Kommt schon Jungs. Sorgt dafür, dass die Türsteher euch nicht rausschmeissen müssen”, sagte Camille und klopfte Travis dabei auf die Schulter. Ich seufzte. Ich konnte Travis nicht böse sein, war aber trotzdem enttäuscht. Wir gingen zusammen mit Shepley und America zu unseren Autos die nebeneinander auf dem Parkplatz standen.

“Hast du etwas rausgefunden?”, fragte America.

Ich schüttelte den Kopf. “Nein, aber ich werde es.”

“Über was redet ihr?”, fragte Shepley, der sein Shirt glatt strich.

“Diese Jungs waren komisch”, meinte America. “Sie kamen zu uns, um mit uns zu reden, aber nachdem wir ihnen sagten, dass ihr zwei bald zurück kommt, hingen sie bei uns rum. Es war fast so, als hätten sie auf euch gewartet.”

Travis und Shepley tauschten einen Blick aus.

“Hast du sie vorher schon mal gesehen?”, fragte ich.

Travis verzog das Gesicht. “Nein. Und es wäre besser, wenn ich sie nicht noch einmal sehen müsste.”

“Ich bin seiner Meinung”, sagte America. “Er wusste, dass es Travis auf die Palme bringen würde. Die ganze Sache ist komisch. Irgendetwas stimmt nicht.”

“Ihr zwei müsst aufhören diese ganzen Crime Sendungen auf Netflix zu gucken. Ihr seit schon völlig paranoid.”, sagte Travis und guckte dabei zu mir.

Ich schluckte. “Mare hat recht. Irgendetwas stimmt nicht. Wir müssen herausfinden was es ist.”

Travis schaute zu Shepley, welcher mit den Schultern zuckte. “Einer der beiden hatte einen Parkland College Schlüsselanhänger. Die zwei sind einfach nur ein paar großspurige Idioten, die ganz offensichtlich noch nie auf einen Maddox getroffen sind.”

Ich schaute Shepley schief an. Ich dachte ich wäre diejenige der alles auffällt. Travis zog seine Jacke aus und legte sie mir über die Schultern. Ich habe bis zu dem Moment nicht gemerkt das ich gezitterte. “Weißt du was wir jetzt machen müssen?”, fragte er mich als er meine Wange küsste. “Wir müssen nach vorne schauen. Ich werde nicht den Rest meines Lebens damit verbringen mich umzudrehen, Abby. Ich will, dass du das auch nicht machst. Ich werde nächste Woche den Job annehmen und du wirst anfangen Nachhilfe zu geben. Sie werden die Ermittlungen einstellen, und das alles wird vorbei sein.”

Ich nickte und winkte America zu als Travis mir die Tür öffnete. Ich stieg ein, genervt von der Tatsache, dass ich immer noch am zittern war. Mir war nicht kalt- ich war lediglich nervös. Joel and Ricky sind gekommen, um mit Travis einen Kampf zu provozieren und ich musste wissen warum. Travis stand draussen vor meiner Tür und zündete sich eine Zigarette an während er seine andere Hand flach an mein Fenster drückte. Ich drückte meine Hand gegen seine und er zwinkerte mir zu als er den Rauch wieder ausatmete. Er nahm ein paar Züge, knippste die Spitze ab und schmiss das noch glühende Stück in den Graben. Die Kippe steckte er in seine Hosentasche. Er ging um das Auto herum als Joel and Ricky ins Sichtfeld kamen. Sie standen weit genug weg im Schatten des Parkplatzes und beobachteten den Camry. Mein Blick traf Ricky´s, er sagte etwas zu Joel ohne den Blickkontakt zu brechen. Ich sank mein Kinn und hebte die Hand um meinen Mittelfinger ins rechte Licht zu rücken.

Travis öffnete die Tür, ich nahm mein Fuck You wieder hinunter und lächelte ihn an als er den Motor anschmiss und seine Hand auf meinem Knie lag während er fuhr. Die Männer gingen zurück in den Schatten, so dass Travis sie nicht sehen konnte, aber ich wusste dass sie da waren.

“Alles okay, Baby?”, fragte Travis. “Es tut mir leid. Ich weiß, dass du dich auf heute Abend gefreut hattest.”

“Ich bin nicht böse”, antwortete ich und machte auf meinem misstrauisch und sorgenvollen Gesicht Platz für ein Lächeln als ich mich zu meinem Ehemann drehte. “Es geht mir gut. Wirklich.”

“Glaubst du immer noch diese Typen waren skrupellose FBI Agenten oder so?”, stichelte er mich.

Travis´Geburtstag stand vor der Tür und ich wusste, dass er bereits kurz davor war sich selbst zu stellen. Es gab also genug Gründe zu lügen. Ich schaute nach draussen in den Rückspiegel und sah das ein paar Scheinwerfer fast eine Meile hinter uns waren.

“Nein. Ich denke sie sind keine. Falscher Alarm.”

Travis tätschelte mein Knie und fuhr in Richtung unserer Wohnung und lächelte als wäre nichts gewesen-- und ich lächelte mit ihm. 

 

Episode Eight: Cake

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Cake - Kuchen

 

::Abby::

 

Ich verschaffte mir einen Überblick über das Angebot hinter der Glastheke. Mir lief das Wasser im Mund zusammen und ich fragte mich, welcher Kuchen Travis wohl am besten gefallen würde. Nach zwei Stunden hatte ich meine Auswahl auf drei beschränkt: einen gelben Kuchen mit Schokoladenglasur, ein neopolitanischer Kuchen ebenfalls mit Schokoladenglasur, oder eine Hochzeitstorte. Travis hatte ein riesen Tamtam um unsere Torte bei unserer Hochzeit in Vegas gemacht, also war ich mir sicher, dass er diese hier mögen könnte.

“Herr im Himmel, entscheide dich doch endlich, Abby”, sagte America gelangweilt, während sie sich ihren pinken Kaugummi aus dem Mund zog und um den Finger wickelte.

“Ich mag gar nicht darüber nachdenken, wie lange es dauern wird, wenn du dich für eine Torte für eure Hochzeit entscheiden musst, wenn du schon so lange brauchst eine normale Torte für Travis´ Geburtstag auszusuchen.”

Ich nahm meine Augen nicht von den Torten.  Es gab mehrstufige Torten, Cupcakes, runde Kuchen, rechteckige Kuchen, die alle mühevoll und nach persönlichen Wünschen dekoriert werden konnten.

“Eine Hochzeitstorte ist für die Gäste. Die hier ist für Travis. Es muss also die Richtige sein.”

America seufzte.

Ich runzelte die Nase. “Was zur Hölle ist los mit dir? Warum bist du so mies drauf?”

Sie nagte an dem Kaugummi an ihrem Finger und kreuzte anschließend die Arme.

“Sie sind nicht damit einverstanden.”

“Wer ist womit nicht einverstanden?”

“Meine Eltern. Sie sagen, wenn Shep und ich zusammen ziehen, werden sie mir das College nicht bezahlen.”

Ich war überrascht. America´s Eltern waren nicht wirklich von etwas leicht zu überzeugen, aber sie halfen ihrer Tochter immer bei den Dingen, die sie wirklich glücklich machten. Wenn America wirklich mit dem College weiter machen wollte, konnte ich mir nicht vorstellen, was es für einen Unterschied machen würde, da sie bereits jede Nacht mit Shepley zusammen war. “Es...es tut mir leid. Das wusste ich nicht.”

Sie zuckte mit den Achseln. “Woher denn auch?” Ich umarmte meine beste Freundin.

“Es eilt nicht wirklich, dass er ausziehen muss, weißt du. Shepley kann so lange bleiben, wie er will.”

“Er wird in das Studentenwohnheim ziehen.”

“Was? Wann?”

“Zum Herbstsemester. Ich werde in den Sommerferien zurück nach Wichita gehen. Das macht ihn total wahnsinnig. Und mich...auch. Ich weiß wie das klingt, okay? Ich bin normalerweise nicht der Typ, der sich wegen so etwas den Kopf zerbricht, wenn ich drei Monate von meinem Freund getrennt bin. Normalerweise wäre das etwas Gutes, mal ein bisschen Abstand zwischen uns zu bringen. Etwas Luft zum Atmen. Aber ich will ihn nicht vermissen. Seitdem wir das eine Mal getrennt waren, ist es anders zwischen uns, verstehst du? Ich liebe ihn wirklich, Abby.”

Ich drückte sie noch einmal und schob sie dann von mir, um ihr in die Augen gucken zu können.

“Bleib bei uns, Mare. Du wohnst doch praktisch eh schon bei uns.” Ich lächelte. “Das wird eine gute Zeit.” Sie schüttelte den Kopf. “Sie werden mich nicht lassen.”

“Warum?”, fragte ich frustriert.

“Dad sagt, er will nicht, dass das zwischen uns zu schnell zu ernst wird. Ich verstehe ja seine Bedenken, aber das ist einfach nur scheiße.”

“Es kann trotzdem klappen, weißt du. Besorg dir einen Job und dann holen wir deine Sachen zu uns.”

America bekam feuchte Augen. “Das sagst du so einfach. Du hast ein Stipendium oder sogar fünf. Sie zahlen meine Studiengebühr und wenn ich das weiterhin will, muss ich nach ihren Regeln spielen.”

“Schön und gut. Aber du kannst trotzdem jedes Wochenende kommen, oder? Sie werden dich ja wohl noch mich sehen lassen.”

“Ja. Ja, klar.” Sie ging einen Schritt von mir weg und putzte sich die Nase. Sie lächelte und schüttelte den Kopf. “Das ist so dumm. Es gibt weitaus schlimmere Dinge, die in der Welt geschehen.”

“Nicht für dich momentan. Und es ist absolut okay traurig darüber zu sein, dass du drei Monate lang von Shep getrennt sein wirst. Du hast recht. Es ist scheiße.”

Sie grinste. “Danke.”

“Für was?”

“Dafür, dass ich mich nicht wie eine blöde Kuh fühle.”

Ich verzog das Gesicht. “Das war nicht beabsichtigt. Du bist eine blöde Kuh.”

America rammte mir aus Spaß ihren Ellenbogen in die Rippen, gerade als eine Frau hinter der Theke erschien und uns anlächelte. Ich drückte meinen Finger gegen das Glas und deutete auf die weiße Torte. “Auf ihr soll Happy 20th Birthday Travis stehen.”

“Aber eigentlich…”, sagte America. “Kann da auch Happy 20th Fucking Birthday Travis stehen?”

Die Frau lächelte. “Das hört sich nach einer super Party an.”

Ich spiegelte ihren Ausdruck. “Das wird es auch.”

 

****

 

“Fässchen. Eiswürfel. Becher. Kuchen…”, sagte ich und zeigte auf die verschiedenen Gegenstände.

“Irgendetwas fehlt. Ich glaube wirklich, wir haben etwas vergessen.”

America kreuzte ihre Arme. Sie war nicht ansatzweise so gestresst wie ich. “Wenn du das auf die vergangene Jahre beziehst, dann fehlen hier mindestens ein halbes Dutzend Nutten.”

Ich gab ihr einen bösen Blick. “Sehr lustig.”

America kicherete, ging durch den Raum, nahm sich einen Luftballon steckte ihn in den Mund und als sie Luft reinpustete, wurde ihr Gesicht rot.

Ich guckte auf meine Uhr. “Weniger als eine Stunde”, ich schaute nach draußen.  “Warum ist noch keiner hier?”

“Frühlingstraining”, antwortete America. Ich zischte das Wort Fuck  und erschrak, als ich vor der Tür plötzlich ein Wortgefecht hörte.

“Ich sagte... nein! Stop! Verdammt nochmal, Stop, Travis!”, brüllte Shepley, als er rückwärts durch die Tür stolperte und auf den Boden im Wohnzimmer flog.

Travis stand in der Tür, atmete schwer und hatte ein breites Grinsen auf dem Gesicht. “Schatz! Ich bin zu Hause!”

Mir viel die Kinnlade runter und es fühlte sich wie eine Zeitlupe an als ich das Wort Neinschrie.

“Warum ist er schon hier?”, fragte America ihren Freund vorwurfsvoll. Shepley stand auf und richtete sich wieder her. Sein Gesicht war rot und sein Ausdruck genervt.

“In dem Moment, als ich ihn überall mit ihm hin gehen wollte, außer nach Hause wusste er es, okay? Ich habe mein bestes gegeben.”

Travis lächelte, aber das änderte sich, als er mich gesehen hatte.

“Hättest du nicht einfach so tun können als ob? Musstest du dir unbedingt deinen Weg hier rein bahnen und all meine Pläne zerstören?”, wimmerte ich. Ich wollte nicht so tun als ob. Es war einfach unfair.

“Baby”, sagte Travis, als er Shepley aus dem Weg schob und mit offenen Armen auf mich zukam.

“Nein”, sagte ich und schubste ihn weg. “Fass mich nicht an. Lass es!”, schmollte ich. “Hast du eine Ahnung, wie lange ich das hier geplant habe? Ich habe auch nicht versucht meine Überraschungsparty zu zerstören!”

“Nein”, sagte Travis und nahm mich in seine tätowierten Arme. “Parker hat sie damals kaputt gemacht.”

Ich schluckte. “Ich war trotzdem überrascht! Und du bist nicht überrascht. Lass mich los!”

Travis beugte sich vor und küsste meine Wange. “Ich wollte nach Hause um meine Frau zu sehen, die, wie ich wusste, an meiner Geburtstagsüberraschung gearbeitet hat.”

“Um sie dann kaputt zu machen!”, schnauzte ihn an und versuchte mich immer noch von ihm loszureißen. Ich wusste nicht warum ich das überhaupt versuchte, denn er ließ kein bisschen locker. America umarmte Shepley und küsste seine Wange. “Bist du es nicht langsam satt, dass er dich immer wieder in Schwierigkeiten bringt?” Shepley ging sich mit den Händen durch die Haare und zuckte mit den Achseln. “Er hätte mein Auto geklaut und mich auf dem Parklplatz stehen lassen, wenn ich nicht noch rechtzeitig auf der Beifahrerseite eingestiegen wäre.”

“Aw!”, sagte America, die sich ein Kichern nicht verkneifen konnte.

Shepley hatte seine Arme vor der Brust gekreuzt und versuchte, allerdings nicht all zu sehr, aus America´s Umarmung zu entkommen. Travis nahm mein Kinn in seine Hand und zwang mich ihn anzugucken. “Danke”, sagte er und küsste meine bereits hervorstehenden Lippen. Er ließ mich los und ich fühlte mich ein bisschen orientierungslos von dem Kuss und meinem vergeblichen Versuch mich von ihm zu befreien.

Jemand klopfte an der Tür und Jason Brazil öffnete sie, kam rein und blieb abrupt stehen als er Travis in der halb fertig dekorierten Wohnung sah. “Oh. Verdammt. Sind wir zu spät?”

“Ja”, antwortete ich und warf einen Ballon zu Travis. “Und er hat ein Problem.”

“Habe ich nicht”, sagte Travis in einem etwas spaßigen und etwas genervten Ton.

“Findet die… ähm”, stotterte Brazil, “die ähm… Party noch statt?”

“Ja. Ich kann keine Party mehr absagen zu der in ca. 10 Minuten um die vierzig Leute hier sein sollen”, meckerte ich.

“Vierzig?”, sagte Travis. “Das ist alles?”

“Minus die Nutten”, erklärte America.

Travis fand das nicht lustig. Eine Gruppe Mädchen kam hinter Brazil rein, alle mit einer übertriebenen falschen Bräune, Tonnen von Make-up und gefakte Doppel-D-Körbchen, die praktisch aus ihren V-Ausschnitt raus fielen.

“Aprilscherz!”, sagte America und guckte zu den nicht eingeladenen Gästen rüber. “Die Nutten sind da!”

Die Studentinnen runzelten ihre Nasen in America´s Richtung, schenkten ihr aber danach keine weitere Beachtung mehr. Sie folgten Brazil, der auf der Suche nach dem Zapfhahn für das Fässchen war, und lachten als er ihn gefunden hatte und in die Luft hielt.

“Gefunden!”, sagte er und zeigte es allen wie ein kleines Kind mit dem neuesten Spielzeug auf dem Spielplatz.

Brazil und seine Freunde halfen weiter beim Dekorieren, indem sie noch weitere Ballons aufpusteten und Luftschlangen verteilten. Immer mehr Leute kamen an und halfen ebenfalls. Je mehr Travis half, umso enttäuschter wurde ich. Nicht von ihm - sondern wegen mir selbst. Ich hatte ein berühmtes Pokerface und konnte den erfahrensten Spielern in Vegas ohne Probleme mehrere tausend Dollar abzocken, aber eine kleine Party für meinen Ehemann schien hingegen unmöglich zu sein.

Als die Sonne unter ging, kamen auch die letzten Gäste an, unter ihnen auch Trenton und Camille. Trenton half seiner Freundin dabei den Mantel auszuziehen und wendete sich dann seinem kleinen Bruder zu um ihn zu umarmen.

“Happy Birthday, Arschloch!”

“Hey!”, sagte Camille als sie mich umarmte. “Das sieht doch super aus!” Sie hatte sich ihre Nase piercen lassen, seit ich sie das letzte mal gesehen hatte und ihre Haare hatten nun auch schwarze Strähnen. Je länger sie für Skin Deep arbeitete, um so wilder wurde ihr Style und ich war mir sicher, Trenton liebte es. Ich lächelte. Die ganzen Tattoos und das Make-up standen ihr. Sie war verliebt und konnte nicht glücklicher aussehen.

“Was ist?”, fragte sie.

“Nichts”, mein Lächeln verschwand. “Travis kam früher als geplant nach Hause.”

“Typisch für ihn.” Sie hatte ihre Arbeitsklamotten aus der Bar an und würde wahrscheinlich nach der Party noch arbeiten gehen. Sie zwinkerte Travis zu und gab ihm eine Flasche Whiskey mit einer Schleife um den Flaschenhals.

Travis küsste ihre Wange. “Danke.”

“Hey!”, schimpfte Trenton und schubste Travis an der Schulter. “Sieh zu, dass deine verdammten Lippen mein Mädchen nicht länger berühren!”

Travis hielt beide Hände nach oben. “Okay, okay! Ich wollte nur meine Dankbarkeit zeigen!”

Ich steckte zwanzig Kerzen in die Glasur des Kuchens und suchte anschließend ein Feuerzeug. Nachdem ich einen Schrank nach dem anderen öffnete, endete meine Suche mit leeren Händen. “Das ist lächerlich”, kochte ich vor Wut. “Ich bin mit jemanden verheiratet, der eine Schachtel am Tag raucht und hier sind nirgendwo Feuerzeuge?” Travis zückte seines und hielt mir die Flamme direkt vor das Gesicht. Ich verschnaufte kurz und nahm es ihm dann ab. “Danke”, flüsterte ich und drehte mich wieder um, wo alle bereits mit Tellern in den Händen warteten. Als ich die Kerzen anzündete, machte America das Licht aus und Travis stand an der Frühstückstheke und lächelte, als er die Wörter sah, die mit einer Glasur oben auf den Kuchen geschrieben wurden. Er schloss seine Arme um meine Mitte und küsste meinen Nacken mit jeder weiteren Kerze die ich anzündete.

“Netter Kuchen”, sagte er und flüsterte die Worte

Happy 20th Fucking Birthday, Travis.

“Ich bin froh, dass sie dir gefällt. Das Fluchen war America´s Idee.” America nickte zustimmend, ihre Arme kreuzten ihre Mitte und sie hielt Shepley´s Hände, der hinter ihr stand. Er schwankte ein bisschen, als er uns beobachtete und hatte das süßeste Lächeln auf dem Gesicht. Ich wusste nicht, über was er gerade nachgedacht hatte, aber ich war mir sicher, dass es America beinhalten würde.

Wir sangen “Happy Birthday” und danach drehte Shepley die Musik hoch. Wir tanzten und tranken und die Polizei kam nur einmal vorbei. Die Hälfte vom Footballteam war da genau wie die Studentenbrüder Sig Tau. Jim, Thomas, Taylor und Tyler riefen alle zu unterschiedlichen Zeitpunkten an und Travis ging jedes mal nach draußen, um in Ruhe mit seiner Familie zu telefonieren. Jedes Mal, wenn Travis nach draußen ging, küsste ich ihn und jedes Mal wurde ich an meinen Geburtstag erinnert, wie süß er in dieser Nacht war und wie sehr ich versucht hatte, mich nicht in ihn zu verlieben - also küssten wir uns oft. Irgendwann zog Travis mich mit in den Flur, seine Hände an meinem Nacken, ungeduldig seinen warmen Mund auf meinen zu drücken. Er schmeckte nach billigen Bier und Zucker und ich zog ihn noch tiefer in meinen Mund. Gerade als ich dachte, dass er mich hoch heben und in sein Schlafzimmer tragen würde, wurde der Rhythmus von seinem Mund langsamer. Er wich zurück, küsste meine Wange und flüsterte an mein Ohr: “Ich bin überrascht, dass du bis jetzt noch keine Shots für mich hattest.”

“Ich wusste nicht, dass du so dringend Geld brauchst.”

“Das werde ich aber, wenn ich diesen Job nicht bekomme.”

Ich musste lachen. “Du hast den Job. Du musst doch nur noch hingehen und zusagen.”

Travis guckte ein Mal um die Ecke und schenkte mir dann wieder seine Aufmerksamkeit.

“Was ist?”, fragte ich.

“Ich vergewissere mich nur, dass sie meine Wohnung in keine Müllhalde verwandeln.”

“Aw, hör dir mal zu. So erwachsen.”

Travis runzelte die Stirn. “Ich hab hier noch nie eine Party geschmissen… weil ich niemanden verprügeln wollte, der hier Scheiße baut.”

Ich berührte seine Wange. “Nur eine Liebeshöhle, was?”

Travis’ Gesicht verzog sich in Ekel. “Ein was?”

Ich kicherte. “Nichts. Schon gut.”

“Oh, du machst also Witze?”, sagte er und kniff mich mit seinen Fingern in meine Seiten. Ich lief in das Wohnzimmer, lachte und versteckte mich hinter America. Travis jagte mich nicht einmal ein paar Sekunden, als eine Ballade durch die Lautsprecher erklang. Mein Lieblingslied. Unser Lied. Travis nahm mich in seine Arme. Wir schaukelten eine Weile, bevor er mich noch fester in den Arm nahm.

“Du hast mir mehr oder weniger gesagt, dass du mich liebst, als wir auf einer Geburtstagsparty zu diesem Lied getanzt haben”, sagte er.

“Was?”, fragte ich und ging einen Schritt zurück, um ihm in die Augen zu gucken. Es war kein Funken Spaß zu sehen. “Nein, dass habe ich nicht.”

“Doch. Du warst völlig betrunken, aber du hast es gesagt. Quasi. Du hast gesagt in einem anderen Leben könntest du mich lieben.”

Ich lächelte, schaute in seine warmen rostbraunen Augen. Ich erinnerte mich daran, als ich sie zum ersten Mal in einem Keller von einem Gebäude auf dem Campus gesehen hatte. Er war verschwitzt und blutverschmiert, aber seine Augen waren mein Zuhause. “Was hast du dazu gesagt? Bist du nicht schreiend weggelaufen?”

Er schüttelte den Kopf und sein Blick wurde noch intensiver. “Ich sagte, ich könnte dich schon in diesem lieben.”

“Das hast du gesagt?”, sagte ich berührt. Das war bereits vor sechs Monaten und erst jetzt erzählte er es mir. “Also hast du es zuerst gesagt… Ich dachte in der ganzen Zeit, dass ich es war.”

“Nein”, lachte er. “Es warst nicht du, ich habe es definitiv zuerst gesagt. Nach deinem Geburtstag sogar.”

“Nein”, schüttelte ich den Kopf. “Es war in der Nacht, in der ich mit Parker hätte ausgehen sollen.”

Er schüttelte den Kopf. “Nein, Baby. Ich kann nicht glauben, dass du dich nicht daran erinnern kannst.”

“Doch, kann ich. Du hast es gerade selbst gesagt. Ich habe es an meinem Geburtstag gesagt.”

“Du hast es fast gesagt. Mich in einem anderen Leben zu lieben zählt nicht.”

“Nun...”, sagte ich und hob mein Kinn siegessicher. “Willkommen in unseren nächsten Leben.”

Er blieb mitten im Raum stehen. Seine Schultern hingen und er schaute mich mit soviel Liebe und Verehrung an, dass ich spürte, wie meine Wangen rot wurden.

“Na, wenn das nicht mal was ist”, sagte er und umarmte mich wieder. Sein Kinn ruhte in der Kurve von meinem Nacken. “Ich habe meinen Geburtstagswunsch bekommen, bevor ich mir ihn überhaupt äußern konnte.”

Ich drückte meine Wange gegen sein Ohr, hörte den Worten von unserem Lied zu und nahm den Moment so hin, wie er gerade war. “Das ist dein erster Geburtstag als mein Ehemann.”

“Bester Geburtstag - bis jetzt”, antwortete er. “Und mach dir keine Sorgen. Du hast den Rest deines Lebens Zeit, mich zu überraschen.”

“Darauf kannst du wetten!”, sagte ich und zog ihn wieder zu mir. “Wir haben noch tausende Überraschungen vor uns.” Und alle davon werden gut sein, hoffe ich. 

 

Episode Nine: Compromised

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Compromised - Kompromisse

 

 

::Abby::

 

“Baby”, sagte Travis als er sich seine Jacke auszog und auf das Bett schmiss. “Ich sagte doch schon, dass es mir leid tut.”

“Ich weiß”, antwortete ich während ich meine Heels von den Füßen kickte.

 

Zweimal in Folge wurde Travis aus dem Red geschmissen, weil er in eine Prügelei verwickelt war. Anstatt entspannter zu sein, da wir ja jetzt verheiratet waren, hatte jeder Mann, der mich anguckte, mit mir flirten oder sogar mit mir sprechen wollte ein Problem.

 

Travis argumentierte es so, dass er jetzt seine Frau noch mehr beschützen müsse, als er es ohnehin schon getan hatte als ich noch seine Freundin war. Für ihn war der Einsatz gestiegen, und das bedeutete nichts anderes als noch mehr darauf aufzupassen, dass mir niemand zu nahe kommt, obwohl ich einen Ring am Finger hatte. Egal wie oft ich ihm versuchte klar zu machen, dass mich kein anderer Mann interessiert, Travis verprügelte jeden Fremden mit einem Penis der mir auch nur ansatzweise Aufmerksamkeit schenkte.

 

Wir zogen uns in Stille aus, gingen abwechselnd ins Badezimmer und dann beobachtete Travis mich dabei, wie ich mich neben ihn ins Bett lag. Ich schlüpfte unter die Decke und gerade als er mich zu sich ziehen wollte, drehte ich mich auf die Seite, so dass er mir nicht ins Gesicht gucken konnte. Es war ein komisches Gefühl sauer auf ihn zu sein, aber ich wusste, dass ich mich dieses Mal nicht einfach von America zurück in mein Wohnheim hätte bringen lassen können. Es sollte keine Trennung mehr geben, keine Streiterein, die am Ende zu allem anderen als Versöhnungssex und Vergebung führten.

Ein großer Teil von mir fühlte sich erleichtert, allerdings fühlte sich der Ring an meinem Finger in diesem Moment eng an. Zu eng.

Ich zog ihn aus und legte ihn auf das Nachtschränkchen.

Travis schreckte hoch. “What the fuck?”, sagte er laut. Ich drehte mich nicht um, um ihn anzusehen, denn die Lautstärke seiner Stimme und seine schnelle Bewegung erschreckte mich. “Er stört mich beim schlafen.”

Selbst mit dem Rücken zu ihm konnte ich sehen wie er die Strin runzelte. “Seit wann?”

Ich seufzte. “Travis, bitte. Ich bin müde.”

“Zieh deinen Ring an, Täubchen.” Er war nicht fordernd, er hat gebettelt.

Ich schluckte. Es gab drei Möglichkeiten. Ihn ignorieren -- ein Statement über meine Unabhängigkeit und während dessen gleichzeitig sein Herz brechen; einfach nachgeben und weiter lügen, oder nachgeben und ihm die Wahrheit sagen, was ihm auch das Herz brechen würde. Ich liebte ihn mehr als alles andere, aber ich war immer noch erst neunzehn Jahre alt. Ganz egal, wie sehr ich es wollte, ich war einfach noch nicht bereit verheiratet zu sein. Wenn ich diese Panik bekam, tat ich meistens einfach so, als wären wir nach wie vor in einer normalen Beziehung. Aber in Momenten wie diesem konnte ich das nicht. Travis wollte diese Bindung und ich wollte einfach nur Travis. Eine Ehe hätte vielleicht irgendwann passieren können. In meinem Kopf wurde mir immer mehr klar wie ernst die Entscheidung ist, die ich getroffen hatte.

“Abby”, spornte er mich an. “Du hast es versprochen.”

Ich griff nach dem kleinen Kreis aus Metall und steckte ihn mir zurück an den Finger. Jim hatte mir mal an einem Abend ins Ohr geflüstert, dass es in einer Ehe immer einen Kompromiss geben sollte aber manchmal fühlten sich diese Kompromisse an wie ein Zwang den man sich selbst gegeben hat. “Du hast recht. Tut mir leid.”

Er legte sich wieder hin, kuschelte sich an mich und hielt mich fest.

Ich schloss meine Augen, der Ring drückte an meinem Finger und Travis drückte mich. Die Luft war trocken, meine Brust wurde immer enger. Ich schob mich von ihm weg und kletterte aus unserem Bett.

“Ich dachte…” , fing ich den Satz an und atmete schwer. “Ich dachte du bist fertig damit.”

“Du bist also sauer.”

“Ja, ich bin sauer! Und Enttäuscht! Und ich habe Angst!”

Er guckte entsetzt. “Täubchen, ich würde niemals--”

“Ich weiß!”, schrie ich und schloss meine Augen. Ich nahm einen tiefen Atemzug, meine folgenden Wörter gingen mir etwas leiser von den Lippen. “Ich weiß. Ich habe keine Angst vor dir. Ich hatte noch nie Angst vor dir. Was ich meine ist, dass du kein Collegejunge mehr bist, der Schläge verteilen kann wann immer er will. Du bist mein Ehemann. Ich liebe es, dass ich mich bei dir sicher fühlen kann, ganz egal wo ich hingehe. Ich liebe es, dass du mich beschützen willst, ganz egal was es ist. Du würdest mir niemals etwas zustoßen lassen. Aber du musst einen ruhigen Kopf bewahren. Erinnerst du dich? Wir hatten genau diese Unterhaltung schon einmal. Nur weil du es kannst, heißt das nicht, dass du es auch tun sollst.”

Er griff nach mir und die Erinnerung an diese Unterhaltung zauberte ein kleines Lächeln auf sein besorgtes Gesicht. “Komm her.”

Als ich nicht sofort nachgab, wurde er nervös. “Was willst du von mir, Täubchen?”

“Ich brauche”, ich zuckte. “Du musst Erwachsen werden, Travis. Du musst nicht mehr das größte Badass der Stadt sein. Du musst niemandem mehr etwas beweisen. Es zeigt mehr Stärke wenn man widersteht.”

Er schaute nach unten und atmete, als würde ihm jemand die Luft abschnüren. “Er hat dich beleidigt.” Er schaute mich wieder an. “Er hat meine Frau beleidigt. Ich hab schon für weniger jemanden verprügelt.”

“Das war aber vorher”, antwortete ich und krabbelte neben ihm zurück ins Bett. Ich nahm sein Gesicht in meine Hände und traf seinen Blick. “Vor der Hochzeit. Vorher, als du noch Schläge gegen ein gutes Leben eingetauscht hast und du deinem Namen alle Ehren machen musstest. Vor dem Feuer. Jetzt ist alles anders. Wir müssen vorsichtig sein.”

Er dachte über meine Worte nach, als er meine Hände von seinem Gesicht nahm und meinen Ringfinger an seine Lippen führte. “Ich kann vorsichtig sein.” Er küsste meine Hand bis zu meinem Handgelenk, dann entlang meines Armes bis ein verschwörerisches Lächeln seinen Mund formte.

Ich musste mir ein Lächeln verkneifen. “Das ist nicht lustig.”

“Nein, ist es nicht”, sagte er fokussiert.

Ich hatte nur ein schwarzes fließendes Top an mit der passenden Pyjamahose. Als er sich seinen Weg hoch zu meiner Schulter küsste, bemerkte er den Träger. Er nahm mit einer Hand das Ende von meinem Top und mit einer einzigen Bewegung war mein Oberkörper nackt. Er bewegte seinen Mund langsam und zärtlich entlang meiner Brust, meines Bauches und hielt sich an all meinen Lieblingsstellen genau so lange auf, dass sich mein Inneres nur noch mehr nach ihm sehnte. Ich entspannte mich und schloss die Augen. Er verehrte meinen Körper. Ich war seine Religion.

“Das ändert gar nichts”, hauchte ich.

“Ich weiß”, sagte er mit bedeckter Stimme, als er sich zwischen meinen Beine positionierte.

“Aber du bist sauer. Und du weißt genau, was es in mir auslöst, wenn du sauer bist.”

Er schob den dünnen Stoff meiner Hose auf Seite und vergrub sein Gesicht gegen meine empfindliche Haut. Ich keuchte und krümmte meinen Rücken.

“Oh, ich bin sauer”, hauchte ich. “Angepisst.” Meine Fingerknöchel wurden weiß als mein ganzer Körper jeden einzelnen Zungenschlag von Travis antwortete. “Rasend vor Wut.” Er griff unter mich, zog meine Hose ganz aus und platzierte sich anschließend wieder genau da wo ich ihn haben wollte. Meine Knie zitterten unfreiwillig und ichstöhnte seinen Namen mit ein paar anderen unangemessen religiösen Referenzen.

Er küsste meine Schenkel, meinen Bauch und schaute mich dann mit einem stolzen Lächeln an. Er gab mir kaum eine Chance wieder zu mir zu kommen, als er sich auf mich legte und in mich eindrang. Das waren immer die Momente in denen ich froh war, dass er sich nicht zurück halten konnten. Ich habe in der Vergangenheit das ein oder andere mal gesehen, wie Travis mit anderen Frauen umgeht, aber mit mir hielt er sich nie zurück. Er ließ mich jede Schicht seines harten Kerns abziehen, um jede Schwachstelle zu sehen-- und ich war eine davon. Er hatte darauf gewartet, dass ich mich meinen Gefühlen hingab und als ich es dann tat, fing unser Leben an. Es gab kein vorher oder nachher. Travis wusste von Anfang an, dass wir für einander geschaffen waren und das es auch immer so bleiben würde. Diese Wahrheit konnte ich in seinen Augen sehen, als er nur wenige Zentimeter über meinem Gesicht schwebte.

“Baby”, atmete er. Er schaute mich genau so ehrfürchtig an, wie als wir zum ersten Mal mit einander geschlafen hatten (und jedes weitere Mal), als wäre er immer noch überrascht wie perfekt und wunderbar ich mich anfühlte.

Die Stunden gingen vorbei und ich bildete mir ein, irgendwann einmal Shepley und America im Wohnzimmer gehört zu haben. Travis machte hingegen immer weiter und irgendwann gingen unsere Mitbewohner dann in ihr Zimmer. Meine Muskeln bebten vor Erschöpfung und ich keuchte, unfähig wieder normal zu atmen. Je länger wir hier zusammen verknotet waren, umso mehr brauchte ich ihn. Ich war unersättlich, verführte Travis immer und immer wieder und stürzte von einem Orgasmus in den nächsten bis wir schließlich beide völlig erschöpft waren.

Ich lag auf dem Bauch, hob den Kopf vom Kissen und schaute meinem Mann dabei zu, wie er das gleiche tat. Unsere kleinen Finger kreuzten sich, die Decke bedeckte willkürlich unsere Rücken. Meine Haut war mit einem Schweißfilm bedeckt, meine Augen waren schwer und meine Haare lagen wild überall neben mir. Mit einer freien Hand spielte Travis mit einer karamellfarbenen Strähne. Wir sprachen nicht. Mussten wir auch gar nicht. Wir waren von dem jeweils anderen gesättigt, die Luft roch nach Sex, Liebe und Zufriedenheit.

 

******

 

Ich war genau seit einem Monat Mrs. Maddox, als ich Rick und Joel, die zwei Männer die mir und America im Red aufgelauert und sich dafür ihre Lektion von Shepley und Travis abgeholt hatten, gesehen hatte. Ich hatte die Beiden flüchtig gesehen, als sie am Ende des Flures von meinem englische Literatur Kurs durch eine Tür gingen. Ich sammelte mich kurz um sicher zu sein, dass die beiden es sind und folgte ihnen unauffällig und stellte dabei sicher, dass mich niemand sah. Als ich das Ende vom Flur erreichte, schaute ich um die Ecke und sah wie Joel vor einem Computer saß. Ricky stand daneben, einen Stapel Papiere in seiner Hand. Es sah so aus, als würde er Joel etwas diktieren. Der Raum in dem die beiden waren schien aufgeregt zu sein. Einige Studenten wechselten von einem Tisch zum anderen und andere wurden von hinten immer wieder angetippt und wendeten sich von ihren Computerbildschirmen ab. Ich lehnte mich zurück und guckte, ob es an der Tür einen Hinweis gab, dass das hier eine kleine neben-Bücherei war von der ich noch nichts wusste. Als ich mich wieder auf Ricky konzentrierte und versuchte zu hören was er sagte, kam ein Mädchen, welches ich aus meinem Statistik Kurs kannte, und wollte an mir vorbei.

“Entschuldigung”, sagte sie in Eile.

“Ähm, uh…”, fing ich an.

Sie drehte sich um, ihr Gesichtsausdruck eine Mischung aus aggressiv und verwirrt.

“Was? Ich bin zu spät.”

“Es tut mir leid”, sagte ich. “Ich habe nur gerade die Kurse gewechselt und ich bin etwas verloren. Ist das hier Altgriechische Philosophie?”

“Nein”, antwortete sie genervt. “Das hier ist Eastern Star.” Als sie sah, dass ich ihr nicht folgen konnte seufzte sie. “Die College Zeitung.”

Meine Augenbrauen schossen nach oben und mein Mund formte ein Oh als sie sich umdrehte und zu ihrem Tisch ging. Ich beobachtete den Raum eine Weile und ging dann den Flur zurück in Richtung Ausgang. Ricky und Joel waren im Red, um Informationen zu bekommen und sie hatten auf Travis´ Rückkehr gewartet. Es war ein glücklicher Zufall, dass einer der beiden blöd genug war, es erst bei mir zu versuchen, bevor sie ihn befragen konnten. Sie könnten eine Story über den Circle schreiben oder sogar noch schlimmer, Travis Verwicklung in das Feuer. Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte ich mir eine Lösung einfallen zu lassen, wie ich die beiden davon abhalten konnte eine Story zu schreiben. Selbst Spekulationen könnten dafür sorgen, dass die Studenten wieder anfingen darüber zu reden, obwohl sie damit schon lange aufgehört hatten. Studenten zögerten immer, wenn es darum geht mit der Polizei zu reden, aber wenn ein Student einen anderen Studenten befragt, könnte das die Erinnerungen wieder hoch holen.

Ich hielt mitten im Gang an, ging ein paar Schritte rückwärts bis mein Hintern die Wand berührte und anschließend auf den Boden rutschte. Ich stützte meine Ellenbogen auf den Knien ab und legte meine Stirn in die Hände. Würde es jemals aufhören? Würde Travis jemals sicher sein?

 

Zwei Paar Schuhe kamen auf mich zu und machten kurz vor meinen Chuck Taylor´s halt.

“Abby?”, fragte eine mir bekannte Stimme. “Geht es dir gut?”

Ich guckte nach oben in Ricky´s Augen. Seine Wange war immer noch ein bisschen grün von Travis´ linkem Hacken, den er ihm vor ein paar Wochen verpasst hatte. “Kommt drauf an.”

Joel und Ricky tauschten einen Blick aus. “Auf was?”, fragte Joel nervös.

“Wohin wolltet ihr gerade gehen?”, fragte ich die beiden.

“Zu…ähm…”, stotterte Ricky. “Warum fragst du?”

Ich verengte meine Augen, doch bevor ich etwas sagen konnte, fiel mir Joel ins Wort. “Verfolgst du uns? Warum verfolgst du uns?”

Ricky schnaubte. “Wir haben dich erwischt. Denkst du, du könntest hier mitten im Flur sitzen, wir laufen vorbei und sehen dich nicht? Du weißt, dass wir Journalisten sind. Uns entgeht nichts.

Ich gab meine Verwirrung nicht Preis, sondern beobachtete die beiden dabei, wie sie mit jeder weiteren Spekulation nervöser wurden.

“Travis weiß, dass wir für den Star arbeiten, oder?”, fragte Ricky mich. “Hat er mitbekommen, dass wir Fragen stellen?”, er schluckte. “Was hat er vor?” Ich stand auf und gab den beiden ein kleines Lächeln. “Das werdet ihr dann sehen”, sagte ich. Ich drehte mich langsam um und ging weiter. Ich drückte die Glastüren auf und joggte die Treppen hinunter,  als mich die Panik überkam. Die beiden würden eine Story über Travis schreiben. Sie würden weitere Fragen stellen und je länger sie suchten, umso größer war die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand verquatschen würde.

Ich suchte meine Autoschlüssel in meiner Jackentasche. Meine Gedanken rasten und ich suchte fieberhaft nach einer Möglichkeit, wie ich Ricky und Joel stoppen könnte ohne Travis mit reinzuziehen und ohne Erpressung, Drohungen oder Bestechung.

Eine tiefe Stimme sagte “Whoa!” als ich genau in dem Moment mit dem Kopf zuerst in die Brust von jemandem lief.

“Oh mein Gott, es tut mir…” Mein Bauch fühlte sich schlagartig schlecht an.

“Hey Abs. Ich habe bereits gehofft, dich hier zu treffen.”

“Parker”, sagte ich genervt. Ich wollte einen Schritt zur Seite machen um an ihm vorbei zu gehen, aber er nahm vorsichtig meinen Arm in seine Hand.

“Komm schon, sei nicht so.” Er ließ meinen Arm los und lächelte mich an, als wären die letzten drei Monate nie gewesen. “Können wir nicht einfach… reden?”

“Nein.”

“Abby. Was soll ich machen? Betteln? Ich würde es machen”, sagte er mit seinem charmantesten Lächeln. “Ich würde wirklich alles tun. Ich möchte es nur wieder gut machen. Wie wäre es mit Mittagessen?” Ich verzog das Gesicht. “Oder einfach nur einen Kaffee trinken. Können wir reden und dabei Kaffee trinken?”

“Kaffee?”, fragte ich. Er nickte. Ich guckte über die Schulter zu dem Gebäude, was ich gerade erst verlassen hatte. Mir wurde schon schlecht bei dem Gedanken alleine.

“Wirklich alles?”, fragte ich und richtete meinen Blick wieder auf Parker. Ich schluckte den Zorn runter. Ich war kurz davor meine Seele an den Teufel zu verkaufen.

“Sag schon.”

Ich schloss meine Augen und hasste mich bereits für das was ich jetzt machen würde.

 

 


Episode Ten: Twisted

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Twisted - Verdreht

 

::Travis::

Ich drehte an dem kalten Metall meines Eherings, als ich von meinem Parkplatz aus ins Iron E Fitnessstudio starrte. Der Frühling machte sich bemerkbar indem sich der Regen über meinem Auto ergoss und die Tropfen in hunderttausend kleinen Spritzern auf dem Pflaster hüpften. Ich machte den Motor aus, hielt mich am Lenkrad fest und lehnte meinen Kopf an die Kopflehne.

 

Perkins Plaza umkreiste mich förmlich mit diversen Boutiquen, einem Golfausrüstungsgeschäft, einem Nagelstudio, einem Café und in der Mitte das Iron E. Die dicken grauen Wolken ermöglichten es mir, die Leute drinnen unter dem hellen Licht zu sehen. Entweder stemmten sie Gewichte, erkundigten die Geräte oder liefen auf einem der insgesamt 15 Laufbänder. Brandon befand sich hinter der Empfangstheke und flirtete mit der Empfangsdame.

 

Ich biss die Zähne zusammen. Eakins hatte eigentlich genug flexible Jobs für Studenten zu bieten, das Problem war allerdings, dass es schon April war und die meisten Jobs, die es noch gab, vielleicht gerade dafür ausreichen würden, die gewohnten Party´s am Wochenende zu finanzieren, aber einem verheirateten Pärchen halfen sie nicht weiter. Ich erfüllte die Erwartungen. Drei dutzend Leute hielten meine Bewerbung in den Händen und sagten mir entweder, dass ich es am Ende des Jahres zum Weihnachtsgeschäft nochmal versuchen sollte, oder dass sie schon Studenten für den Job hatten und nicht mehr brauchten. Mit den Jobs auf dem Campus verdiente man neun Dollar die Stunde oder weniger - nichts was also die Rechnungen bezahlen könnte mit den Stunden, die ich neben meinen Kursen machen würde.

Für Brandon zu arbeiten und die lokalen Pumas mich begrabschen zu lassen, während sie so so taten als würden sie trainieren, war das Letzte was ich machen wollte, aber die Rechnungen mussten nunmal irgendwie bezahlt werden. Abby gab jetzt schon die zweite Woche Nachhilfe, aber das deckte so gerade eben die Lebensmitteleinkäufe und die Gasrechnung ab.

 

Ich holte tief Luft, zog den Schlüssel aus der Zündung, schlug die Tür hinter mir zu und spürte wie das Regenwasser unter meinen Füßen platschte. Ich klopfte an der Glastür und wartete. Neben der Tür war eine Codebox, in die jedes Mitglied eine vierstellige PIN eingeben musste um reinzukommen. Es war schon eine ganze Weile her, dass ich das letzte mal meine eigene benutzt hatte. Ein Mann dessen Hals zweimal so breit wie sein Kopf war, ließ seine Hantel fallen und kam zur Tür in diesem Gang, der so aussah als hätte er einen Stock im Arsch, weil seine Arme so weit weg vom Körper entfernt waren. Er öffnete mir die Tür und nickte mir zur Begrüßung knapp zu.

“Brandon”, rufte der Fleischkopf in einem schroffen Ton.

Brandon war gerade dabei an dem Ohr der Empfangsdame zu schnüffeln als er mich sah. Ein großes Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit.

“Maddox!”, rief er begeistert und kam mit ausgestreckten Armen auf mich zu. “Warum zum Teufel hat das so lange gedauert, bis du den Job annimmst?” Er griff nach meiner rechten Hand und gab mir einen kräftigen Händedruck, dann zog er mich ansich und stieß mit seiner Schulter an meine und tätschelte meinen Rücken. Die Idioten wollten immer diese Art von Begrüßung. “Wirst du jetzt deinen Antrag ausfüllen, oder was?”

Ich nickte. Brandon drehte sich zu seiner Empfangsdame um und schnippte mit den Fingern. “Einen Antrag, Steph. Jetzt.”

Steph drehte sich um, bückte sich öffnete eine Schublade und durchsuchte diese. Brandon klopfte mir auf die Schulter, kicherte und nickte in Richtung Steph´s Arsch wie ein Zwölfjähriger. Ich lächelte nicht und guckte auch nicht böse, sondern konzentrierte mich darauf anders aufzutreten als ich es bisher getan hatte. Steph hatte gefunden was sie gesucht hatte und kam mit einem Stift und den Papieren in der Hand zu Brandon zurück.

“Gefunden”, sagte sie und wartete auf ein Lob von ihrem Chef.

“Du bist toll”, sagte er. “Ist sie nicht toll?”

Als wäre es bewundernswert einen verheirateten Mann, der eine schwangerer Frau hat, zu vögeln.

 “Ja”, sagte ich. “Sich um die Akten zu kümmern ist schwer.”

Steph nickte ein paar Mal dramatischer als notwendig um mir ihre missliche Lage deutlich zu machen.

“Willst du das in meinem Büro ausfüllen?”, fragte Brandon.

“Du hast ein eigenes Büro?”, sagte ich halb scherzend.

Brandon bauschte seine Brust auf. “Hier entlang. Steph”, fauchte er sie erneut an. “Wasser.”

Sie nickte und lief auf der Stelle los um uns Wasser zu holen.

 

Wie zu erwarten war, waren die Wände in seinem Büro voll mit muskulösen, halbnackten Fitnessmodels versehen. Ich zögerte kurz mich in den Stuhl gegenüber von seinem Schreibtisch zu setzen, weil ich mir sicher war, dass er sich hier jeden Abend einen runterholte. Eine Ecke meines Mundes zog sich nach oben, als ich mich an Abby´s ersten Abend bei mir und ihre ähnliche Reaktion gegenüber der alten Couch in der Wohnung erinnerte. Soviel hatte sich seit dieser Nacht verändert.

Steph brachte uns zwei Gläser Wasser und nickte als ich ihre dankte. Sie behielt Brandon im Auge als sie sich umdrehte, als würde dieser nicht wissen, dass sie dafür sterben würde sich über seinen Schreibtisch zu beugen. Schon wieder.

“Verheiratet”, sagte Brandon kopfschüttelnd, als er Steph auf den Arsch starrte, während diese die Tür schloss. Ich setzte mich, legte den Antrag auf seinen Tisch und füllte so schnell wie möglich alle Informationen aus.

 

“Was hat dafür gesorgt, dass du es machst?” fragte er. “Sie muss heiß sein.”

“Wie lange besitzt du das Studio schon?”, fragte ich ohne ihn dabei anzuschauen. Ich wollte Brandon keine reinhauen, weil er über meine Frau sprach, also wechselte ich das Thema.

“Vier Jahre”, antwortete er. “Drei davon mit Joan.” Sein Stuhl knirschte als er sich zurück lehnte und die Hände hinter seinen Kopf legte. “Sie überschrieb es mir während der Scheidung.”

“Ach, ja. Ich hatte ganz vergessen, dass du es geerbt hattest.”

“Kinder erben Dinge von ihren Eltern, Maddox. Joan hat dieses Studio mit ihrem Exmann eröffnet, aber dann hab ich ihr das Gehirn raus gevögelt und sie gab mir alles, was ich haben wollte. Dieses Studio war ein Drecksloch. Für alte Säcke und Fette. Ich hab diese alte Schachtel geheiratet und habe diesen Ort in das verwandelt, was er jetzt ist. Jetzt gehört er mir. Ich hole hier wesentlich mehr raus als Joan je reingesteckt hat.”

Ich schrieb die recht übersichtliche Liste meiner vorherigen Jobs auf, unterschrieb und schob ihm die Papiere zu. Brandon erzählte nach wie vor von der Geschichte des Studios, dass er sich immer noch mit Joan rumärgern muss und wie sauer sie war, als sie erfahren hat, dass er eine seiner Freundinnen geschwängert hatte. Jetzt war Jaci seine Frau und er ließ sie - die im siebten Monat schwanger war - sich mit mit Joan rumschlagen, damit er es nicht machen musste.

 

Er war einfach nur ein Stück Scheiße und jetzt war er noch dazu mein Chef. Ich hielt mich an den Armlehnen feste und versuchte an Abby zu denken, die Hochzeit, unser neues Leben, alles was mich daran erinnerte, dass es die Sache Wert ist jeden Tag im gleichen Raum mit Brandon zu sein. Ich schaute auf meine Uhr und fühlte mich schon erschöpft nur von der Tatsache mich zurückzuhalten um seine Zunge nicht aus seinem Mund zu schneiden. Brandon hatte mir jetzt seit fast zwei Stunden erzählt wie toll er ist. Steph klopfte an der Tür. “Ich habe zu gemacht. Ich werde jetzt nach Hause gehen.” Brandon brachte sie zum Schweigen.

“Ich werde noch etwas mit Travis trinken gehen.”

“Das hört sich nach Spaß an”, sagte Steph mit einem hoffnungsvollem Lächeln.

Ich stand auf. “Es tut mir Leid dich enttäuschen zu müssen, aber ich muss nach Hause.”

“Ach ja, richtig”, sagte Brandon in einem herablassenden Ton. “Das Eheleben. Wann kannst du anfangen? Es wird nicht lange dauern, bis du dir einen Kundenstamm aufgebaut hast.”

“Nächste Woche”, sagte ich. “Montag.”

 

Brandon stand auf und hielt mir seine Hand entgegen. Ich nahm sie an und kam mir dabei vor, als hätte ich Satan meine Seele verkauft.

“Du fängst am besten mit den Bettys an.”

“Den was?”

“Betty Rogan und Betty Lindor. Die beiden stinken abscheulich und haben mehr Falten als ein Elefant, aber sie bezahlen doppelt soviel um zusammen zu trainieren und die Männer beobachten zu können. Sie werden dich lieben. Geh behutsam an die Sache ran, auch was Geld betrifft. Sie werden dich an deinem ersten Tag zum Mittagessen einladen. Geh mit ihnen. Sie werden dir die Miete für Mai bezahlen. Hier”, er hielt mit eine kleine Broschüre und ein weiteres Stück Papier hin. “Das ist unser Grundsatz und der Vertrag. Diese Broschüre erklärt die alles über deine Bezahlung und deine Provision. Erzähl mir nichts von deinem Trinkgeld. Ich will nicht wissen wieviel du bekommst oder wie du es bekommst. Einer der Vorteile die man hier im Iron E hat.”

So behält er also seine Mitarbeiter. Er ist ein verdammter Zuhälter.

“Danke”, sagte ich, knickte die Papiere und steckte sie mir in die Hosentasche. “Wir sehen uns Montag.”

 

Ich ging an Steph vorbei, einmal durch das leere Fitnessstudio und dann durch die Glastür wieder nach draußen. Der Himmel war schwarz und auf dem Parkplatz hatten sich bereits kleine Seen gebildet, die die Lichter vom Platz reflektierten. Der Camry war mitten in einem der größeren Seen.

“Fuck”, zischte ich und zog meine Schlüssel aus der Tasche. Ich zog mein Handy aus der anderen und guckte auf das Display. Ich hatte elf verpasste Anrufe.

“Fuck”, fluchte ich erneut, wählte und hielt das Handy an mein Ohr.

“Travis?!”, sagte Abby panisch.

“Es tut mit Leid, Täubchen. Brandon hat ewig gelabert und ich habe keinen guten Zeitpunkt gefunden um ihm zu sagen, dass er die Fresse halten soll und --”

“Trent hatte einen Unfall”, sprudelte es aus ihr heraus.

“Schon wieder?”, fragte ich geschockt. “Ist er okay?”

“Sie wurden von einem betrunkenen Fahrer erwischt. Sie sind im Krankenhaus. Thomas sitzt schon im Flugzeug und ist auf dem Weg hier her.”

“Also muss es schlimm sein.”

“Er ist in schlechter Verfassung. Aber Cami hat es noch schlimmer erwischt.”

“Ich komme nach Hause. Jetzt.”

“Okay. Sei vorsichtig. Fahr nicht zu schnell in dem Regen.”

“Ich werde vorsichtig sein. Wir sehen uns in ein paar Minuten. Ich liebe dich.”

Ich drückte den roten “Beenden” Knopf und rannte zum Camry. Meine Hände zitterten als ich den Schlüssel in die Zündung stecken wollte. “Verdammt nochmal, Trent”, sagte ich und raste auf dem schnellsten Weg nach Hause.

 

 


Episode Eleven: Wrecked

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Wrecked - Zerstört

 

:: Travis ::

Die Türen der Notaufnahme des Krankenhauses öffneten sich mit einem Luftzug und ich drückte Abbys Hand, zog sie über die Türschwelle. Müde Mütter, die kranke Babys hielten, saßen neben gebrechlichen alten Männern und eine Gruppe von Skatern saß um einen Freund, der sein Handgelenk an seine Brust hielt. Stöhnen, jammern, weinende Babys, klingelnde Handys und Ansagen über das Lautsprechersystem sorgten dafür, dass ich am liebsten abhauen würde.

Über die Grenzen des Warteraums hinaus, hinter gesicherten Doppeltüren mit kleinen rechteckigen Fenstern war eine gedämpfte Unruhe zu hören -- ein Mann der fluchte und schrie.

Ich nickte und sah zu Abby. “Das ist Trent. Wir müssen da hinten rein kommen.”

Abby zögerte nicht eine Minute und ging zur Empfangsdame. “Hi”, sagte sie und sah auf das Namensschild, “Gladys. Wir suchen nach Trenton Maddox.”

“Sind sie Familienangehörige?”, fragte Gladys in ihrer nasalen Stimme, unbeeindruckt von der Dringlichkeit in Abbys Stimme. Zwillingsbänder hingen von ihrer ovalen Brille runter. Ihre dünnen Lippen spitzten und verzogen sich zwischen Antworten. Sie hat vermutlich um die zehn Jahre mehr gearbeitet als ihre Empathie überleben konnte und verschenkte keinen zweiten Gedanken daran, dass mein Bruder verletzt war oder dass Abby und ich uns Sorgen um ihn machten.
“Er ist mein Bruder”, sagte ich. “Er hatte einen Unfall.”

“Oh, der betrunkene Fahrer”, antwortete Gladys.

Abby verengte ihre Augen zu Schlitzen. “Nein, er wurde von einem betrunkenen Fahrer getroffen.”

“Ich weiß”, sagte Gladys mit einem Seufzer. “Er weigert sich in sein eigenes Untersuchungszimmer zu gehen.”

“Ist Cami auch verletzt?”, fragte Abby. “Wie schlimm?”

“Ich kann euch keine Informationen geben. Ich werde sie wissen lassen, dass ihr hier seid. Setzt euch.”

Ich ballte meine Hände zu Fäusten, aber bevor ich mich verlor, griff Abby meinen Arm und führte mich zu einer kurzen Stuhlreihe, die noch nicht mit Kranken oder Verletzten gefüllt war. Ich setzte mich, realisierte jedoch nicht, dass mein Knie nervös hüpfte, bis Abby ihre Hand auf meinen Oberschenkel drückte. Ich lehnte meinen Ellbogen auf die Armlehne und kniff mir dann in den Nasenrücken. Das Warten war eine Qual. Trenton hatte schonmal einen Unfall mit jemandem, um den er sich sorgte. Auch wenn er überlebt hatte, dachte ich dass es ihn umbringen würde. Wenn er das hier auch überlebt, und Cami nicht … ich war mir nicht sicher, wie er sich davon erholen sollte.

“Travis?”, Dad stand im Türrahmen, die Doppeltüren weit geöffnet.

Ich sprang auf und eilte durch den Raum, um ihn in eine Umarmung zu ziehen. “Wie geht es ihm? Wie geht es Cami?”

“Trenton ist okay. Er wird eine Weile rumhumpeln. Hat seinen Arm an zwei Stellen gebrochen. Sein Knöchel ist geschwollen, aber die Röntgenaufnahmen waren okay. Ich denke er hat sich vertreten, als er gelaufen ist.”

“Oh mein Gott”, sagte Abby und verdeckte ihren Mund mit der Hand. “Laufen? Von wem? Warum?”

“Lasst uns reingehen”, sagte Dad und griff nach mir. Er hakte seinen Arm unter meinen und dann ließ ich ihn sich an mich lehnen. Nach außen hielt er sich gut zusammen, aber seine Hände waren klamm und seine rot umrandeten Augen waren müde.

“Bist du in Ordnung, Dad?”

“Ich? Gut… gut.” Er führte uns zu Camilles Untersuchungszimmer, hielt jedoch genau vor der Tür.

“Was ist passiert?”, flüsterte Abby.

Dad ließ eine Hand auf seinem Bauch ruhen, sein Blick ging zu Boden. “Camille ist aufgebracht bei der Arbeit los. Trenton ist auf den Beifahrersitz gesprungen. Es hat geregnet und sie haben sich gestritten. Haben den kleinen Bastard nicht mal über das Stoppschild fahren sehen. Ihr Jeep hat sich viereinhalb Mal überschlagen. Als Trenton zu sich kam, hat er sie rausgezogen. Als er sie nicht wach bekam, hat er sie hoch gehoben und trug sie über eine Meile zum nächsten Haus.”

“Christus”, hauchte ich. “Mit einem gebrochenen Arm?”

“Ja, genau so”, sagte er, nicht dazu in der Lage seinen Stolz zu verstecken. 

Dad legte seine Hand auf die Tür. “Camille hat ein CT. Trenton ist bei ihr. Wenn sie zurück kommen, dann werden sie…”, Dad würgte und räusperte sich. “Sie werden seine Knochen richten und seinen Arm gipsen. Sie haben ihn davor gewarnt, dass es schon anfängt zu heilen und wenn er warten würde, wäre es schwerer zu richten, aber er verlässt ihre Seite nicht.”

Ich drückte ihn an meine Seite. “Und Cami?”

Abby verzog das Gesicht.

Dads Augenbrauen zogen sich zusammen. “Sie ist noch bewusstlos. Sie hat einen anständigen Schnitt an ihrem Kopf und einige Schwellungen. Das Fenster ist zerbrochen und hat sie beide ziemlich schlimm geschnitten.”

Abby umarmte ihn und er drückte sie fest. “Es ist okay, Dad. Ich wette, die beiden werden schnell so gut wie neu sein.”

Dad lächelte und wischte mit seinem Handrücken über die Augen. “Nun, dass sind gute Chancen, oder?” Er drückte die Tür zu einem leeren Raum auf. Kein Bett oder Tröpfe, nur ein Chaos, dass das Notaufnahme-Team hinterlassen hat und zwei Stühle. “Setz dich. Sie sollten bald zurück sein.”

“Weswegen dieser Blick?”, fragte ich Abby, als ich den grimmigen Gesichtsausdruck an ihr sah.

“Nichts”, fuhr sie mich an.

Ich stand hinter ihr, presste meine Daumen sanft in ihren Nacken und knetete ihre verspannten Muskeln in kleinen Kreisen. Sie atmete aus und entspannte sich.

“Baby”, sagte ich. “Sag’s mir.”

Sie blickte zu Dad, der bereits zu wissen schien, was sie mir sagen würde. “Trenton hat kein Mädchen seit Mackenzie fahren lassen. Das erste Mal, dass er … was sie getan hat war egoistisch. Und Thomas..”, sie unterbrach sich. “Ach, egal.”

“Yeah”, sagte ich und sah zu Dad. “Tommy fliegt her?”

Dad nickte nur.

“Was ist mit den Zwillingen?”

“Sie waren auf Abruf. Sie kommen nächste Woche.”

“Weil er okay sein wird”, sagte ich, laut denkend. Meine Augenbrauen zogen sich zusammen, während ich weiter Abbys Nacken bearbeitete. “Aber Tommy hat nicht gewartet? Das passt nicht zu ihm.”
Dad bot keine weiteren Infos.


Ein Mann mit rasiertem Kopf und babyblauer OP-Kleidung kam durch die Tür während er das Ende einer Trage zog. Eine Frau schob sie hinter ihm mit einer Hand und zog mit der anderen Trentons Rollstuhl. Die Augen meines Bruders strahlten für eine halbe Sekunde auf, als er Abby und mich sah, aber dann war es wieder wie ausgelöscht.

Ich übernahm den Rollstuhl von der Frau, deren langen blonden Locken sogar in dem abgedunkelten Raum leuchteten. Auf ihrem Namensschild stand Christy und darunter Röntgenassistentin.

“Danke für die Hilfe, Christy”, sagte der Mann.

“Kein Problem, Julian. Willst meine Hilfe mit der Telemetrie?”, frage sie. Er schüttelte mit dem Kopf. “Lass es mich wissen, wenn du noch etwas brauchst.”

Julian sah finster zu Trenton. “Nur wenn er wieder darauf besteht, dabei zu sein.”

Christy lachte leise, als sie zur Tür ging, ihre Augen funkelten, als sie sich umdrehte um zum Abschied zu winken. “Ich finde es süß.”

Trentons Kiefermuskeln tanzten unter seiner Haut, aber er richtete seine Augen geradeaus, ein dauerhaftes Runzeln in seinem Gesicht. Sein Arm lag in seinem Schoß, eine weiße Krankenhausdecke diente als provisorische Schiene. Ein großes Eispack lukte unter der dicken Baumwolle hervor.

Ich umfasste die Griffe seines Rollstuhls und schob ihn aus dem Weg, während Julian Camilles Bett positionierte und am Platz sicherte.

Abby kniete sich vor Trenton. “Hey”, sagte sie und begutachtete ihn. Das Weiße seiner Augen war rot und sein Gesicht, Nacken und Arme waren in einer Varietät von unterschiedlich tiefen Schnitten besprenkelt, welche das Glas verursacht hatte, als es im Jeep umherflog.

Ich setzte mich in den Stuhl und platzierte meine Ellbogen auf meinen Oberschenkel.

Trenton sah weg, Tränen in seinen Augen.

Julian drückte den letzten Knopf der Telemetrie-Kabel an ein selbsthaftendes Pflaster auf Camilles Brust, ehe er uns zunickte als er leise den Raum verließ.

“Trent”, fing ich an.
“Nicht jetzt”, er schluckte schwer.

“Ich weiß, was du denkst”, sagte ich kopfschüttelnd.

“Nein, weiß du nicht.”

Ich pausierte und überlegte, welche Worte mir an seiner Stelle helfen würden -- wenn Abby in diesem Bett wäre anstelle von Camille. Ich dachte daran, sie in dem Feuer zu suchen, an den puren Schmerz und die Angst, welche mit dem Gedanken sie zu verlieren kamen. Da war nichts. Nichts könnte mir in solch einer Situation helfen, außer Abby okay zu sehen. Ich scannte Camilles Gesicht, eine merkwürdige Kombination aus ruhig, blutig und blass. “Du hast Recht. Weiß ich nicht. Das ist verdammt nochmal Scheiße und es tut mir Leid.”

Trentons Augen kehrten zu meinen zurück. Seine Unterlippe zitterte. “Ich habe versucht für sie aufzuhören.”

Ich griff ihm sanft in den Nacken und lehnte meine Stirn an seine. “Wir wissen das. Sie weiß das.”

Eine Krankenschwester betrat den Raum. Tiefe, doppelte Grübchen grenzten an ihr weites Lächeln. Sie kaute ein Kaugummi, das die gleiche Farbe wie ihre helle OP-Kleidung hatte.

“Hallo zusammen”, flüsterte sie. “Ich bin Katie. Ich werde Trenton’s Arm richten. Ich habe gehört, dass er nicht in den Gipsraum gehen will, also wird Rosh gleich mit der Ausrüstung hier sein.”

Trenton war unbeeindruckt.

“Sollte nicht äääh…. der Arzt seinen Arm richten?”, fragte ich.
Katie heftete die Röntgenbilder an den Bildschirm und schaltete dessen Licht an.

Abbys ganzes Gesicht zog sich beim Anblick der Bilder zusammen und ich erschauderte innerlich.

Katie wendete sich uns zu, ihre straßenköterblonden Haare am wippen. “Ich bin Assistenzärztin… und ich bin alles, was ihr habt. Nach Trentons kürzlichem Ausbruch haben mich alle Ärzte als Opfer angeboten.”

“Pussies”, sagte Trenton verärgert.

Ein Mann in lindgrüner Krankenhauskleidung kam durch die Tür und schob die Ausrüstung rein, ein Tablett voller medizinischer Vorräte und eine Schale voll Wasser.

“Hi Rosh”, sagte Katie, quietschfidel obwohl sie flüsterte.

Rosh hielt eine Rolle lindgrünen Gipsmaterials. “Ich habe die beste Farbe die wir haben mitgebracht.”

“Danke”, sagte Katie. Sie senkte das Kinn. “Ich warte nur noch auf das Zusatzbett und den Anästhesisten.”
Trenton schüttelte den Kopf. “Nein. Ich muss hier sein wenn sie aufwacht.”

Katie zögerte, sah dann kurz zu jeder Person im Raum. “Sie hat Familie hier. Und du wirst hier sein, nur nicht hier hier.”

Trenton richtete sich auf. “Ich kann es schaffen.”

Empathie legte sich in Katies Ausdruck. “Wenn du schreist--”

“Ich werde nicht einen verdammten Ton von mir geben”, sagte Trenton und sah ihr in die Augen. “Ich verspreche es.”

Katie beobachtete ihn für einen Moment und nickte dann. “Das glaube ich. Okay, Rosh, an die Arbeit.” Sie wusch ihre Hände, trocknete sie und zog dann ein paar blauer Handschuhe an, während Rosh einen Stuhl vor Trenton stellte und seinen Rollstuhl überprüfte, ob die Bremsen gesichert waren.

Trenton bereitete sich vor, während Katie die provisorische Decken-Schiene und das Eispack entfernte. Sie tastete seinen Arm ab und nickte Rosh zu.

Abby hielt die Luft an und Dad ging ein paar Schritte weg.

“Hier, Dad. Setz dich”, sagte ich.

Er schüttelte den Kopf und winkte mich weg.

Katie sah unter ihren Augenbrauen zu Trenton auf. “Bist du soweit? Wir fangen erstmal mit deinem Handgelenk an.” Er nickte und Katie drückte und zog um seine Hand und sein Handgelenk zu manipulieren.

Trentons Gesicht lief rot an und seine Kiefer waren angespannt. Ich griff seine linke Hand und er vergrub seine Finger in meiner Haut.

“Halt nicht die Luft an”, sagte Katie sanft. “Ich will nicht dass du mir hier bewusstlos wirst. Wir sind fast fertig.” Trenton atmete durch seine Nase. “So ist es richtig. Konzentrier dich auf deine Atmung. Du machst das super.”

Sie drückte und bewegte seine Hand und ich saß bei meinem Bruder und betete zu Gott, dass er nicht ohnmächtig würde. Aber Trenton widerstand dem Schmerz, darauf fokussiert wach und aufmerksam für Camille zu bleiben. Gerade als ich dachte, er könnte nicht eine weitere Sekunde auf sich nehmen, wurde sein Arm gerade und Katie signalisierte Rosh etwas.

“Okay, das Schlimmste ist vorbei”, sagte sie. Sie platzierte das Material, während sie seinen Arm am Platz hielt und dann machte Rosh etwas anderes feucht und begann es um Trentons Arm zu wickelt.

“Wunderschön”, sagte Rosh grinsend, als er das lindgrüne Tape um den Gips wickelte.

“Sobald dieses Ungetüm trocken ist, darf ich als erster unterschreiben”, sagte ich. “Ich weiß schon, was ich drauf schreiben will.”

“Es ist kein Ungetüm”, sagte Katie. “Das ist ein wunderschöner Gips.”

*****

Abbys Magen knurrte und sie sah entschuldigend zu mir auf. “Irgendwer für eine Nacht voll Fast Food zu haben?” Wir alle hoben unsere Hände, sogar Trenton. Sie ging um uns Abendessen zu besorgen, kam innerhalb von zwanzig Minuten zurück. Nach einer weiteren Stunde und ein paar weiteren Tests informierte uns das Krankenhauspersonal darüber, dass sie Camille ein Stockwerk weiter hoch bringen würden.

“Warum wird sie nicht wach?”, fragte Trenton.

Die Ärztin atmete tief ein und schüttelte ihren Kopf. “Das Gehirn ist kompliziert. Die Schwellung geht zurück und ihre Gehirnfunktionen sind gut, also sind das die guten Neuigkeiten. Ich denke, dass sie bald aufwachen wird. Wir haben sie im Raum vier-vierzehn. Es ist ein Eckzimmer. Sehr nett.”

Ich klopfte Trenton sanft auf die gute Schulter als Aufmunterung und dann warteten wir, während sie Camilles Monitore und den Tropf zusammen packten und dann ihr Bett entsicherten um es für die Fahrt nach oben vorzubereiten.

Wir folgten den Krankenschwestern, winkten Katie und Rosh in der Station der Notaufnahme als wir an ihnen vorbei gingen. Als wir am Aufzug ankamen, sah jeder sofort ein Problem. Camilles Trage und Trentons Rollstuhl würden nicht in den selben Aufzug passen.

“Wir sehen euch dann oben”, sagte die Krankenschwester, deren rotblondes Haar ihre Schultern streifte.

Trenton nutzte seine gute Hand und stemmte sich hoch. Ich beeilte mich um die Bremsen seines Rollstuhls zu sichern und die Augen der Krankenschwester weiteten sich.

“Bitte nicht”, sagte sie.

Trenton humpelte in den Aufzug, stützte sich selbst am Rand des Betts ab. Er nickte mir zu. “Ich seh dich oben.”

Die Aufzugtüren schlossen sich und ich wartete drei Sekunden bevor ich erneut auf den Knopf drückte.

Abby schnaubte.

“Bist du noch sauer?”, fragte ich.

“Ja. Es tut mir Leid, aber ja. Ich kann nichts daran ändern, aber ich denke sie verdient die ganze Aufregung, die er wegen ihr schiebt, nicht”, sagte sie.

Der andere Aufzug öffnete sich und präsentierte eine leere Kammer. Ich führte Dad rein und Abby folgte uns. Es schien ihr unangenehm zu sein so schlecht über Camille zu reden, wenn Dad dabei war.

“Ich versteh dich”, sagte Dad. “Es ist ein emotionaler Tag. Manchmal müssen wir jemandem die Schuld geben um den Sinn des Ganzen zu finden.”

“Ich…”, Abby dachte daran mit ihm zu diskutieren, überlegte es sich jedoch anders. Dad hatte immer recht.

Als der Aufzug seine Türen öffnete, verließen wir die Kabine und sahen Thomas in der Krankenschwesternstation des vierten Stocks.

“Tommy!”, sagte ich.

Er drehte sich um und kam mit geöffneten Armen auf mich zu. “Habt ihr schon etwas gehört?”

Ich fuhr mit meinen Händen in meine Taschen und zuckte mit den Schultern. “Trentons Arm ist an zwei Stellen gebrochen. Hat sie über eine Meile zum nächsten Haus getragen.”

Thomas schüttelte seinen Kopf. “Das ist das, was die Schwestern gesagt haben. Heilige Scheiße. Er ist erst eine Nacht hier und schon eine Legende.”

Abby zuckte mit den Schultern, ein unschuldiges Lächeln auf ihrem Gesicht. “Es ist so toll, dass du gekommen bist.”

Thomas umarmte seinen Vater und nickte dann, seine Gedanken schienen nur so zu kreisen. Er sah uns alle an. “Können wir zu ihnen gehen?”

“Ja”, sagte Dad. “Sie haben sie ans Ende des Flurs gebracht … vier-vierzehn.”

Thomas beeilte sich, um in den Raum zu kommen und Abby warf mir einen Blick zu, kurz bevor Thomas durch die Türen verschwand. Als er Camille sah, erstarrte er und verdeckte seinen Mund. Seine Hand verließ seine Lippen und strich über sein kurzes dunkelblondes Haar. “Du… alles ok, kleiner Bruder?”, fragte er, seine Augen verließen Camille jedoch nie.

“Ich werde es schon überleben”, sagte Trenton.

Abby schloss die Tür hinter der Krankenschwester, als diese ging, und beobachtete wie Thomas sich Camilles Bett näherte. Er fasste ihr liebevoll an die Finger, Trenton beobachtete ihn auch, Verwirrung verdunkelte sein Gesicht.

“Was zur Hölle machst du da, Tommy?”, fragte Trenton.

“Ich hätte früher kommen sollen”, sagte er und verzog sein Gesicht. “Es tut mir Leid, Trent.”

Trenton zog die Nase kraus. “Wovon redest du da?”

“Ich … bin nicht her geflogen. Ich hab in meinem Auto gesessen und genau so lange gewartet um euch glauben zu lassen, dass ich geflogen bin. Es war eine verdammte Qual und ich bin es so leid, dass… Es tut mir Leid”, sagte Thomas erneut, richtete es dieses Mal jedoch an Camille.

“Tommy”, sagte ich. “Alles in Ordnung mit dir, Alter?”

Thomas drehte sich zu uns um, zögerte kurz ehe er zu Dad sah. “Ich war in der Stadt. Ich bin wegen des Feuers gekommen, aber dann bin ich geblieben…”

“Wegen des Feuers?”, fragte Abby und hob ihr Kinn. Sie studierte Thomas auf die selbe Art, wie sie die Karten in ihrer Hand beim Poker betrachtete. Ihr Gesichtsausdruck wurde weicher, als ob sie durch eine befreiende Wahrheit entlastet wurde. “Thomas James”, flüsterte sie.

Ich runzelte die Stirn, verwirrt, dass ich nicht folgen konnte. Aber Trenton konnte es. Er wurde blass. “Nein.”

“Trenton”, fing Thomas an.

“Nein!”, sagte Trenton, lauter als wir seit Stunden gesprochen hatten. Seine Atmung wurde schwerfällig und dann kämpfte er um jeden Atemzug. Er sah unseren ältesten Bruder an, verletzt und enttäuscht. “Tommy! Sag mir, dass ich falsch liege!”

Abby lehnte sich zu mir um in mein Ohr zu flüstern. “Der Typ aus Kalifornien, den Cami gedatet hat … T.J.”

Die Falten zwischen meinen Brauen wurden weich, als die Erkenntnis einschlug. “Oh, Fuck!”

Thomas stand in der Mitte des Raums, schuldig, beschämt und einsamer als ich ihn je gesehen hatte. Ich ging zu ihm, blieb dann stehen und sah zu Trenton. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Wir hatten so etwas zuvor noch nie erlebt.

“Es ist okay”, sagte Trenton endlich. “Es ist okay, Tommy. Ich verstehe es.”

Thomas wurde von Trentons Vergebung überwältigt und war kaum in der Lage seine nächsten Worte zu sprechen. “Aber du hast sie zuerst geliebt.”

“Und sie war deine erste Liebe”, sagte Trenton. Er schmunzelte, eine seltsame Hilfe um sein Unwohlsein zu lockern. “Sie hat versucht mich zu warnen. Ich wollte nicht zuhören.”

“Weil ich sie dazu gebracht habe dich zu belügen. Versuch keine Ausreden für mich zu finden, Trent.”

Trenton hob seinen guten Arm und ließ ihn auf die Lehne des Rollstuhls zurück fallen. “Was willst du was ich sage, Tommy? Willst du, dass ich dich hasse? Dich anschreie? Dich schlage? Du bist mein Bruder. Ich liebe dich, ganz egal was. Sie liebt dich auch.”

Thomas schüttelte langsam seinen Kopf. “Nicht so, wie sie dich liebt.”

Ein kleines, anerkennendes Lächeln berührte Trentons Lippen und er sah Camille an. “Ich weiß.”

“Wir sind, uh…”, sagte Abby auf mich wartend. Ich nickte und sie fuhr fort. “Es ist spät”, sagte Abby und hakte sich bei mir unter. “Wir gehen mal nach Hause. Wir kommen morgen früh zurück. Braucht ihr noch was von uns, bevor wir gehen?”

Trenton schüttelte seinen Kopf, ebenso wie Dad.

“Brauchst du eine Fahrt nach Hause, Dad?”, fragte ich. Er schüttelte seinen Kopf.

Ich umarmte Thomas, Dad, und legte meinen Arm vorsichtig um Trenton, winkte zum Abschied und führte meine Frau dann an der Hand zum Fahrstuhl. Wir redeten nicht bis wir am Auto waren. Ich öffnete ihre Tür, joggte ums Auto zu meiner und rutschte hinters Steuer. Meine Finger umschlossen das Lenkrad und ich atmete schwer aus.

“Whoa”, sagte Abby. Sie berührte meine Schulter. “Bist du okay?”

“Das war intensiv”, sagte ich. Ich parkte aus und fuhr in Richtung unserer Wohnung. Die Uhr im Armaturenbrett las 3:47Uhr morgens. Unsere Scheinwerfer waren eines der einzigen Lichtpaare, die die Straßen von Eakins erleuchteten. Als ich auf den Parkplatz vor unserer Wohnung bog, vibrierteAbbys Handy.

Sie sah nach und packte es weg, verlagerte ihr Gewicht im Sitz.

“War das Dad?”, fragte ich. “Ist noch alles in Ordnung?”

Sie schluckte, starrte aus der Frontscheibe auf die Treppen, die zu unserer Wohnung führten. “Wäre Trenton nicht so versönlich, hätte das, was wir gerade gesehen haben, sehr anders ausgehen können.”

“Stimmt”, sagte ich nickend.

Sie verschrenkte ihre Finger mit meinen. “Baby, ich muss dir was sagen.”

“Bitte sag mir nicht, dass du in Tommy verliebt bist.”

Sie kicherte, aber in ihren Augen spiegelten sich noch andereSorgen. “Trav … Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr, dass ich dumme Dinge mache. Das war … das war Parker.”

“Parker?” Ich brodelte und fühlte mein Temperament hochkochen.

“Ja, aber”, sie schloss ihre Augen. “Es war für dich. Ich mache mir Sorgen um dich.”

“Was hat das mit Parker zu tun?”

“Nur … Lass mich ausreden”, sagte sie. Ich biss meine Zähne zusammen und nickte. Sie fuhr fort. “Erinnerst du dich an die Typen vom Red? Die du und Shep zusammen geschlagen habt? Sie waren von der Unizeitung. Sie stellen Fragen über dich, Travis. Die Leute die zum Circle gehen, die werden nicht mit der Polizei reden. Aber ich mache mir Sorgen, dass sie …. Was ist, wenn diese möchte-gern Journalisten jemanden dazu bringen zu gestehen, dass du da warst?”

Ich wartete eine volle Minute um mich zu beruhigen, bevor ich sprach. “Du”, begann ich und spürte, wie mein Herz aus meiner Brust springen wollte. “Du kommst zu mir wegen unserem Scheiß, Abby.” Ich verzog mein Gesicht. “Du gehst nicht zu Parker fucking Hayes. Er ist die letzte Person die du… “ Ich seufzte, spürte mein Auge zucken. Es war eine lange Nacht und nachdem ich mit meinem idiotischen zukünftigen Boss umgehen musste und dann Trentons Unfall, war das Letzte, was ich von meiner Frau hören wollte, dass sie mit Parker sprach.

Ihre Augen füllten sich mit Tränen. “Ich weiß. Du hast Recht. Ich weiß nicht was zur Hölle ich gedacht habe. Ich war verzweifelt und er war da und… er hat zugestimmt mir zu helfen, wenn ich mit ihm Kaffee trinken gehe.”

Ich schloss meine Augen. “Abby. Sag mir, dass du das nicht getan hast.”

Tränen strömten über ihr Gesicht. Jeder Muskel in meinem Körper spannte sich an, als ich auf ihre Antwort wartete. Sie schüttelte ihren Kopf.

“Ich habe ja gesagt”, sagte sie. “Ich sagte ihm, ich würde gehen, aber ich bin nicht hin. Ich konnte nicht.”

Mein Nacken gab nach und mein Kopf fiel nach hinten. “Gott sei Dank!”

“Es tut mir Leid”, weinte sie.

Ich blinzelte ein paar Mal, als ich realisierte, dass es das erste Mal war, dass sie Scheiße gebaut hatte. Sie war diejenige, die jetzt mal Ärger hatte. Ich setzte mich auf und runzelte die Stirn, gab mein Bestes um streng auszusehen. “Das passiert besser nicht nochmal, Täubchen. Ernsthaft.”

Sie schüttelte den Kopf. “Wird es nicht.”

“Ich kann nicht glauben, dass du das getan hast”, sagte ich, meine Stimme triefte vor Enttäuschung. Ihre Unterlippe zitterte und sie brach in Tränen aus. Ich hielt es nicht mehr aus. “Baby, es ist in Ordnung. Ich bin nicht so sauer. Täubchen.”

Ihr ganzer Körper zitterte als sie schluchzte. “Ich weiß, dass du enttäuscht bist. Ich bin von mir selbst enttäuscht.”

Ich umfasste ihre Wangen mit meinen Händen und zwang sie, mich anzusehen. “Weißt du es denn nicht?”

Sie schniefte den Kopf schüttelnd.

“Da ist nichts, was du je tun könntest, dass mich weniger von dir denken lassen würde, besonders wenn du aus Verzweiflung handelst, weil du dir Sorgen um mich machst. Du glaubst ich weiß nicht, was auf der Kippe steht, wenn die Beamten die Wahrheit rausfinden? Wir sind noch nicht im Freien. Wie kann ich dich dir böse sein, wenn du tust was auch immer es kostet, um mich zuhause zu behalten?”

Sie drehte sich und küsste meine Hand. “Ich war so dumm, Travis.”

“Du bist vieles, Täubchen, aber niemals dumm.” Ich lehnte mich zu ihr um meine Lippen auf ihre zu drücken und sie zog mich dichter an sich. Ich konnte ihre warmen Tränen auf meinen Wangen spüren, ihre sanfte Zunge die meine liebkoste. Das erste Mal erkannte ich, dass Parker eine sinnlose Quelle für Streit war. Er war nicht mehr eine Bedrohung als ihr Ex, Jesse. Sie fühlte das selbe für mich, was ich für sie fühlte und diese Art von verrückter Liebe führte zu unvernünftigem Verhalten auf dem Höhepunkt.

Ich würde ignorieren, dass Parker versucht hatte, sie auszunutzen … für jetzt.

Abby lehnte sich zu meinem Sitz und krabbelte über die Konsole. Sie lehnte sich zurück, zog mich mit ihr und ließ erst ihr Gewicht und dann meines uns helfen auf den Rücksitz zu fallen. Sie zog mein Shirt über meinen Kopf und tat dann das selbe mit ihrem.

“Hier?”, fragte ich. Ich hatte keinen Sex auf dem Rücksitz seit ich in der Highschool war.

“Hier”, sagte sie. “Jetzt.”


Season Two

Episode Twelve: Second Chances

Zweite Chance

::Abby::

 

Ich kaute an einem Nietnagel, der an meinem Daumen hing, die Haut schon ganz rot und wund.

Schweißtropfen formten sich an meiner Braue. Mein Rücken fing an sich zu beschweren vom Stehen auf unnachgiebigem Boden in Sandalen, also verlagerte ich mein Gewicht von einem aufs andere Bein.

 

 Hätten die anderen Studenten um mich herum nicht genauso unter der nervösen Energie gelitten, ich hätte wahrscheinlich verrückt ausgesehen. Wir unterstützten uns schweigend, auch wenn wir das ganze Semester gegeneinander gekämpft hatten. Wir starrten die leere Pinnwand außerhalb von Mr. Mott´s Büro an. Wir saßen alle im gleichen Boot. 

 

Die beiden besten Ergebnisse würden automatisch Mr Mott’s Lehrer Assistenten für das Herbstsemester werden. Und für einen aufstrebenden Mathematikprofessor, diese Position zu ergattern würde wahnsinnig gut in meiner Bewerbung aussehen, wie es auch für die anderen 50 mit mir umherstehenden Studenten würde.

 

Wir waren nur noch Minuten von den Sommerferien entfernt. Mr Mott's Abschlussprüfung in Statistik war eine der letzten am Eastern State Campus, da wir offensichtlich die letzten paar verbliebenen Studenten hier waren. Wir hätten darauf warten können bis die Ergebnisse online gestellt werden, aber Mr Mott war altmodisch und er bevorzugte es, die Ergebnisse zuerst auf Papier zu veröffentlichen, bevor er sie ins System stellte. Also warteten die, die es interessierte.

 

Ich vermisste die Tage an denen Travis mit mir wartete, aber er musste arbeiten. Er verdiente gut an den fünfzig- und sechzigjährigen Frauen aus Eakins -nicht so viel wie bei den Kämpfen im Circle-, aber als personal Trainer bei Iron E Gym bezahlte er dennoch die Miete und die meisten Rechnungen.

Er verdiente definitiv mehr als ich mit Nachhilfeunterricht und das würde während des Sommers noch weniger werden. Ich versuchte mich nicht schuldig zu fühlen. Travis zog es vor die Rechnungen zu zahlen und hatte so ziemlich den besten Job.

 

Travis trieb Sport während die Damen mit denen er arbeitete so taten als würden sie ihn nicht beobachten. Einfach gesagt wurde Travis dafür bezahlt, was er sowieso jeden Tag tun würde. Er wurde massiger und seine bereits beeindruckenden Muskeln wurden definierter - was dazu führte dass sich noch mehr Kunden wegen ihm anmeldeten. Aus diesem Grund verdiente er als Trainer bei Iron E das Meiste.  Ich vermied es, mir um den Tag Sorgen zu machen, an dem Travis mit Frauen unseres Alters einen Vertrag abschloss. Es würde wahrscheinlich passieren, aber ich vertraute ihm.

 

Mr Mott's Tür öffnete sich und Trina, seine derzeitige Lehrer Assistentin, schlüpfte hindurch. Sie hielt das Papier mit den Ergebnissen falsch rum in der Hand. Ich weiß es. Ich habs geprüft. Trina streckte ihren Hals,  damit ihre kleine, piepsige Stimme weiter reichte. “Bitte schreiben sie eine Email mit jeglichen Fragen zu den Ergebnissen an Mr. Mott. Heute wird er keine Fragen annehmen und beantworten.”

 

Daraufhin hängte Trina das Papier mit einer roten Pinnadel an den Kork um es zu sichern und drehte sich auf dem Absatzt um und wühlte sich durch den schnell dichter werdenen Andrang.

Ich wurde wie eine Flipperkugel vor und zurück gedrängt, es erinnerte mich an den ersten Circle Kampf an dem ich teilgenommen hatte. Travis hatte Leute von mir zurück gestoßen. Er hat mich schon immer beschütz, seit Tag Eins.

 

“Hey! Geht zurück! Geht verdammt nochmal zurück!” sagte Travis hinter mir. Er schlang einen Arm um meine Mitte, nutzte seine andere Hand und den Arm um die Männer zurück zu stoßen und es den Frauen zu verstehen zu geben.

 

Mein Magen füllte sich mit flatternden schwingen hunderter chmetterlinge nur bei seinem Anblick, aber eine Wiederholung der Nacht in der wir uns trafen -eine Nacht an die ich mich gerade erinnert hatte- war genug um ihn in den nächsten Raum ziehen und die Kleider vom Leib reißen zu wollen.

“Du bist hier!” sagte ich, während ich meine Arme um ihn legte und meine Wange an seine Brust presste.

 

Er hielt mich mit einem Arm fest, mit dem anderen stoß er die Leute von mir weg. “Martha sagte mir ich sollte früher Schluss machen. Ich hab ihr erzählt, wie nervös du wegen der Ergebnisse warst. Vielleicht habe ich auch erwähnt, wie scheisse ich mich fühle, weil ich nicht für dich da sein kann.”

 

Laute der Freude und Enttäuschung holten mich ins Hier zurück und ich drehte mich, suchend nach meiner Studenten ID, um. Ich fing von unten an, meine Augen wanderten nach oben bis ich ganz oben anlangte. “Heilige Scheisse,” sagte ich. Ich drehte mich zu meinem Mann. “Ich stehe ganz oben.”

“Das bin ich,” sagte ich ungläubig. “Ich habs geschafft.”

Travis’ Lächeln brach über sein ganzes Gesicht aus. “Du hast es geschafft?”

Ich klatschte meine Hände zusammen und hielt meine Finger an meine Lippen. “Ich hab’s geschafft!”

Travis warf seine Arme um mich, hob mich hoch und wirbelte mich herum. “Das ist mein Mädchen! Woo!” schrie er. Mr Mott steckte seinen Kopf, auf der Suche nach der Ursache für den Lärm, aus seiner Tür heraus. Ich tippte Travis auf die Schulter und er ließ mich auf den gefliesten Boden herab.

 Mr Mott hatte für unserer Feier ein kleines Lächeln übrig, ich nickte und verschwand wieder hinter seiner Tür. Travis’ Lippen bewegten sich: Du bist knallhart!

Ich ergriff seine Hand und zog ihn den Flur hinunter. Travis keuchte und schrie weiter, als wir durch die Glastüren des Nagle Gebäude für Mathematik und Naturwissenschaften stürzten. “Meine Frau ist ein verdammtes Genie!” Er zog mich zur Seite und drückte mir einen schnellen Kuss auf die Wange.

 

“Danke, dass du gekommen bist, Trav. Das hättest du nicht gemusst, aber ich bin froh, dass du es gemacht hast.”

Er strahlte. “Ich auch. Wir sollten feiern. Abendessen?”

Ich zögerte. “Vielleicht sollten wir kochen?”

Sein Mund zog sich zu halb Lächeln, halb Klugscheisser zur Seite. Er griff in seine Tasche und zog ein kleines Bündel Hundert Dollar Noten heraus.

Mein Mund fiel auf. “Was zur Hölle ist das?”

“Mrs Throckmorton sagte herzlichen Glückwunsch zum Abschlussjahr an der Uni.”

“Sie hat dir einfach….” ich schaute nach unten. “Fünfhundert Dollar?”

“Yep,” er rollte die Noten zusammen und steckte sie wieder in seine Tasche zurück.

“Also wohin bringe ich dich heute Abend?”

“Wir sollten das vielleicht lieber sparen für…”

 

“Babe. Lass mich ein Mann sein und meine Frau zum Feiern ausführen, bitte?”

Ich presste meine Lippen, im Versuch nicht zu Lächeln, zusammen.

“Irgendwohin, wo ich ein Kleid tragen kann und nicht dumm aussehe.”

Die anderen Studenten aus den Doppeltüren und auf die Stufen zu kommend, teilten sich auf sobald sie Travis und mich erreichten. Er dachte nur für ein paar Sekunden nach, in denen sich seine Augenbrauen zusammenzogen. Es gab da nur ein nettes Restaurant in der Stadt: Biasetti’s. Sofort wusch Reue über mich hinweg.

 

Travis zog ein Gesicht. “Ist das nicht das Restaurant von Parkers Eltern?”

Travis war noch immer empfindlich, weil ich beinahe mit Parker Kaffeetrinken gegangen wäre, nur um die Uni Journalisten von der Feuer Geschichte weg zu bekommen. Ich hätte es besser wissen sollen, als so einen bescheuerten Fehler zu machen.

 

“Du hast recht. Ich hab nicht nachgedacht. Wir müssen da nicht hin.”

Er starrte mich einen Moment an und ich konnte fast die sich drehenden Räder hinter seinen Augen sehen. Seine Schultern entspannten sich und er lächelte. “Es ist der netteste Ort in der Stadt, und ich würde sterbe um dich in einem Kleid zu sehen. Es ist Zeit dort unsere eigenen Erinnerungen zu machen, denkst du nicht?”

 

“Es ist okay, Trav. Wir können nach Chicago fahren und dort die Nacht verbringen. Wir gehen irgendwohin wo es so teuer ist, dass wir nicht mal das Essen aussprechen können.”

“Täubchen, das ist über ‘ne Stunde weg.” Er richtete seine Augen auf mich und lächelte. “Du möchtest ein Kleid tragen und teure Pasta essen? Dann wirst du ein Kleid tragen und teure Pasta essen. Mrs Maddox bekommt was immer sie möchte.”

Er hob mich hoch und warf mich über seine Schulter. Ich schriekte, aber er ignorierte mich, stapfte die Stufen hinunter in Richtung des Parkplatzes. “Und warum?”

Ich quietschte. “Lass mich runter!”

“Sag es!” sagte er und schlüpfte spielerisch meine Rückseite.

Ich quietschte wieder, lachte so sehr, dass ich kaum sprechen konnte.

“Weil du der beste Ehemann aller Zeiten bist.”

“Lauter!” Sagte er, sich drehend.

Ich schrie. “Du bist der beste Ehemann aller Zeiten!”

 

Er blieb plötzlich stehen und ließ mich runter auf meine Füße. Ich kicherte, außer Atem von dem Kampf. Er beobachtete mich eine Weile, dann schniefte er, griff meine Hand und führte mich zum Wagen. “Verdammt richtig, das bin ich.”

Mein Gurt klickte und Travis reichte rüber, um kurz daran zu rütteln -kleine Gewohnheit, die er sich seit Trenton’s Unfall angeeignet hat. Wir führen in Richtung Trenton’s und Cami’s -ein anderer Teil unserer täglichen Routine. Travis fuhr unseren Camry zum äußersten Stadtrand, parkte beim letzten Gebäude der Highland Ridge Wohnungen; eine Gegend hauptsächlich gefüllt mit jungen Professionellen und Frischverheirateten anstatt mit rüpelhaften College Kids.

 

Ich folgte Travis die Treppen nach oben, der direkt anklopfte und rein ging. Ich blieb stehen und fragte mich warum nie einer der Maddoxes abwarten konnte bis jemand die Tür öffnete. Travis begründete es so, dass die Tür abgeschlossen wäre, wenn keiner seiner Brüder wollte, dass er rein kommt.

 

Trenton lag auf der Couch. Sein eingegipster Arm lag auf mit einem Kissen auf seinem Schoß, in der anderen Hand hielt er die Fernbedienung.

 

“Was zur Hölle guckst du dir da an?”, fragte Travis Naserümpfend.

 

“Dr. Phil”, sagte Trenton. “Diese Serie ist so abgefuckt. Die Leute sind absolut verrückt und dieser Typ beutet die Leute nur aus und die denken alle die Therapie ist umsonst.”

 

Travis und ich tauschten einen Blick aus und setzten uns auf die Couch.

 

“Cami ist auf der Arbeit?”, fragte Travis.

“Yep”, antwortete Trenton. “Ich bin so froh, dass ihr vorbeigekommen seid. Ich treibe sie in den Wahnsinn, weil ich sie zwanzig Mal am Tag anrufe. Da ich nicht arbeiten kann versuche ich hier alles sauber zu machen und die Wäsche zu waschen, bis sie wieder zu Hause ist. Ich gucke Days of our Lives und Dr. Phil. Diese Sami Brady ist heiß. Ich würde sie flach legen.”

 

“Nein, würdest du nicht”, widersprach Travis und nahm ihm die Fernbedienung aus der Hand und schmiss sie auf die Couch. Sie hüpfte zwar etwas auf und ab, fiel aber nicht runter.

 

“Hey!”, sagte Trenton mit einem finsteren Blick.

 

“Du solltest zu mir ins Iron E kommen und mit mir ein bisschen Sport zwischen meinen Klienten machen”, schlug Travis vor.

 

“Ja. Wie läuft es da eigentlich für dich?”

“Brandon Kyle ist ein Idiot”, murmelte Travis.

 

Trenton guckte mich an. “Ist er das wirklich?”

“Ich weiß es nicht. Travis denkt es ist keine gute Idee seinen Boss kennenzulernen.”

“Oh. Er kann einfach nicht seine Klappen halten, was?”, stichelte Trenton.

 

“Scheinbar hält der Dummkopf gar nichts davon zu leben”, schoss Travis zurück. guckte auf den Boden und wechselte schnell das Thema.

“Wie geht es Cami?”

 

“Gut”, antwortete Trenton. “Ihr geht es gut. Sie entschuldigt sich alle zehn Minuten weil sie immer noch ein schlechtes Gewissen hat.”

“Das sollte sie auch”, murmelte ich lauter als es meine Absicht war.

 

“Wir wurden von einem betrunkenen Fahrer angefahren, Abby”, verteidigte Trenton sie. “Ich gebe zu, sie war sauer, als sie gefahren ist, aber das hätte an der Tatsache nichts geändert. Wir hatten Vorfahrt. Aber ich weiß, dass du das nur sagst weil du mich liebst.”

 

“Nicht wirklich”, neckte ich ihn.

“Autsch. Hey!”, lächelte Trenton.

 

Travis grinste. “Du hast Cami zwei Meilen mit einem gebrochenen Arm getragen und jetzt kommst du nicht drauf klar, wenn Täubchen dir einen dummen Spruch rein drückt? Was für eine Pussy.”

Trenton ignorierte Travis Spitze und guckte mich an. “Sie mag dich wirklich sehr gerne, Abby. Sie möchte, dass du sie auch magst.”

“Das tue ich!”, lügte ich. Die Wahrheit war, mir war Camille egal und eigentlich war das auch schon immer so. Auch als sie noch Travis´ Lieblings Kellnerin im Red war. Ich konnte nie genau sagen, was ich an ihr nicht mochte aber irgendetwas an ihrer Art störte mich. Selbst wenn sie nicht am Steuer des Wagens gesessen hätte in dem mein Schwager verletzt wurde, sie hatte etwas mit Thomas und Trenton zur gleichen Zeit und das war für mich die Spitze des Eisberges.

 

“Sie hat wirklich schon viel mitmachen müssen. Du solltest das verstehen. Geb ihr doch einfach eine Chance”, sagte Trenton.

 

Travis langte über meinen Schoß und tätschelte meinen Oberschenkel. Seine Hand schlug gegen meine Haut und jedes mal streichelte er die gleiche Stelle weil er dachte es war zu hart.

Er war ein großer Kerl und die tägliche Arbeit im Fitnessstudio sorgte dafür, dass er noch größer wurde. Er verhielt sichjedes mal so wenn er mich berührte, weil er Angst hatte, dass er mir weh tut. Ich musste kichern.

 

“Was?”, fragte Travis.

“Ich werde nicht zerbrechen. Ganz egal wie groß deine Muskeln werden.”

“Ich wollte gerade das gleiche sagen! Mensch Junge!” Trenton nahm eine Handvoll von Travis´Bizeps und drückte zu.

“Du wirst ganz schön fett!”

 

“Fett”, wiederholte Travis. “Das sind alles Muskeln, du Gemüse Fresser. Bist du etwa neidisch?”, fragte er und spannte seine Muskeln an.

Sein Oberarm wurde so groß und dick, dass Trenton ganz sicher nicht mithalten konnte. In dem Moment wurde mir klar, wie viele Muskeln er in den paar Wochen wirklich bekommen hatte.

 

“Pussy”, murmelte Trenton und lehnte sich wieder zurück.

“In diesem Sinne”, sagte ich, stand auf und richtete meine Shorts. “Wir sollten gehen. Brauchst du noch etwas, Trent? Bringt Cami dir etwas zu essen mit, oder….?”

 

“Ich habe etwas zu essen”, erwiderte er und winkte uns weg. “Sie hat mir ein paar Tiefkühlgerichte aufgetaut und sie in den Kühlschrank gestellt.”

Er sah so stolz aus und versuchte verzweifelt etwas Anerkennung von mir zu bekommen also gab ich ihm ein kleines Lächeln.

“Das ist sehr süß von ihr. Es ist schön, dass sie sich um dich kümmert.”  Ich beugte mich zu ihm und küsste ihn auf die Stirn und folgte anschließend Travis aus der Tür und die Treppen runter.

 

Als wir im Auto waren und Travis die Schlüssel in die Zündung steckte und drehte bis der Motor ansprang, seine Finger auf dem Lenkrad trommelten, lehnte er sich zurück und seufzte.

“Du vermisst es überall mit deinem Motorrad hinzufahren, oder? Wir können es ruhig nehmen. Ich vermisse es auch.”

 

Er verzog das Gesicht. “Ich wünsche mir einfach du könnteste diese ganze Unfall Sache und das Ding mit Thomas vergessen um neu mit Cami anfangen zu können.”

 

Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war es nicht gewohnt die Dinge falsch zu sehen und ich war es auch nicht gewohnt, dass Travis meinem Instinkt nicht traute aber er hatte recht.

Camille gehörte zur Familie. Das machte es noch schlimmer.

“Du hast sie schon immer gemocht”, sagte ich und beobachtete den kleinen Yorkshire von einem jungen Pärchen dabei, wie er sein Geschäft vor Trenton´s Treppe verübte.

“Ich kann es einfach nicht.”

 

“Sie wird eines Tages deine Schwägerin sein. Du musst, was auch immer du gegen sie hast, es aus der Welt schaffen. Trenton liebt sie. Rede mit ihr.”

 

“Ich möchte aber nicht. Ich gehe eh davon aus, dass sie nicht mehr lange hier sein wird.”

 

“Wirklich? Warum sagst du sowas?”, fragte Travis.

“Ich denke, dass sie entweder nach Californien zieht oder einen Neuen findet. Sie ist der Typ für sowas.”

 

Travis schüttelte den Kopf. “Sag sowas nicht, Baby. Das würde Trenton´s Herz brechen. Und Thommy würde sie nicht zurück nehmen, dafür liebt er Trenton zu sehr.”

 

“Nicht genug um sich schon beim ersten Mal von ihr fern zu halten. Damit wir uns nicht falsch verstehen, auf ihn bin ich auch sauer.”

“Das ganze geht uns nichts an, Täubchen.”

 

Ich starrte ihn entsetzt an. “Ernsthaft? Du steckst schon soweit in Trenton´s Arsch drin, dass du seinen Bauchnabel sehen kannst. Du mischst dich überall ein aber ich soll mich hier jetzt raushalten?” Ich berührte meine Brust.

 

Travis musste lachen und beugte sich zu mir. Ich drehte mich weg, was dafür sorgte, dass er noch mehr lachen musste.

 

“Was ist so lustig?”, zischte ich.

 

“Du bist einfach nur verdammt heiß, wenn du sauer bist. Es ist lächerlich wie sehr ich dich anfassen will, wenn du einen roten Kopf hast und dich aufregst.”

 

“Mein Kopf ist nicht rot”, schmollte ich.

“Oh mein Gott, komm schon her”, sagte er und griff nach mir. Er versuchte mich zu küssen aber ich drehte mich weg. So sehr ich mich auch wehrte, er war einfach stärker und das war irgendwie erotisch.

 

“Nein!”, protestierte ich, kämpfte aber nicht mehr zu hart gegen ihn als er seine weichen, warmen Lippen auf meine drückte. Es waren Momente wie diese, wo mir klar wurde, dass er zu mir gehörte. Es war kein Traum, eine Fantasie oder eine schnelle Nummer.

Travis Maddox war real und ich war mit ihm verheiratet. Ich berührte seine Wangen, öffnete meinen Mund und erlaubte somit seiner Zunge Zugang.

 

Ein Klopfen am Fenster zwang Travis dazu aufzuhören. Ich seufze, ging mit meinen Fingern durch meine Haare als Travis den Knopf drückte und sich das Fenster nach unten bewegte.

“Oh. Hey Cami.”

“Seid ihr hier um uns zu besuchen?”, fragte sie mit ihrer künstlichen Stimme.

 

Sie war einfach zu nett. Versuchte es zu sehr. Sie wusste, dass ich sie nicht mochte und es war auch nicht so als würde ich daraus ein Geheimnis machen.

 

“Wir.., ähm...wir kommen gerade raus. Sind auf dem Weg nach Hause”, stotterte Travis.

“Oh”, sagte Cami enttäuscht. 

“Wir können noch etwas bleiben, wenn du willst”, schlug Travis vor. Ich boxte ihn in seine Seite, er zuckte kurz und nahm meine Hand.

“Für ein paar Minuten. Heute ist Date Night angesagt.”

 

“Aw, das freut mich für euch. Ich kann es kaum abwarten bis Trenton wieder fit ist. Es ist schon eine ganze Weile her seit wir uns zu einem Date verabredet haben.”

“Nunja”, fing Travis an und ich flehte ihn mit meinen Augen an, es nicht auszusprechen. “Ihr könnt gerne mit uns kommen, wenn ihr wollt.”

 

Camille guckte mich an und zögerte kurz. “Danke Trav, aber momentan versuchen wir etwas Geld zu sparen. Gerne ein anderes Mal. Wird bestimmt witzig.”

 

Wir beide winkten Camille zum Abschied. Sie schlang ihre Arme um ihre Mitte als sie die Treppe hochging und löste sie nur wieder um die Türe zu öffnen. Kurz bevor sie die Türe öffnete strahlten ihre Augen und sie lächelte.

 

“Okay. Okay. Vielleicht hast du recht. Ich habe Vorurteile gegen sie und ich muss diese los lassen.”

Travis hob meine Hand an seinen Mund und küsste sie. Die Klimaanlage war zwar an aber seine Hände waren immer noch ein bisschen schwitzig von den paar Minuten die wir ohne sie im Auto saßen. Er fand zwar meine Worte super, aber er war immer noch ein Mann der Taten. Ich musste es ihm also beweisen.

 

Ich seufzte als ich mein Handy aus meiner Handtasche holte und nach Camille´s Nummer in meinen Kontakten suchte. Ich drückte ihren Namen und hielt das Handy an mein Ohr.

 

“Hallo?”, antwortete sie überrascht.

“Hey Cami, hier ist Abby.”

“Ich weiß”, sagte sie amüsiert. Ich versuchte nicht davon auszugehen, dass sie sich über mich lustig machte, aber das war trotzdem die Richtung die meine Gedanken als erstes einschlugen.

 

“Ich… ähm… Wir sollten uns auf ein paar Drinks oder einen Kaffee treffen. Ich bin jetzt mit der Uni fertig, melde dich am besten einfach bei mir wenn du an einem Morgen oder Abend Zeit hast.”

“Oh”, sie zögerte kurz. “Das würde ich sehr, sehr gerne machen Abby. Ich könnte morgen früh vor unseren Nachuntersuchungen. Das ist das erste was morgen früh ansteht, wir sollten allerdings gegen halb zehn fertig sein. Wenn ich Trenton dann nach Hause gebracht habe sollte es zehn Uhr sein. Sollen wir uns auf einen Kaffee treffen?”

 

“The Daily Grind?” schlug ich vor.

“Gut, ich meine ja. Das ist super. Ich freue mich”, sagte sie und stolperte über ihre eigenen Wörter.

“Okay. Wir sehen uns dann morgen.”

Bevor ich auflegen konnte, hörte ich wie sie mit Trenton redete. “Sie will sich auf einen Kaffee mit mir treffen!”

“Das ist super, Baby”, antwortete Trenton.

Ich drückte den “Beenden” Knopf und ließ mein Handy in den Becherhalter fallen.

“Sie ist aufgeregt.”

Travis lachte. “Ich habe es gehört. Ich denke, du hast ihr ganzen Jahr damit gerettet.”

Ich lehnte mich zurück und schaute nach oben. “Ich will mit ihr klar kommen.

Aber ich kann einfach diese Mauer ihr gegenüber nicht abschütteln.”

“Was auch immer es ist, ich bin mir sicher, dass du es morgen herausfinden wirst.”

“Aber heute Abend”, sagte er und schaute mit einem Lächeln zu mir rüber, “schuldest du mir ein Essen im Biasetti´s.”

 

*******

 

Danke, dass ihr das erste Kapitel der neuen Staffel von Endlessly Beautiful gelesen habt! Ich freue mich total auf diese Staffel.

Ihr könnt euch gerne meine “Upcoming Projects” hier auf meinem Blog angucken und sehen, was ich sonst noch so für nächstes Jahr geplant habe.

 

Noch ein paar andere Dinge, die ihr wissen müsst:

Ich habe einen Newsletter mit exklusiven News, Gewinnspielen, Fotos und vieles mehr. Abonniert ihn hier auf meiner Homepage.

 

A Beautiful Funeral ( Maddox Brothers #5 ) ist draußen ( erscheint im August nächstes Jahr auch in Deutschland! :-) ) ! Das Buch ist ein New York Times, USA Today und Wallstreet Journal Bestseller und ihr müsst es definitiv lesen!

In dem Buch könnt ihr lesen, wie es für den Maddox Clan 11 Jahre in der Zukunft weiter geht. Zeitlich geht es nach dem Epilog von Walking Disaster weiter. Das Buch ist aus der Sicht von allen geschrieben, alle Frauen, alle Brüder und von ein paar Leuten wo ihr vorher noch nie etwas von gehört habt.

 

Der McGuire Shop hat momentan einen Holiday Sale am laufen, mit vielen Angeboten rund um signierte Bücher, Hoddies und mehr!

 

Wir sehen uns jetzt wieder jeden Donnerstag zu einer neuen Folge von Endlessly Beautiful!

 

<3, Jamie


Secret - Geheimnis

 

 

::Abby::

 

Camille saß alleine an einem Tisch für zwei, ein perfektes Viereck aus Holz direkt gegenüber von dem Fenster.

Die Morgensonne schien durch das Fenster und als ich den Tisch erreichte sah ich wie meine zukünftige Schwägerin eine Serviette mit ihren tätowierten Fingern verdrehte.

 

Als ich mich ihr gegenüber hinsetzte war sie immer noch so in ihre Gedanken vertieft, dass ihr Lächeln nicht echt sondern schmerzerfüllt aussah.

 

“Hi Abby”, begrüßte sie mich mit leiser Stimme.

“Alles okay?”

 

Ihr Kopf nickte in einer schnellen Bewegung hoch und runter. “Danke, dass du dich mit mir triffst.”

“Wie lief der Termin beim Arzt?”

 

Sie senkte den Blick auf ihre Hände und als sie sah wie zerschreddert ihre Serviette bereits war, legte sie diese aus der Hand.

 

“Alles scheint gut zu heilen. Trenton wird für eine Weile Physiotherapie bekommen. Er ist nervös, da er denkt er wird nicht mehr als Tätowierer arbeiten können.”

 

“Er hat sich doch nicht die Hand gebrochen”, sagte ich.

“Aber das Handgelenk. In dem Job läuft eine Menge über das Handgelenk.”

 

Ich runzelte die Stirn. “Das wird schon. Wie geht es dir? Was macht der Kopf?”

Sie berührte die dunkel und gefährlich aussehende Narbe, die entlang ihrer Haaransatzes verlief.

“Ich habe hin und wieder noch Kopfschmerzen. Manchmal auch eine verschwommene Sicht. Aber es ist okay.”

 

“Es freut mich, dass ihr beide halbwegs okay seit.”

 

“Ich weiß”, zögerte sie. Sie nahm die Serviette wieder in die Hand und drückte so fest, als wäre sie ihr Feind.

“Ich weiß, dass du mich für den Unfall verantwortlich machst. Ich kann nichts dagegen sagen und das werde ich auch nicht. Ich habe hunderte Male darüber nachgedacht und wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich genauso über mich denken.

Er war bereits in einem schrecklichen Unfall mit einer Exfreundin und hatte Angst wieder mit jemandem in ein Auto zu steigen. Es musste ja schon fast so kommen, als er sich mit mir in das Auto gesetzt hat. Ich gebe nicht nach; Ich halte nicht am Straßenrand an; Ich fahre stattdessen weiter, Schreie, bin sauer und gebe der Straße nicht meine volle Aufmerksamkeit.”

 

Ihre Worte überraschten mich. Es war als hätte sie meine Gedanken gelesen und das beruhigte mich ein bisschen.

“Trent sagte, dass es jedem hätte passieren können so wie das Arschloch gefahren ist.”

 

“Trent sagt eine Menge”, murmelte sie. Sie berührte eines der vielen Tattoos, die Trenton ihr gestochen hatte.

 

“Mein Punkt ist einfach, dass ich mir selber genau die gleichen Dinge immer und immer wieder sage, aber ich kann es nicht rückgängig machen. Ich kann dir nicht vorwerfen, dass es falsch ist sauer auf mich zu sein. Ich bin ja selber sauer auf mich.

Aber ich kann versprechen, dass ich in Zukunft vorsichtiger, aufmerksamer sein werde und aus meinem Fehler gelernt habe.”

 

“Und Thomas?”

Camille erschrak. “Wow. Kein Wunder, dass Travis dich geheiratet hat. Du lässt es auch nicht zu, dass man dich trifft.”

Ich hob eine Augenbraue und sie zappelte herum als wäre sie eine Ameise, die an einem heißen Tag unter einem Mikroskop liegen würde.

 

“Was möchtest du von mir hören, Abby?”

 

“Liebst du ihn immer noch?”

 

“Ja.” Sie war von ihrem eigenen Wort geschockt und ich konnte deutlich sehen, dass es nicht das war, was sie wirklich sagen wollte.

“Abby”, sagte sie und schloss die Augen.

“Ich liebe Trent. Ich bin in Trent verliebt und ich will nur mit ihm zusammen sein. Thomas und ich, dass ist vorbei.”

 

“Und da bist du dir sicher?”

 

Sie runzelte die Stirn. “Was wäre… Was wäre wenn Travis sterben würde?” Ich starrte sie an während sie sofort ihre Hand hoch hielt. “Hör mir zuerst zu. Was wäre wenn Travis sterben würde und Jahre später läufst du jemandem über den Weg, der dich Dinge spüren lässt, von denen du dachtest, du würdest sie nur für Travis spüren? Vielleicht sogar stärker?”

 

“Ausgeschlossen”

 

“Klar, aber was wäre wenn doch? So fühle ich mich mit Thomas und Trenton. Thomas wird nie wieder so eine Rolle in meinem Leben spielen, aber ich werde ihn trotzdem immer lieben.

Als Trenton plötzlich da war konnte ich mich nicht nicht  in ihn verlieben. Glaub mir, dass habe ich versucht.”

 

“Also willst du nicht mit Thomas zusammen sein?”

 

“Nein.”

 

“Was wäre gewesen, wenn Trenton nicht in dein Leben getreten wäre?”

 

“Irrelevant, weil er es tat.”

 

Eine Kellnerin kam an unseren Tisch und stellte zwei Gläser Wasser ab. “Hi,  ich heiße Shannon. Möchtet ihr noch etwas anderes zu trinken?”

 

“Kaffee”, sagten Camille und ich gleichzeitig.

 

“Okay”, antwortete Shannon und ging in Richtung Küche.

 

“Camille. Ich möchte, dass wir uns verstehen. Ich liebe Trenton und er liebt dich. Du gehörst zur Familie. Aber ich…”

 

Sie guckte mich enttäuscht an aber nicht völlig überrascht. “Du kannst nicht und du weißt nicht genau warum, richtig?”

 

“Richtig.”

 

“Naja, vielleicht wachse ich dir ja trotzdem noch ans Herz.”

 

“Bestimmt. Da sich Thomas und Trenton beide in dich verliebt haben muss da ja irgendwo etwas ganz Tolles versteckt sein.”

 

“Vielleicht bin ich einfach nur verdammt gut im Bett.”

 

Ich runzelte die Nase während sie kicherte und sich zurück lehnte während die Kellnerin uns unsere Kaffee´s brachte.

 

Shannon holte ihren Notizblock und einen Stift aus ihrer Schürze. “Frühstück?”

 

“Pancakes”, sagte ich als ich Shannon die Karte zurück gab. “Die Eier bitte medium, keinen Kartoffelpuffer oder Toast.”

 

Shannon nickte und guckte rüber zu Camille.

 

“Nur Bacon. Kross gebraten, bitte.”

 

“Alles klar”, antwortete Shannon während sie sich alles aufschrieb bevor sie sich Camille´s Karte nahm. Sie drehte sich um und sie machte wieder auf den Weg in die Küche.

 

Camille gab sich Zucker und Milch in ihren Kaffee und rührte ihn um. Sie schaute aus dem Fenster als sie einen Schluck trank. Sie wirkte nicht mehr so mitgenommen wie noch vorhin. Nicht, dass wir irgendetwas geklärt hätten, aber es schien ihr gut zu tun, dass wir darüber redeten.

 

“Die Sache ist die, Cami”, fing ich an. “Wenn Travis sterben würde und ich mich wieder verlieben könnte, dann würde das keiner seiner Brüder sein.”

 

“Also magst du mich nicht, weil ich Trenton´s Leben riskiert habe, weil ich mit Thomas zusammen war oder beides?”

 

“Beides” antwortete ich ohne zu zögern.

 

Camille nickte. “Fair genug. Aber ich kann an beiden Sachen nichts ändern, Abby. Kannst du nicht einfach nur sauer auf mich sein anstatt mich nicht zu mögen?”

 

“Das habe ich bereits versucht”, entgegnete ich. “Ich habe auch schon darüber nachgedacht ob es daran liegen könnte, dass du die erste Freundin neben mir bist und ich einfach gar keine leiden kann von denen die noch so kommen könnten.”

 

Camille lächelte. “Also magst du mich einfach nicht und dabei bin ich noch nicht einmal speziell. Du bist wirklich schonungslos, Abby Abernathy.”

 

Ich musste grinsen. “Das habe ich bereits öfter gehört.”

 

“Was wäre wenn ich vor dir da gewesen wäre? Was wäre wenn Trenton und ich schon verheiratet gewesen wären als du angefangen hast Travis zu daten? Was wäre wenn ich dich nicht hätte leiden können?”

 

Ich dachte über ihre hypothetische Frage nach. Mein erster Gedanke war, dass es mir egal wäre, aber das würde nicht stimmen. Ich könnte es ignorieren, aber von einer Ehefrau die bereits ein Teil der Familie ist nicht gemocht zu werden würde mich stören.

“Was wäre”, fuhr sie fort, “Wenn ich es dir vorwerfen würde, dass du Travis Herz so oft gebrochen hast und mit Parker ausgegangen bist obwohl du wusstest, dass er in dich verliebt war?”

 

“Ich wusste nicht, dass er in mich verliebt war.”

 

“Bullshit. Du bist nicht dumm, also tu bitte nicht so.”

 

“Ich dachte ich wäre ein Novum. Um ehrlich zu sein, dachte ich sogar, mit mir würde etwas nicht stimmen. Er meinte mal zu mir er würde nicht mit mir schlafen wollen weil er mich zu sehr mochte. Ich war mir sicher, dass wir nur eine Freundschaft führten.”

 

Camille lachte. “Daran erinnere ich mich. Das hat ihn für Monate belastet. Aber es endete dann doch ziemlich perfekt, oder?”

 

Ich zuckte mit den Achseln. “So ziemlich.” Ich kaute an meinen Nägeln als ich versuchte meine Gefühle zu sortieren. Camille hatte ein paar gute Punkte und man konnte gut mit ihr darüber reden. Aber irgendetwas stimmte immer noch nicht.

 

“Gibt es da etwas was du mir nicht erzählst? Vielleicht etwas was du noch nie jemanden erzählt hast oder so? Da ist immer noch etwas, was mich stört und ich werde dieses Gefühl einfach nicht los. Wenn du nicht komplett ehrlich zu mir bist, erzähl es mir einfach, damit wir wirklich von vorne anfangen können.”

 

Camille´s Augen wurden plötzlich glasig.

 

“Oh, scheiße”, sagte ich. “Was ist es?”

 

“Woher weißt du das? Bist du eine Therapeutin oder sowas? Ich selber wusste es nicht einmal.”

 

Ich guckte sie ernst an. “Was verheimlichst du mir? Was verheimlichst du Trent?”

 

Sie beugte sich über den Tisch, nahm sich meine Serviette und hielt sie sich vor das Gesicht als sie anfing zu weinen. “Ich wollte niemandem etwas sagen.”

 

“Wovon zur Hölle redest du?”

 

“Ich…uhm… Ich war schwanger. Der Doktor sagte, dass ich es wegen dem Unfall verloren habe. Er gab mir zwei Möglichkeiten. Auf eine natürliche Fehlgeburt zu warten oder eine Ausschabung der Gebärmutter.”

 

“Wie bitte?”, versuchte ich das zu verdauen, was sie mir gerade gesagt hatte. “Du bist schwanger?”

 

“Ich war.”

 

“Aber es ist immer noch… in dir drin?” Ich guckte auf ihren Bauch völlig hilflos gegen den geschockten Ausdruck auf meinem Gesicht. Ich hatte selber keine Kinder und war ein Einzelkind. Das ganze Schwangerschafts Thema war komplettes Neuland für mich.

 

“Ich hatte die Ausschabung bereits in der ersten Woche vom April”, erklärte Camille. “Ich habe es Trenton nicht erzählt, weil er selber von seinem langsamen Heilungsprozess genervt ist und ich ihn nicht mit noch mehr belasten will.”

 

“Aber ihr könntet zusammen trauern.”

 

“Ich…” ihre Unterlippe zitterte. “Ich trauere nicht. Ich bin erleichtert. Wir sind einfach noch nicht in der Position ein Kind zu bekommen.” Beschämt schaute sie nach unten.

“Vielleicht ist es das was dich an mir stört. Dass ich selbstsüchtig bin.”

 

Ich lehnte mich in meinen Stuhl zurück. “Die Tatsache, dass du damit versuchst alleine fertig zu werden ist alles andere als selbstsüchtig. Aber es ist die falsche Entscheidung. Du musst es ihm sagen.”

 

Camille tupfte sich mit meiner Serviette die Augen, da mein Versuch ihr das ganze verständlich zu machen dafür sorgte, dass sie wieder emotional wurde.

“Ich will seine verletzten Gefühle aber nicht in seinen Augen sehen. Du weißt, wie sehr er Olive liebt. Er würde ein so guter Vater sein. Das Schlimmste daran ist, ich habe Angst, dass er dadurch auf die Idee kommt es noch einmal zu versuchen.”

 

“Ich glaube nicht, dass er dich direkt wieder schwängern möchte nachdem er erfahren hat, dass du eine Fehlgeburt hattest. Bist du in Ordnung? Keine Schmerzen?”

 

“Ich habe immer noch Blutungen aber nicht mehr so stark wie am Anfang. Das alles ist etwas was ich nie wieder mitmachen will. Dr. Lee meinte, dass ich eine Menge Blut verloren habe und das ich Vernarbungen davontragen könnte.”

 

“Ew”, sagte ich Nase rümpfend. “Es tut mir leid, aber die Vorstellung, dass du mit einem toten Baby in deinem Bauch rumläufst ist… eklig.”

 

“Erzähl mir etwas Neues”, meinte Camille. “Und dein Mitleid hält sich ganz nebenbei wirklich in Grenzen. Daran solltest du etwas ändern.”

 

“Es tut mir leid, ich bin wirklich schlecht in solchen Dingen. Soll ich dich… umarmen oder so”

Camille verdrehte die Augen. “Nein.”

 

Ich schaute auf meine Hände als mich mein schlechtes Gewissen einholte. Sie hatte mir gerade erzählt, dass sie ihres und Trenton´s Baby - meine Nichte oder meinen Neffen - verloren hatte und ich rede mit ihr darüber als könne man sie dafür verantwortlich machen. “Camille. Ich glaube, du bist nicht das Problem. Du hast es vorhin selbst gesagt. Ich habe Travis jede Menge schlimme Dinge angetan. Vielleicht will ich nicht die Einzige sein, die Fehler macht. Vielleicht will ich mich einfach nur auf deine Fehler konzentrieren, damit ich meine eigenen ignorieren kann.” In dem Moment als ich es laut ausgesprochen hatte war die Wut, die ich ihr gegenüber empfunden habe, wie weggeblasen

 

“Wie weit warst du denn?”

“Der Doktor meinte, das Baby war sechs Wochen alt, als es aufhörte zu wachsen”, sie lachte kurz auf. “Das bedeutet ich bin schwanger geworden als ich das erste Mal mit Trent zusammen war.”

“Und du bist dir sicher, dass es nicht von Thomas sein kann?”

 

Die Frage überraschte sie. “Ganz sicher. Wir hatten vor Thanksgiving das letzte mal etwas miteinander.”

 

“Pancakes mit Eiern”, sagte Shannon und guckte mich dabei an. Ich lehnte mich zurück und stellte dabei fest, dass ich mich soweit nach vorne gelehnt hatte, dass meine Brust schon den Tisch berührt hatte. Shannon stellte den Teller vor mir ab und wandte sich dann zu Camille.

“Und Bacon kross gebraten.”

 

“Danke”, antwortete Camille traurig.

 

Ich schnitt mir ein Stück von meinen Pancake ab und nahm es in den Mund. Camille hingegen stocherte nur in ihrem Bacon herum brach sich kleine Stücke ab und aß sie dann.

 

“Was bedeutet das mit denVernarbungen? Wirst du später Probleme deswegen bekommen?”

“Ich bin mir nicht sicher aber du hast recht. Ich muss es ihm sagen. Er wird ganz schön sauer sein, dass ich das nicht direkt gemacht habe.”

 

“Mach es trotzdem. Besser spät als nie. Und Cami… es tut mir wirklich leid. Ich weiß, dass ihr noch nicht bereit für ein Kind gewesen seid, aber das macht es nicht weniger traurig.”

 

Camille lächelte und nahm ein größeres Stück Bacon zu sich. “Danke… Abby. Meinst du wir können von vorne anfangen? Können wir uns einfach darauf einigen, dass wir beide Fehler gemacht haben und uns jetzt den Arsch aufreißen werden die Liebe, die wir bekommen, auch zu verdienen?”

 

“Oh, wir verdienen sie. Die beiden haben auch Mist gebaut. Mehrfach. Travis jedenfalls.”

 

Camille lachte und nahm noch ein weiteres Stück.

 

“Bist du okay”, fragte ich sie. “Ich meine wirklich okay.”

 

“Mir geht es gut”, antwortete sie mit einem schätzenden Blick. “Das hier war genau das, was ich gebraucht habe.”

 

Ich lächelte sie auch an und es fühlte sich an als wären wir das erste Mal auf der gleichen Seite.

“Gut”, ich machte eine kurze Pause um sicherzugehen, dass das, was ich als Nächstes sagen würde auch ehrlich rüber kam, “Wenn du jemanden zum Reden brauchst, nachdem du es Trenton gesagt hast, ruf mich an.”

 

“Wirklich?”, antwortete Camille während ihre Augen wieder feucht wurden. Sie hatte viele Freunde, wahrscheinlich mehr als ihr lieb waren, aber trotzdem hat sie mir von dieser ganzen Sache erzählt. Ich war mir sicher diese Geste sorgte für einen noch größeren Gefühlsausbruch.

 

Ich nickte. In dem Moment als sie mir von ihrem Geheimnis erzählte, waren meine Bedenken ihr gegenüber wie weggeblasen. Ich wusste, dass sie etwas zu verheimlichen hatte. Jetzt, wo sie sich mir offenbarte, war dieses Gefühl, was ich ihr gegenüber hatte, weg.

 

Nicht jeder würde verstehen, was es bedeutet von einem Maddox Jungen geliebt zu werden. Wir mussten zusammen halten. Ich nahm ein weiteres Stück von meinen Pancake in meinen Mund und lächelte meine Schwester an. Wir hatten ein ganzes Leben vor uns und das hier war der erste Tag.

 

***

 

Danke, dass ihr das Dreizehnte Kapitel von Endlessly Beautiful gelesen habt!

Hier eine wirklich tolle, TOLLE Neuigkeit: Beautiful Burn wurde als bestes Buch von iBooks und Kobo im Jahr 2016 gewählt! Zwischen all den ganzen Büchern die 2016 sowohl von Indie als auch Verlagsautoren gewählt zu werden ist eine unglaubliche Ehre.

 

Der Dezember Newsletter ging gerade erst raus und alle drehen durch! Unter anderem wegen meinem Buch was ich unter einem Pseudonym geschrieben habe erschienen ist und wegen wirklich GROßEN Neuigkeiten. Meldet euch für den Newsletter an und verpasst nichts!

 

Der McGuire Shop hat fast keine Maddox Bündel mehr. Es gibt signierte Bücher der Providence Reihe, die Maddox Reihe und das ultimative McGuire Paket. ALLES personalisiert ( signiert mit euren Namen ) und signiert. Wenn ihr also noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk seid, ist ja vielleicht etwas für euch dabei.

 

Tut mir leid, dass dieses Kapitel so spät erschienen ist aber wir waren nicht zu Hause und als dann einen Tag früher als geplant nach Hause kamen, dachte ich den ganzen Tag, dass Mittwoch ist und als ich es dann gemerkt habe hat sich mein kleiner Sohn dazu entschlossen, dass ganze Badezimmer voll zu schei...en ( ihr wisst schon.. ;) )

 

Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen und das ihr die Geschichte weiterhin lesen werdet mir macht es wirklich Spaß die Fortsetzung von Beautiful Disaster zu schreiben!

 

<3, Jamie


::Travis::

 

Die Sohlen meiner Stiefel standen auf dem heißen Asphalt von der Hauptstraße der kleinen Universitätsstadt Eakins. Das Summen des Motors meiner Harley entspannte mich. Es war einfach, die Dinge um mich herum und meine schmerzenden Muskeln, von meinem Tag voller Kunden im Iron E, zu vergessen, während ich durch die Stadt fuhr.

 

Abby verhielt sich beinahe euphorisch seit unserem Date. Sie stellte wieder einmal ihr Glück unter Beweis als wir feststellten, dass wir einen Abend ausgewählt hatten, wo die Besitzer nicht anwesend waren. Parker Haye´s Eltern mochten vielleicht die Besitzer vom Biasetti´s sein und der Laden war ebenso das gleiche Restaurant in welches Parker Abby zu ihrem ersten Date eingeladen hatte, aber in dem Moment als wir uns hinsetzten, war Abby die kichernde, witzige, sarkastische, natürliche Schönheit, die ich damals mit in die Pizzeria zu unserem ersten Date als Freunde nahm. 

 

Es war als wären wir wieder nur Studenten. Keinerlei Sorgen über offene Rechnungen, keine FBI Agenten die in unserer Wohnung rumschnüffelten. Wir wussten allerdings, dass wir großes Glück hatten. Adam saß im Gefängnis und wartete auf seine Anhörung. Ich ging mit meiner Frau essen und das größte Problem was wir hatten, war dafür zu sorgen, dass Abby und Camille sich endlich verstehen würden.

 

Die Ampel schaltet auf Grün und ich hob meine Füße im gleichen Moment als ich am Gas drehte und mich durch die Gänge schaltete. Geschwindigkeits Begrenzungen waren für andere da.

Ein weiterer Arbeitstag und Semester lagen hinter mir. Ein ganzer Sommer, den ich mit meiner Ehefrau zu Hause verbringen konnte, ohne irgendwelche Hausarbeiten für die Uni machen zu müssen, oder unsere Zeit aufeinander abzustimmen, lag vor mir. Arbeit… Zu Hause… Täubchen… Klang für mich nach dem Paradies - vorausgesetzt ich würde nicht doch noch in Handschellen von den Beamten aus meiner Wohnung abgeholt werden. Dieses Szenario hatte ich immer imHinterkopf.

 

Ich versuchte mich an mein erstes Jahr auf der Uni zu erinnern. Jede Menge Alkohol und vögeln. Keinerlei Sorgen von Abby ein Leben lang weggesperrt zu sein. Generell habe ich mir damals keine Sorgen über irgendetwas gemacht, aber wenn ich jetzt darüber nachdenke war das alles reine Zeitverschwendung. Abby machte jeden Moment zu etwas Besonderem.

Die Erkenntnis, dass ich sie erst seit acht Monaten kannte, sorgte dafür, dass ich regelmäßige Panikattacken bekam, dass vielleicht nichts von all dem wirklich real war.

Wir haben bereits soviel Mist in der kurzen Zeit erlebt und sind trotzdem zusammen und glücklich. An manchen Tagen warte ich einfach auf die Realität, die mir in die Eier tritt.

 

Der Kies in der Einfahrt meines Vaters knirschte unter den Rädern meiner Harley. Ich hielt an, drückte den Ständer von dem Motorrad runter und schaltete den Motor aus.

Dad stand bereits auf der Veranda und begrüßte mich wie er es jedes mal tat, wenn ich zu Besuch war, nur dieses mal war Trenton dabei, der seinen eingegipsten Arm mit seiner gesunden Hand stützte.

 

“Hallo”, rief Dad mir mit einem warmen Lächeln zu. Seine Wangen drückten sich nach oben, wenn er lächelte, sodass seine Augen kleiner wurden.

 

Ich tätschelte Dad auf die Schulter als ich an ihm vorbei ging und nickte Trenton zu.

“Hey Pussy”, begrüßte ich ihn.

 

Trenton hingegen nickte nur.

 

Ich machte mich auf den Weg durch den kurzen Flur in Richtung Wohnzimmer und ließ mich auf der Couch nieder. Diese knallte gegen die Wand aber mein Vater sagte nichts. Er setzte sich einfach in seinen Sessel, lehnte sich zurück und wartete darauf, dass ich den Grund für meinen Besuch zu offenbarte.

 

Trenton setzte sich vorsichtig neben mich. Er sah so zerbrechlich aus, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte.

 

Ich runzelte die Stirn.

 “Geht es dir gut?”

“Ja”, antwortete er. “Ich lebe noch.”

 

“Ich meine es ernst. Du siehst scheiße aus. Du bewegst dich noch langsamer als du es eh schon immer getan hast.”

 

“Danke, Peniskopf”, murmelte er.

 

Ich schaute zu meinem Vater. “Seh nur ich das so?”

“Nein, ich habe ihm bereits das Gleiche gesagt”, antwortete er. “Ich hatte gehofft, dass du auch etwas sagst.”

 

Trenton lehnte sich stöhnend zurück. “Okay. Ich schleppe mich so durch. Mir geht es einfach nicht gut. Aber ich bin bereits ein Krüppel und werde jetzt ganz sicher nicht noch krank werden.”

 

“Sei kein Idiot, Trent. Wenn du es ignorierst wird es am Ende nur noch schlimmer werden. Erst Recht, wenn dein Körper eh schon hart arbeitet, um wieder auf die Beine zu kommen.”

 

“Was zur Hölle Trav?”, sagte Trent. “Kaum bist du verheiratet und schon verwandelst du dich in Dad.”

 

Dad´s Bauch wackelte als er lachte während ich nach unten guckte und mir ein Grinsen verkneifen musste.

“Und wie läuft der Job?”, fragte mein Vater mich.

 

Ich lehnte mich zurück und versuchte es mir auf der alten Couch von unserem Vater bequem zu machen. Sie war klumpig und die Hälfte vom Stoff war bereits ab, aber meine Mutter hatte sich die Couch ausgesucht lange bevor ich geboren war. Dad musste sie gehen lassen, aber hielt sich dafür so lange er konnte an den Dingen fest, die er nicht los lassen musste.

 

“Es ist okay. Mein Chef ist ein Idiot, aber mir gelingt es ihm für die meiste Zeit aus dem Weg zu gehen.” Ich starrte Trenton an. An seinem Haaransatz bildeten sich Schweißperlen.

 

“Trent. Hast du heute schon deine Schmerztablette genommen?”

Er zuckte mit seiner gesunden Schulter. “Ich nahm heute morgen eine.”

“Dann frage ich mich, was los ist.”

 

“Ich weiß es nicht, Mann. Es geht mir einfach nicht gut.Hör auf, mir auf die Eier zu gehen.”

 

“Wie bist du hierher gekommen?”, fragte ich ihn. Camille´s Auto war ein Totalschaden und seitdem sie wieder fahren durfte, nahm sie Trenton´s Dodge Intrepid.

 

“Dad hat mich mit dem Truck abgeholt.”

 

Ich schaute meinen Vater an, der hingegen Trenton mit besorgter Miene begutachtete. “Er hörte sich bereits am Telefon nicht gut an.”

“Alles klar”, sagte ich entschlossen. “Dad, gib mir bitte deine Schlüssel. Wir fahren Trenton zum Notdienst.”

 

“Wie bitte? Fuck, nein!”, wehrte Trenton sich.

“Steh auf”, befahl ich ihm.

 

“Trav”, antwortete Trenton schwach. “Ich kann mir das nicht leisten.” Ich starrte ihn für eine Weile an und seufzte. “Ich kümmere mich darum. Wir fahren.”

“Nein, dass kann ich nicht annehmen”, entgegnete Trenton, der von Sekunde zu Sekunde schlechter aussah.

 

“Steh auf, Trenton, oder ich werfe dich über meine Schulter!”

Trenton starrte auf den Teppich und verfluchte mich, stand aber dann endlich auf. Er schwankte als ich seinen guten Arm um meinen Nacken legte und sein Gewicht auffing als wir zum Truck von unserem Vater gingen. Ich half meinem großen Bruder in das Auto, anschließend meinem Vater.

 

Er gab mir die Schlüssel, ich ging zur anderen Seite und sorgte dafür, dass mein Motorrad nicht im Weg stand. Ich holte mein Handy aus der Tasche und wollte meiner Frau eine Nachricht schicken, aber mir wurde klar, dass egal was ich sagen würde, sie es nur unnötig alarmieren würde, also entschied ich mich dafür zu warten bis wir einen Befund hatten.

 

Ich setzte mich hinter das Lenkrad, steckte den Schlüssel in die Zündung und drehte. Der Motor heulte auf und ging wieder aus bevor ich losfahren konnte.

 

“Drück nicht auf das Gaspedal. Du flutest damit den Motor.”

 

Ich drehte den Schlüssel wieder um und hörte den Motor kurbeln, aber er packte es wieder nicht. Ich schaute zu Trenton, denn er war immer derjenige, der sich um das Auto von unserem Vater gekümmert hatte, aber er war verletzt und es ging ihm nicht gut, also konnte ich keine Hilfe von ihm erwarten. An dem alten Chevy von meinem Vater gab es andauernd irgendwas zu reparieren.

 

Mein Vater deutete mit dem Finger auf die Zündung. “Okay, dreh noch einmal, warte einen Moment und dann dreh nochmal und drück das Gaspedal bis zum Boden durch.”

 

Ich tat, was er mir sagte und als ich das Gaspedal durch drückte, funktionierte es endlich. Ich legte den Gang ein und fuhr aus der Einfahrt. Trenton stöhnte auf als wir über den Bordstein fuhren und noch einmal als ich endlich losfahren konnte. Je länger wir unterwegs waren, umso schlechter sah er aus.

 

“Trav”, sagte er mit geschlossenen Augen. “Mir geht es gar nicht gut. Halt an.”

Ich schaute zu ihm rüber. Er war blass und der Schweiß lief seine Stirn hinunter.

 

“Scheiße. Wir fahren ins Krankenhaus!”

 

Trenton murmelte ein paar Wörter, die keinen Sinn mehr ergaben und wurde ohnmächtig. Mein Vater hielt Trenton´s Kopf an seiner Brust und beobachtete ihn aufmerksam.

 

“Travis”, sagte Dad. Seine Stimme war zwar ruhig, aber ich konnte die Angst darin hören.

“Zwei Minuten.”

 

Mein Vater nickte, er wusste, dass ich so schnell fuhr, wie ich nur konnte.

 

Das ganze Auto sprang, als ich das Lenkrad rumriss und in die Einfahrt vom Krankenhaus einbog. Ich parkte den Wagen vor der Ambulanz, stieg aus und rannte zur der Seite, wo Trenton lag. Mein Vater war bereits draußen, während ich die Tür aufmachte, Trenton herauszog und ihn über meine Schulter warf als würde er nichts wiegen.

Sobald die Türen bemerkten, dass wir uns ihnen näherten, gingen die Schiebetüren automatisch auf, die Sprechstundenhilfe warf uns einen kurzen Blick zu und rief sofort die Krankenschwestern.

 

Drei Frauen in farbenfrohen Kitteln rannten mit einer Liege in unsere Richtung. Ich legte Trenton auf den Rücken, während die drei Frauen bereits seine Vitalwerte aufnahmen und ihn mit hinter die großen Türen nahmen.

 

Dad schaute erst zu Trenton, dann zu mir.

 

“Geh ruhig, Dad. Ich kümmer mich hier um alles.”

 

Mein Vater nickte und folgte seinem bewusstlosen Sohn. Die Doppeltüre schloss sich, ich atmete kurz durch und widmete mich der Sprechstundenhilfe. Sie wirkte unbeeindruckt von allem, machte ein paar Mausklicks bevor sie beide Hände zum tippen benutzte.

“Name?”, fragte sie.

 

“Trenton Allen Maddox.”

 

Sie tippte seinen Namen und nickte. “Er ist bereits im System. Er war vor kurzem erst hier.”

 

Ich nickte.

 

“Oh. Ist er derjenige, der… “ Ihre Stimme verstummte bevor sie noch mehr Informationen preisgeben konnte.

 

“Ja, genau der ist er”; beantwortete ich ihre ungestellte Frage.

Ich gab ihr die Informationen, die sie brauchte, und anschließend bot sie mir an mich zu meinem Vater und Trenton zu bringen.

Sie rief zuerst jemanden an, um die Zimmernummer herauszufinden und begleitete mich durch eine einzelne Tür. Wir liefen durch ein Behandlungszimmer, danach durch einen hellen langen Flur, bis sie mir bedeutete in Raum Nummer Zehn zu gehen.

 

“Danke”, sagte ich zu ihr bevor ich rein ging. Ich schob den Vorhang beiseite und fand meinen Vater in der Ecke des Raums vor. Eine Krankenschwester war gerade mit Trenton´s Zugang fertig geworden. Trenton war zwar wach, aber erschöpft.

 

“Hey”, sagte er mit leiser Stimme.

 

Ich fuhr mit meiner Hand über meine kurzen Haare und seufzte. “Du hast mich zu Tode erschreckt.”

 

“Hi”, sagte eine Frau in einem weißen Kittel und hielt mir ihre rechte Hand hin. Ich nahm sie. “Ich bin Dr. Walsh. Er ist zwar stabil, aber sein Puls ist noch nicht da, wo ich ihn gerne hätte. Aber mit den richtigen Medikamenten bekommen wir das wieder hin.”

 

“Was stimmt nicht mit ihm?”

 

Sie lächelte, während eine rot leuchtende Locke von dem Knoten auf ihrem Kopf in ihr Gesicht viel. Sie drückte die schwarze Brille ihren Nasenrücken hoch. “Wir führen ein paar Tests durch. Dein Vater hat mir bereits erzählt, dass er vor kurzem noch in einem schweren Unfall verwickelt war?”

 

“Ja, vor fast zwei Monaten”, antwortete ich.

 

Sie lächelte weiter und schaute mich an als würde sie noch etwas sagen wollen.

 

“Was ist?”, fragte ich.

 

Sie guckte nach unten auf ihr Tablet, tippte noch etwas ein und guckte dann auf den Bildschirm an der Wand. Zu sehen waren Bilder von Trenton´s erstem und letztem Röntgentermin. Sie runzelte die Nase.

 

“Das ist ein ziemlich heftiger Bruch. Es ist erstaunlich, dass wir nicht operieren mussten.”

“Er hätte seine Freundin niemals so lange alleine gelassen, wie eine Operation gedauert hätte.”

 

“Stimmt, sie war auch in dem Auto. Er hat sie auf den Armen bis hierhin getragen, richtig?”, fragte die Ärztin.

Sie lächelte immer noch und ich fing an zu verstehen warum. Das Krankenhaus Personal schwärmt wahrscheinlich immer noch wegen der Geschichte. Wir waren ein Novum für die Leute gewesen.

 

“Ja. Wird er wieder gesund werden?”, fragte ich sie genervt.

 

Dr. Walsh griff nach meiner Hand. Ich runzelte die Stirn. Sie drückte mich näher zur Tür, guckte über meine Schulter zu meinem Vater und meinem Bruder und lehnte sich zu mir, ihre Stimme fast leiser als ein Flüstern.

“Meine kleine Schwester geht auf die Eastern. Wahrscheinlich wirst du dich nicht an sie erinnern.”

 

Mein Magen sank. Hatte ich etwa die kleine Schwester der Ärztin gevögelt und sie würde mich jetzt darauf ansprechen? Jetzt?

 

Sie lächelte. “Sie mochte den Jungen. Bei ihr ist Hopfen und Malz verloren”, sagte sie kopfschüttelnd. “Wenn sie sich erst in einen Jungen verliebt hat, folgt sie ihm überall hin. Sie folgte ihm in die Keaton Hall zu deinem letzten Kampf.”

 

Ich schluckte.

 

Ihr Lächeln verschwand und ihre Augen wirkten nicht mehr fokussiert. “Als das Feuer ausbrach, hat er sie verlassen. Er lief weg. Sie kannte sich in dem Gebäude überhaupt nicht aus. Überall war Rauch, sie rannte zurück und traf so auf dich.” Dr. Walsh´s Blick traf meinen.

 

Meine Augenbrauen zogen sich zusammen.

 

“Erinnerst du dich?”, fragte sie. “Sie hatte Angst. Sie dachte, sie würde sterben. Du hast sie zu dem Typen gebracht, der den Kampf organisiert hatte… Adam? Du hast sie zu ihm gebracht, weil du wusstest, dass er den Weg nach draußen kennt und dass er ihr helfen würde. Und weißt du was? Er hat genau das getan. Er half ihr und sechzehn weiteren Leuten, obwohl er sich selber einfach nur in Sicherheit bringen wollte. Es waren zwar nur ein paar Sekunden, aber du, Travis Mad Dog Maddox, hast das Leben meiner kleinen Schwester gerettet.”

 

Ich guckte meinen Vater an. “Ich…”

 

“Die Polizisten und die FBI Agenten haben bereits mit meiner Schwester gesprochen.” Das Lächeln kehrte auf die Lippen der Ärztin zurück. “Sie hat dich nie gesehen. Adam sagte, dass du dich nie gemeldet hast, die sechzehn Studenten die Adam gerettet hat, sagen das Gleiche. Der Krankenhausaufenthalt von deinem Bruder geht auf´s Haus.”

 

Sie griff nach der Klinke und öffnete die Türe.

 

“Was?”, fragte ich geschockt.

 

“Ich kann niemandem erzählen, was du getan hast, also werde ich die Dinge auf meine Weise handhaben.”  Sie schloss die Türe hinter sich und ich schaute meinen Vater an und hatte größte Mühe die Tränen aus meinen Augen zurückzuhalten.

 

“Werde ich sterben?”, fragte Trenton.

 

Ich guckte lachend nach unten und zog mein Handy aus der Tasche, um Abby eine Nachricht zu schicken. “Nein, Circle Arsch. Dir wird es bald wieder besser gehen.”

“Hat sie gesagt, was es ist?”, fragte Dad.

Ich schrieb eine kurze Nachricht an meine Frau und eine weitere an Camille. Ich ringte mit mir, ob ich es wirklich senden sollte, denn mir war klar, sobald beide die Nachricht lesen würden, bombardieren sie mich mit ihren Anrufen. “Sie werden ein paar Tests durchführen. Bald wissen wir mehr.”

 

Trenton lehnte sich gegen sein Kissen zurück. “Ich werde sterben.”

 

Eine Frau kam durch die Türe und hatte ein Tablett mit Tape, Verbandmaterial und anderen Utensilien in der Hand. “Hi! Ich heiße Lana. Ich werde jetzt für einen Moment an dir herum stochern.” Sie guckte auf Trenton´s Armband und dann auf ihr Klemmbrett, wo sie seine Informationen zu haben schien. “Kannst du mir deinen Namen und deinen Geburtstag sagen?”

 

Als Trenton anfing ihr seine Daten zu geben, fing mein Handy an zu vibrieren. Ich hielt den Hörer an mein Ohr.

“Hi, Baby.” 

“Trav? Wie geht es ihm?”, fragte Abby.

“Sie werden ein paar Tests durchführen. Er wird es überleben.”

 

Sie seufzte und ich musste lächeln, weil sie meine Familie genauso liebte, wie ich es tat.

Das Handy piepste.

“Oh, hey Täubchen. Cami ruft mich an.”

“Okay. Ich bin fast da.”

 

Ich nahm ihren Anruf an. “Ihm geht es gut. Sie werden ein paar Tests durchführen. Sie nehmen ihm gerade Blut ab.”

 

“Ihm geht es gut?” fragte Camille panisch. Sie seufzte. “Gott. Er hat nicht gut geschlafen. Ich hätte ihn heute morgen nicht gehen lassen dürfen. Ich wusste es.”

 

“Ist das Cami?”, fragte Trenton.

 

Ich nickte.

 

Er streckte seine Hand aus und ich gab ihm mein Handy. “Hey Baby. Mir geht es gut. Shhh...shhh...Mir geht es gut. Ich weiß. Ich hätte dem Doktor etwas beim letzten Termin sagen sollen.” Er machte eine kurze Pause und runzelte die Stirn. “Cami, es ist nicht dein Fehler, hör auf. Nein. NEIN du wirst nicht hier hin fahren. Warte auf Abby.” Er guckte mich an. “Kann Abby sie mitnehmen?”

 

Ich nickte.

Trenton fasste sein Gespräch kurz zusammen. “Abby ist auf den Weg zu dir. Sie wird dich mitnehmen. Alles wird gut. Ich verspreche es dir.”

 

Trenton gab mir mein Handy zurück und ich schrieb Abby eine kurze Nachricht. Sie antwortete mit einem kurzen “Okay.”

 

“Abby nimmt sie mit. Sie werden gleich hier sein.”

 

Trenton seufzte. “Verdammt. Sie wird durchdrehen vor Sorge.”

 

“Mach es dir gemütlich”, sagte Lana, die alle Fläschchen mit einem Aufkleber versah.  “Sie haben gesagt, dass du noch etwas bleiben musst.”

 

Trenton´s Augen weiteten sich. “Was? Nein. Nein, ich kann nicht.”

 

“Hey”, beruhigte ich ihn und ging zu ihm ans Bett. “Es ist alles geklärt.”

 

“Trav”, die Muskeln in seinem Kiefer zuckten. “Es wird tausende von Dollar kosten.”

 

Lana verabschiedete sich und ich wartete bis sie den Raum komplett verlassen hatte.

“Ich habe mit der Ärztin gesprochen. Es ist alles geklärt.” Ich lehnte mich zu ihm, um ihm ins Ohr flüstern zu können.

 

“Ihre kleine Schwester war bei dem Feuer dabei. Sie hat es überlebt.”

 

Ich stand auf und Trenton´s Augen verengten sich. “Ich verstehe es nicht”, sagte er.

 

“Ich erkläre es dir später. Ruh dich erstmal aus und lass es ruhig angehen.”

 

Ich guckte meinen Vater an und konnte das Misstrauen in seinen Augen sehen.

 

Trenton nickte und lehnte sich zurück, sein Atem wurde gleichmäßiger, was ihm erlaubte seinen Körper die Zeit zu geben zu verkraften, was alles passiert war. Er schloss seine Augen und zuckte vor Schmerz zusammen.

 

Dad stellte sich neben Trenton´s Bett und streichelte seinen kurz geschorenen Kopf. “Ruh dich einfach aus, mein Junge.”

 

Trenton lehnte sich in die Berührung von unserem Vater und ließ die Augen geschlossen.

Was auch immer es war, ich hatte im Gefühl, dass Trenton mehr als nur eine Nacht hier bleiben musste.

 

Thank you SO MUCH for your patience as I tried to work around the holidays this year. I know I said the episodes would be posted as usual, and I missed last week. The translators are volunteers, and like me, they're doing this for free. We decided two weeks ago it would be better to post all the languages at once so everyone could read at the same time, so we skipped a week to get caught up. Thanks again for your understanding, and I hope you've enjoyed this season so far!


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Better - Besser

 

 

::Travis::

 

Meine Augen blinzelten, bis sie sich in Trenton´s dunklem Krankenhauszimmer orientieren konnten. Dad lag still und tief atmend auf einer Liege in der Ecke des Zimmers. Ich hingegen bin auf dem Stuhl neben Trenton eingeschlafen. Der Zugang pumpte weiterhin Medikamente und vor der Tür lief ein Lautsprecher der nach einer Schwester rief, die zum Schwesternzimmer kommen sollte und seitdem ich hier war, hatte jemand Trenton Blut abgenommen und eine Schwester kam jede Stunde um Trenton´s Werte und die Schläuche zu kontrollieren. Ich fragte mich, wie hier jemand zur Ruhe kommen sollte. Ich war nicht mal ein Patient, aber fühlte mich trotzdem schlapp und krank.

 

Mein Handy vibrierte und ich stellte fest, dass sich viele Nachrichten angesammelt hatten.

 

“Scheiße”, fauchte ich, stand auf und fing an die Nachrichten zu lesen. Nur eine war von Abby, als sie mir eine gute Nacht wünschte. Ich lächelte, zögerte aber kurz mit einer Antwort. Gott, ich vermisste sie. Das war die erste Nacht, die wir seit Vegas getrennt voneinander verbracht hatten, und es nervte mich. Richtig. Die anderen Nachrichten waren von Thomas und den Zwillingen. Ich laß sie durch, und fing an sie zu beantworten.

 

Keine Neuigkeiten.

 

Er ist stabil.

 

Ich rufe an, falls sich etwas ändert.

 

Dr. Walsh schlich sich schnell in das Zimmer und hatte zwei Styroporbecher in der Hand. Sie sah aus, als wäre sie selber gerade aufgewacht. “Hey.”

 

“Hey”, flüsterte ich und rieb mir die Augen. “Ist der für mich?”

 

Sie reichte mir einen der Becher, trank einen Schluck von ihrem und beobachtete Trenton beim Schlafen. “Er hat wieder Farbe im Gesicht. Seine Werte sind auch wieder gut.”

 

“Woher wissen sie das?”

 

Sie nickte zu der Tür. “Monitore im Schwesternzimmer.”

 

“Sie sind hier geblieben und hatten ein Auge auf ihn?”

 

“Auf alle meine Patienten, aber ja, auf Trenton besonders.”

 

Ihre Antwort besorgte mich. “Haben sie schon die Ergebnisse?”

 

Dr. Walsh scannte Trenton von Kopf bis Fuß. “Ja. Seine weißen Blutkörperchen sind signifikant auf fünfzehn Tausend gestiegen. Wir hätten gern seinen Leukozyten Wert bei eins oder zwei. Trenton’s Wert war bei zwölf.”

 

Ich runzelte die Stirn. Ich hatte noch nie zuvor etwas davon gehört. “Was sind das für Zellen? Was bedeutet das?”

 

“Leukozyten sind unreife Neutrophile, die aus dem Knochenmark kommen. Eine erhöhte Zählung bedeutet, dass er eine Knochenhautentzündung hat. Wahrscheinlich von dem Unfall. Wir werden es mit intravenösen Antibiotika behandeln. Er sollte in ein bis zwei Tagen wieder fit sein.”

 

“Oh”, sagte ich blinzelnd. “Danke.”

 

Sie lächelte, als ihr eine rote Locke ins Gesicht viel. “Er war ziemlich ausgetrocknet. Das könnte der Auslöser gewesen sein, dass sein Körper gegen die Infektion nicht ankämpfen konnte. Hat er zu Hause jemanden der ihm hilft?”

 

“Ja. Ja, seine Freundin kümmert sich hingebungsvoll um ihn. Aber er ist ziemlich stur.”

 

“Wo ist sie?”

 

“Ich…”, ich musste einen kurzen Moment nachdenken, bevor ich ihr antworten konnte. “Ich habe ihr gesagt sie soll nach Hause gehen. Sie muss morgen früh arbeiten. Sie ist momentan die Einzige, die Geld verdient und -”

 

“Lassen Sie sie wissen, dass sie sturer als Trenton sein soll.”

 

“Das werde ich.”

 

Dr. Walsh verließ den Raum genau so schnell, wie sie ihn betreten hatte. Die Rollos waren geschlossen, aber der Himmel bahnte sich seinen Weg trotzdem durch die Schlitze. Es war ein anderes Dunkel. Das-nicht-so-schwarz- bevor die Sonne aufging kreierte leichte Schatten an den weißen Wänden.

 

Dad´s Mund hing offen, so als hätte sich in der Nacht etwas ausgerenkt. Sein leichtes Schnarchen beförderte mich zurück in meine Kindheit und es sorgte dafür, dass ich mich entspannte. Ich erinnerte mich vage daran, wie er neben meiner Mutter in ihrem Krankenbett zu Hause eingeschlafen ist. Es war eine schwere Erinnerung, die ich nicht vergessen wollte. Ich schaute zu Trenton´s Bett und erinnerte mich daran, dass er wieder völlig gesund werden würde. Vor einem Jahr wäre es für mich noch ausgeschlossen gewesen mir um solche Sachen Gedanken zu machen, aber nachdem so viele Dinge passiert waren, wurde die Angst mehr als nur real. Trenton hatte erst einen unruhigen Schlaf, als hätte er einen Albtraum, doch als die Antibiotika sich ihren Weg durch sein System bahnten, schlief er wieder fester. Sein Kopf fiel zur Seite und sein Körper drückte sich in die billige Krankenhausmatratze. Ich hoffte, dies war das letzte Mal, dass ich einen meiner Brüder in einem Krankenhaus liegen sehen würde. Thomas und die Zwillinge lebten in der Pazifik und Berge Zeitzone - jeweils eine und zwei Stunden voneinander getrennt - also gab ich ihnen noch ein paar Stunden Schlaf, bevor ich sie anrief.

 

Eine Vibration von dem kleinen Tablett, welches auf Trenton´s L förmigen Tisch neben dem Bett lag, zwang mich dazu meinen Kaffee abzustellen und mein Handy zur Hand zu nehmen. Der Name von meinem Chef “Brandon” leuchtete auf dem Display.

 

Du musst heute ein paar Stunden übernehmen. Ich habe ein paar Kunden, um die du dich kümmern musst.

 

Ich tippte eine Antwort. Mein Bruder ist im Krankenhaus. Frag Ray.

 

Ray ist krank.

 

Dann frag jemand anderen. Diese Antwort war so diplomatisch wie ich nur sein konnte. Ich kannte Brandon und ich wusste, dass er sich mit einem Mädchen in einem Hotel treffen würde, so dass seine schwangere Freundin nicht merken würde, dass er sie betrügt… Schon wieder. Ich würde meinen Vater und Trenton nicht alleine lassen nur damit er jemanden flachlegen konnte, aber mein Job zahlte auch endlich unsere Rechnungen. Ihn zu behalten hieß, dass ich eine feine Linie mit Brandon gehen musste.

 

Wie wäre es wenn ich deine Frau frage?

 

Es dauerte fünf Minuten bis ich mich beruhigt hatte und eine Antwort schreiben konnte. Brandon hatte früh gelernt, dass über Abby zu sprechen ein wunder Punkt für mich war und er liebte es Salz in die Wunde zu streuen. Ich brauchte den Job fast genauso sehr, wie ich ihn in den Arsch treten wollte. Brandon war der einzige Mensch auf dieser Welt, der über Abby alles andere als respektvoll reden konnte und ihm dafür nichts passierte, aber bis jetzt hing er nicht mehr weit hinter der Linie, die ich in meinem Kopf für ihn gezogen hatte.

 

Wie wäre es, wenn ich dich umbringe während du schläfst? Da. Das war gerade sarkastisch genug, damit er denken würde ich mache Spaß.

 

LOL. Okay. Ich frage Luke.

 

Ich legte mein Handy wieder ab, bedeckte mein Gesicht mit meinen Händen und meine Ellenbogen bohrten sich in Trenton´s Matratze.

 

“Hey”, flüsterte Trenton und berührte mit seiner Hand meinen Kopf. “Was ist los? War die Ärztin hier?”

Seine Augenbrauen zogen sich zusammen und formten eine tiefe Falte zwischen seinen Augen. Ich nahm seine Hand von meinem Kopf, legte sie auf die Matratze und tätschelte sie einmal. “Ja. Sie hat gute Neuigkeiten.”

 

Trenton schaute hoch zur Decke und ließ einen Seufzer der Erleichterung raus. “Gott sei Dank.” Nach ein paar Sekunden nahm er mit seiner guten Hand das Kissen und platzierte es so hinter sich, dass er sich aufrichten konnte. “Sind die Ergebnisse wieder da?”

 

“Ein paar. Es sieht so aus, als hättest du eine Knochenhautentzündung von dem Bruch. Sie kommt später wieder und wird dir alles erklären, aber in ein bis zwei Tagen wirst du wieder nach Hause können.”

 

Trenton grinste und bedeckte dann sein Gesicht. “Fuck, ich bin so erleichtert.”

 

“Hast du Pussy etwa gedacht, dass du sterben wirst?”, neckte ich ihn.

 

“Ich war mir nicht sicher”, antwortete Trenton. Sein Ausdruck sorgte dafür, dass ich mein Lachen verlor. “Das Glück war dieses Jahr nicht wirklich auf meiner Seite.”

 

“Immerhin müssen wir uns keine Gedanken über die Rechnung machen”, sagte ich, als ich mich zurücklehnte und die Arme vor meiner Brust kreuzte.

 

“Ohne Scheiß”, sagte Trenton und hob seine Augenbraue. “Und was ist bei dir los?”

 

“Ach, dass war mein Chef. Er wollte, dass ich heute arbeiten komme. Er hat einen Witz über Abby gemacht und ich habe versucht, sein Verschwinden nicht zu planen.”

 

Trenton´s Bett quietschte, als er es sich gemütlich machen wollte. “Brandon scheint das Bedürfnis nach einem Todeswunsch zu haben. Wusstest du, dass er letztes Jahr mit John Brigham´s Frau geschlafen hat?”

 

“Dem Polizisten?”

 

“Yep. Der, der den Handschellen tragenden Typen geschlagen hat. Brandon hat davon gehört, rannte zu seiner Frau und knallte sie.”

 

Ich runzelte die Stirn. “Ich vertraue Abby. Ich brauche diesen Job, aber es fehlt wirklich nicht mehr viel bis ich diesem Stück Scheisse die Fresse poliere.”

 

“Lass sie einfach nicht in seine Nähe, damit seine Finger sie gar nicht erst zu packen kriegen. Du machst dich wirklich gut Ruhe zu bewahren, aber wenn er sie anfasst… Gott stehe ihm bei.”

 

Ich nickte zustimmend. So war der Plan. Ich musste ihr mehr davon erzählen. Nicht vorhandene Kommunikation war etwas, was ich mir in diesem Fall nicht leisten konnte.

 

“Geh nach Hause”, sagte Trenton. “Ruh dich etwas aus und nehm Dad mit.”

 

Ich schüttelte den Kopf. “ Du weißt, dass er nicht ohne dich geht.”

 

“Ich brauche euch beide wirklich nicht hier. Hau ab, Fuck Nugget. Hier will dich sowieso niemand haben.”

Ich zeigte ihm den Finger, stand auf, schnappte mir meine Schlüssel, Portemonnaie und mein Handy, lehnte mich zu ihm, so dass meine Wange seine Schläfe berührte, pickte seine Stirn und verabschiedete mich.

 

Die Fahrt nach Hause auf dem Rücksitz eines Taxis war leise und lang. Der Fahrer war zu müde sich unterhalten und das war auch gut so, da ich eine Menge in meinem Kopf hatte. Ich wusste, dass ich zu Abby ins Bett krabbeln konnte, eine Stunde bevor sie aufstehen musste und ihr Tag startete. Als die Sonne sich durch die Wolken kämpfte, sagte ich dem Fahrer, dass er neben dem Camry parken kann. Ich gab ihm einen Zehner und bevor er mir das Wechselgeld geben konnte, war ich schon auf dem Weg zu meiner Haustüre und steckte den Schlüssel in das Schloss.

 

Die Wohnung war dunkel. Nur die kleinen tapsigen Krallen und die Klimaanlage waren die einzigen Geräusche, die man hören konnte. Ich beugte mich vor, um Toto streicheln zu können, schnappte mir seine Leine und ging mit ihm die Treppen zurück nach unten auf die kleine grüne Wiese. Toto schnüffelte an jedem Blumentopf, an jeder Straßenlampe und an jeden Pfosten, welcher in der Reichweite seiner Leine war. Als er endlich zufrieden war, hob er sein Bein. Als er fertig war scharrte er das ganze Gras, wo er gerade hingepinkelt hatte weg, so als hätte er eine Wikinger Armee erobert. Ich hob ihn hoch und ging die Treppen wieder nach oben in die Wohnung, damit ich mich neben meine Frau legen konnte.

 

Ich ließ Toto auf den Boden, löste seine Leine von seinem Halsband und zog mir auf den Weg ins Schlafzimmer mein T Shirt über den Kopf. Die Tür knirschte, als ich sie öffnete. Abby´s Silhouette rührte sich allerdings nicht. Ich zog meine Boots aus, öffnete die Jeans und zog sie mir aus bevor ich unter die Bettdecke krabbelte.

 

Abby summte, als ich sie in meine Arme nahm und streckte ihren Hintern gegen meinen Schoß und bewegte ihre Hüften von links nach rechts. Innerhalb von Sekunden war ich hart, was dafür sorgte, dass sie sich noch mehr bewegte.

 

“Hast du dich endlich dazu entschlossen nach Hause zu kommen?”, fragte Abby.

Ich zog sie wieder an meinen Körper und spürte ihre warme Haut an meiner. Sie roch nach Zitronen Shampoo und ihrer Lieblings-Body Lotion. Ich war im Himmel. Meine Stirn berührte die Kurve von ihrem Nacken, als sie erstarrte.

 

“Ist Trenton okay?”

 

“Ja”, antwortete ich, während ich ihre weicheHaut küsste. “Er wird wieder gesund werden. Er muss noch eine oder zwei Nächte da bleiben, dann kann er nach Hause.”

 

Sie entspannte sich. “Gut. Haben sie gesagt, was er hat?”

 

“Knochenhautentzündung”, sagte ich, während ich mein Gesicht in ihrem Rücken vergrub. Mein gesamter Körper sehnte sich nach ihr.

Sie drehte sich um, damit sie mir ins Gesicht gucken konnte. “Was zur Hölle ist das?”

 

“Ich weiß. Ich habe auch noch nie etwas davon gehört, Trenton allerdings schon.” Ich küsste ihren Nacken bis hoch zu ihrem Ohr.

 

Sie atmete durch ihre Nase tief ein. “Ich sollte mit Toto rausgehen.”

 

“Schon passiert”, sagte ich.

 

“Habe ich dir schon mal gesagt, dass du mein allerliebster Ehemann bist?”, fragte sie mich lächelnd, während sie sich lang machte.

 

“Das liegt daran, dass ich dein einziger Ehemann bin”, antwortete ich und drückte meine Lippen gegen ihre.

 

Sie drückte mich zurück auf die Matratze, bis ich die Decke anguckte. Ihr Mund war an meinem Nacken, neckte mich abwechselnd mit ihrer Zunge und den Lippen. Sie summte, während sie auf den Weg zu meinem Schlüsselbein war, dann verschwand sie unter die Decke und leckte sich ihren Weg über meine Brust, meinen Bauch, bis sie mit ihrer sanften Hand in meine Boxershorts griff. 

 

“Heilige Scheiße, Täubchen”, stöhnte ich, als Reaktion auf ihren kleinen, heißen Mund um meinen Schwanz. Ich bedeckte mein Gesicht mit den Händen und fragte mich was ich getan hatte, dass ich die Frau, die ich geheiratet hatte, verdiene.

Vor zehn Minuten konnte ich es nicht abwarten, sie im Arm zu halten. Jetzt lag sie zwischen meinen Beinen, hatte meine Härte in ihren Händen und zeigte mir wie froh sie war, dass ich nach Hause gekommen bin.

 

Sie schlug die Bettdecke zurück, als sie mich mit ihren verschlafenen, verführerisch grauen Augen anschaute. Ich hob meinen Kopf, um sie sehen zu können und streichelte mit meinem Daumen ihre Wange und schüttelte bewundernd den Kopf.

Jeden Tag dachte ich mir, dass ich sie nicht mehr lieben könnte, aber ich tat es. Ich tat es immer.

Manchmal fand ich es erschreckend, wie stark meine Gefühle für sie in einem, oder sogar zehn Jahren sein würden, aber ich hatte keine Angst davor.

 

“Wer ist die beste Ehefrau?” fragte sie, als sie den Kopf senkte, damit sich unsere Blicke trafen.

 

“Das bist du”, antwortete ich, als ich meinen Kopf wieder zurück lehnte. “Du bist noch besser als das. Ohne irgendeine Konkurrenz.”

 

Ihr Kopf verschwand wieder unter der Decke und ich vergaß alles um mich herum außer sie.


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Heathens - Abschaum

 

 

::Abby::

 

America seufzte, ihre Haut glänzte in der frühen Sonne vom Juni. Ihr Bikini hatte mit dem coral- und weiß farbigen Bandeau-Top und dem dazu passenden Höschen noch weniger Stoff als meiner und erlaubte so das Maximale an ihrem Körper zu bräunen.

Das Eis in ihrem Glas klimperte bevor es, wie alles andere in Eakins, schmolz. Wir bräunten uns gut gelaunt an dem eingezäunten Pool, der in der Mitte von meinem Wohnungskomplex lag.

Wasser spritze auf uns und America knurrte. Sie hob ihren Kopf und schaute in Richtung der missratenen Typen mit denen wir uns den Pool teilten.

 

“Mare”, warnte ich sie.

“Lass mich sie nur einmal anschreien. Nur einmal.”

 

“Dann werden sie uns aber nur noch mehr provozieren. Das sind Marsha Becker´s Jungs. Sie lässt sie über das gesamte Grundstück wie Irre rumlaufen und legt sich dann mit Leuten an, die versuchen, sie etwas zu erziehen. Lass sie einfach. Das Wasser ist doch aber eine gute Abkühlung zwischendurch.”

 

“Bis du merkst, dass sie ins Wasser gepinkelt haben”, murmelte sie, während sie an ihrer großen Sonnenbrille hantierte.

 

Ich lachte und schaute meine beste Freundin an. Ihr Profil war mit ihren Schmolllippen, der Stupsnase und den fein definierten Wangenknochen makellos. Sie hätte ein Model oder eine Schauspielerin in LA werden können, wenn sie mir damals nicht zur Eastern State gefolgt wäre.

 

“Trent gehts also wieder besser, ja? Das ist gut”, sagte sie. “Ich weiß, dass Shepley´s Eltern ihn heute besucht haben. Jim hat sich wirklich große Sorgen um ihn gemacht.”

 

“Ja. Er ist gut darin es nicht so zu zeigen.”

 

“Deswegen kommst du wahrscheinlich auch so gut mit ihm klar”, antwortete sie Augenzwinkernd. “Glückwunsch übrigens, zu der Sache mit dem Lehrer. Dem Referendariat oder was auch immer es war. Ich bin sehr stolz auf dich. Du hast so hart dafür gearbeitet.”

 

Ich lächelte und fühlte mich in dem Moment ungewohnt stark zu ihr hingezogen. “Erinnerst du dich wie wir uns das erste Mal gesehen haben, Mare?”, fragte ich sie. “Den allerersten Tag?”

Sie stützte sich auf ihre Ellenbogen ab und guckte mich über ihre Sonnenbrille an. “Wie könnte ich das je vergessen? Du warst dieses selbstbewusste, aber doch irgendwie schüchterne, exotische, allein gelassene Ding. Ich liebte dich in dem Moment in dem ich dich zuerst sah. Der erste Tag im Junior Jahr.”

 

Ich drehte mich auf meinen Bauch und lächelte sie an. “Du hast mich nicht geliebt. Du warst nur verknallt.”

 

“Doch, es war Liebe. Ich habe bewusst den Stuhl neben dir genommen und dich nach fünf Minuten gefragt, ob du mit zu mir kommen willst. Du warst noch am gleichen Abend bei uns zum Abendessen und bist nie wieder gegangen. Meistens jedenfalls.”

 

“Deine Eltern waren super. Meine Mutter war…”

 

“Alkoholikerin.” Ihr lächeln verschwand. “Hast du mit ihr gesprochen?”

 

Ich schüttelte den Kopf. “Ich glaube sie weiß nicht mal, dass ich verheiratet bin. Wie bescheuert ist das?”

 

“Hat er sich gemeldet?”

 

“Mick? Nein”, sagte ich kopfschüttelnd. “Travis würde ihn umbringen, wenn er es täte und du kennst Mick. Er war schon immer ein Idiot.”

 

America starrte den Pool an. “Travis wird sich schon beherrschen können. Weisst du worüber ich vor kurzem nachgedacht habe? Du und Travis, wie ihr in Vegas geheiratet habt.”

 

Ich versuchte die Fassung zu bewahren, bereitete mich auf den Moment vor, in dem ich sie erinnern musste, dass es besser für sie wäre, nicht die ganze Wahrheit zu kennen. America wusste, dass wir bei dem Kampf waren und sie wusste, dass wirnach Vegas abgehauen waren, aber sie konnte sich immer noch dumm stellen, wenn sie von den Beamten befragt wurde. Ich wollte sie einfach so gut es geht aus der ganzen Sache raushalten.

 

“Hast du Jesse dort gesehen?”, fragte sie mich.

 

Mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet. Ich hatte nicht mehr über Jesse nachgedacht, seit ich das erste Mal mit Travis in Vegas war. “Warum fragst du?”

 

“Keine Ahnung. Ich dachte nur so darüber nach und könnte mir vorstellen, dass er sehr wahrscheinlich gekotzt hätte, wenn er dich in deinem Hochzeitskleid gesehen hätte.”

“Gekotzt hätte?” Ich drehte mich um und setzte mich hin. Ich legte meine Haare auf eine Seite, ging mit den Fingern hindurch, bevor ich sie mir zu einem seitlichen Zopf band. Selbst dann gingen die Spitzen noch über meine Brüste. Meine Haare waren während der Sommerzeit länger und heller geworden. Eine blonde Version meiner normalerweise karamellfarbigen Haare. Ich war kein Supermodel wie America, aber ich konnte Travis Maddox erobern. Mein Aussehen war also nicht Übelkeit erregend und schon gar nicht an meinem Hochzeitstag. “Ich glaube ich sollte beleidigt sein.”

 

“Nein, Dummchen”, lachte sie. “Kotzen im Sinne von, dass du jemand anderes als ihn heiratest. Er war doch bis zu dem Tag, an dem du Vegas wieder verlassen hast davon überzeugt, dass du ihn heiraten wirst. Und bei den Nachrichten, die du fast ein Jahr später noch bekommst, würde ich sagen, er hatte ganz schön dran zu knabbern.”

 

“Nette Titten”, sagte einer der Becker Jungs. Er hob seine Augenbrauen in meine Richtung, bevor er weg lief und in den Pool sprang. So wie alle gekichert und sich abgeklatscht haben, konnte ich mir vorstellen, dass er dazu gezwungen wurde.

 

America öffnete ihren Mund, aber ich signalisierte ihr, nichts zu sagen.

 

“Lass es einfach”, sagte ich. “Und ich weiß, was Jesse dachte. Aber um die Frage zu beantworten, nein, ich habe ihn nicht gesehen.”

 

“Es hat mich überrascht, dass er dich das Geld für Mick hat gewinnen lassen. Ich könnte mir vorstellen, dass er dich dafür hasst.”

 

“Wird er wahrscheinlich auch.”

 

America streckte sich und ließ ihren Kopf zurück fallen. “Naja. Es ist ja auch nicht so, als hätte ich das Drama nicht kommen sehen.”

 

Mein Nacken knackte als ich sie anstarrte.

 

“Was? Er ist die ganze Strecke nach Wichita gefahren um dich zu sehen. Du hast es ihm nicht wirklich einfach gemacht. Selbst meine Eltern waren entsetzt.”

 

Ich schloss meine Augen und versuchte diese Erinnerung aus meinem Gedächtnis zu verbannen. “Müssen wir da jetzt drüber reden?”

 

“Es kam mir einfach vor kurzem in den Sinn. Ich frage mich wie er wohl über dich denkt, oder wie er reagiert hätte, wenn er dich gesehen hätte. Wenn er es nicht hat…Krise abgewandt.”

 

Ich runzelte die Stirn und beobachtete Marsha Becker´s missratene Jung´s wie sie kleine unaufmerksame Mädchen in den Pool warfen. Jesse war in mich verliebt und lange Zeit versuchte ich auch in ihn verliebt zu sein. Er war ein sicherer Hafen in der Zeit als meine Mutter betrunken und Mick auf eine seiner Sauftouren war. Jesse war immer nett, wusste was er sagen musste und liebevoll. Erst als ich Travis geheiratet habe fand ich heraus warum es für mich unmöglich war ihn zu lieben. Ich war dafür bestimmt Mrs. Maddox zu sein. “Fragst du dich manchmal auch, was Travis und Shepley gerade machen würden, wenn wir nicht nach Eakins gezogen wären?”

 

“Ich frage es mich nicht, ich weiß es. Shepley wäre jetzt gerade in eurer Wohnung. Allerdings wäre es nicht eure, sondern nach wie vor seine und Travis wäre, genau wie Adam, im Gefängnis.”

 

“Sag sowas nicht”, sagte ich angewidert.

 

“Er wäre zu dem Kampf gegangen und Keaton Hall wäre trotzdem abgebrannt.”

 

“Adam versuchte das Ganze so klein wie möglich zu halten, weil es den Kampf schonmal gab. Man hat die Laternen benutzt, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, da die Polizei mindestens einmal aufgetaucht ist. Es passierte, weil ein Kampf ausgebrochen war und dieser Kampf war ausgebrochen, weil mich dieser Idiot attackiert hatte. Wenn wir einfach nicht da gewesen wären, wäre das Feuer vielleicht nie ausgebrochen.”

 

America hob ihre Augenbrauen. “Abby, wenn sie nicht illegale Kämpfe in viel zu alten Gebäuden, mit viel zu vielen Leuten und nicht genug Notausgängen ausgerichtet hätten, wäre niemand da gewesen als das Feuer ausbrach. Niemand wäre gestorben. Wir treffen alle unsere eigenen Entscheidungen. Lass dich Travis bloß nicht so reden hören. Er fühlt sich selber schon mies genug, auch ohne dass er weiß, dass du dir auch die Schuld gibst.”

 

“Ich rede da mit Travis nicht drüber. Deswegen rede ich ja mit meiner besten Freundin.”

 

“Und deine beste Freundin sagt dir, nicht dumm zu sein. Hör auf damit. Wir sind sowieso nicht hier, um über das Feuer, Jesse oder kotzen zu reden. Wir reden jetzt über deine Hochzeit.”

 

“Hey Blondie! Willst du rüber kommen und dich auf meinen Schoß setzen?”, brüllte einer der Becker Jungs.

 

America hob ihre Faust und präsentierte ihm stolz ihren Mittelfinger.

 

“Mare!”, schimpfte ich.

 

Sie war nichts anderes als zufrieden.

 

Ich legte mich wieder auf den Bauch. “Bitte lass uns heute nicht über die Hochzeit reden. Ich habe dir gesagt, wir können es machen. Diese wird nur für dich sein. Ich will gar keine weitere Hochzeit, erinnerst du dich?”

 

America kramte ein Notizbuch und einen Stift aus ihrer Tasche raus. “Also, ich dachte über St. Thomas nach. Wir brauchen keine Reisepässe, es ist schön da, es ist keine typische Hochzeits-Location und das Ritz Carlton hat ein tolles Ambiente und bietet ein gutes Hochzeitsangebot.”

 

“Hört sich gut an”, sagte ich.

 

America machte einen Haken an ihre Notizen, legte alles auf ihren Bauch und klatschte. “Ich habe gehofft, dass du ja sagen wirst. Es wird perfekt! Okay. Zweite Frage. Farben. Ich dachte an Aqua, Coral, Pink, Türkis und Cremefarben. Oder wir sind ein bisschen mutig und nehmen Lila und Orange, aber ich bevorzuge die erste Variante.”

 

“Die erste Variante ist es dann auch.”

 

Sie klatschte wieder in die Hände.

 

“Ich würde das auch anfassen” brüllte ein Becker Junge. “Zweimal.”

 

America atmete tief durch ihre Nase ein und versuchte verzweifelt sie zu ignorieren. “Kommen wir zur Hochzeitsparty. Das Ritz hat ein tolles Outdoorrestaurant namens Sails. Die haben diese tollen Planen, die man als Decke benutzen kann und da es in der Karibik gerne regnet, kann man es auch an den Seiten schließen, dass es quasi wie ein Zelt wirkt, um uns vor mögliche Schauer zu beschützen. Man kann allerdings auch die ganze Party nach drinnen verlegen, wenn es nötig ist.”

 

“Super.”

 

Sie quietschte vor Freude. “Ich weiß, dass du da eigentlich keine Lust drauf hast, Abby, aber es wird super, wir werden alle da sein und ich kann eine wunderschöne Trauzeugin sein.”

 

“Ja, das wirst du.”

 

“Eine Sache noch”, sagte sie ernst. “Das Datum.”

 

“Ich denke, du hast schon eins?”

 

“Nunja, es macht für mich Sinn, wenn wir es an eurem ersten Jahrestag machen. Er fällt in die Ferien im Frühjahr, ist aber an einem Sonntag, also würden wir maximal den ersten Tag nach den Ferien an der Uni fehlen.”

 

Ich versuchte nicht zu Lächeln, aber es gelang mir nicht. Unser erster Jahrestag schien noch so weit weg zu sein, war es aber eigentlich nicht. Ich würde bald ein Jahr mit Travis Maddox verheiratet sein und wir würden in unser zweites Jahr gehen.

 

“Was ist? Du machst ein komisches Gesicht.”

 

Ich lachte und schaute nach unten. “Es ist… Ich liebe ihn einfach.”

 

“Der 21. März ist es dann also?”, fragte sie und packte ihr Notizbuch wieder weg.

 

“Der 21. März.”

 

Einer der Becker Jungs sprang mit seinen Knien an der Brust ins Wasser und spritze somit eine ganze Wand aus Wasser über America und mich. Wir erschraken beide, unsere Münder hingen offen.

 

“Mare!”, schrie ich, aber es war zu spät.

 

Sie stand mir ihrer Tasche in der Hand auf, während sie klatschnass in ihre Schuhe schlüpfte.

“Ihr kleinen Scheißer! Das Beste von euch lief eurer Mutter an den Beinen runter!”

 

Jeder anm Pool erstarrte und guckte in unsere Richtung.

 

“Oh je”, sagte ich und zog meine in eine Shorts geschnittene Jeans an. “Lass uns gehen, bevor Marsha hört was du gesagt hast.”

 

“Ich hoffe sie hört es!”, schrie America. “Jemand muss es ihr ja mal sagen” Ihre Kinder sind kleine Biester! Ihr seid abscheulich!”, brüllte sie und marschierte in Richtung meiner Wohnung. “Sagt eurer Mutter, dass die Leute, die hier am Pool sind, nicht eure verdammten Babysitter sind!” Sie zeigte auf einen. “Und du brauchst einen vernünftigen Haarschnitt!” Sie zeigte auf den nächsten. “Und du brauchst eine Zahnspange! Herr im Himmel, mir wäre es peinlich mit so einer Herde ungepflegter Kinder gesehen zu werden! Wisst ihr warum eure Mutter nicht hier ist? Sie sitzt zu Hause und versteckt sich vor der Menschheit, weil sie sich über die Tatsache schämt, dass sie einen beschissenen Job mit eurer Erziehung gemacht hat!”

 

“Oh verdammt, America, bist du von allen guten Geistern verlassen? Geh, geh, geh”, befahl ich ihr.

 

Die Becker Jungs lachten, und hatten sichtliche Freude an America´s Reaktion.

 

“Ich werde Töchter haben und sie werden alle sehr gut erzogen sein”, schrie sie und zeigte dabei in alle Richtungen. Sie sah aus wie eine Verrückte.

 

“Jetzt hast du dir selbst ins Knie geschossen”, sagte ich ihr, während wir weiter zu meiner Wohnung gingen. “Jetzt wirst du eine Horde wilder, abscheulicher Jungs haben.”

 

“Nein, ich werde Zwillingsmädchen in hübschen weißen Kleidern haben, die so Jungs wie die Becker´s verprügeln werden.”

 

Ich öffnete die Tür, schloss sie wieder hinter America, legte meine Tasche, Sonnebrille und Schlüssel auf der Frühstücksbar ab. America setzte sich auf die Couch und war bereits völlig in Social Media auf ihrem Handy vertieft. Ich zog meine Sandalen aus, ging in die Küche und fragte mich, was wir heute Abend zu Essen machen könnten.

Das Haus war sauber, die Wäsche war auch gemacht, das Einzige was noch zu tun war, war kochen. Ich schaute auf die Uhr, die in der Kücher hing. Travis würde in der nächsten Stunde zu Hause sein und-

 

“Täubchen?”, rief Travis als er die Tür öffnete. Er schmiss seine Schlüssel neben meine, nickte zu America und strahlte, als er mich sah. “Hey, Babe.”

 

“Hi”, antwortete ich lächelnd, während er auf den Weg in die Küche war und mich in den Arm nahm.

 

Nach diversen Küssen stöhnte America und stand auf. “Das ist mein Zeichen. Ruf mich später an. Ich werde morgen früh zurück nach Wichita fahren.”

 

“Nein”, wimmerte ich und ging zu ihr rüber. “Kannst du nicht einfach hier bleiben?”

 

“Mark und Pam sind leider nicht so cool, dass sie mir das erlauben würden”, sagte sie und kaute auf ihrer Lippe. “Dad hat Angst, dass ich zuviel Zeit mit Shep verbringe und am Ende durchbrenne. Sie haben bereits gesagt, dass wir das mit dem Zusammenziehen nicht überstürzen sollen.”

 

“Durchbrennen? Ich verstehe gar nicht, wie die beiden auf so eine Idee kommen”, sagte Travis, küsste meine Wange und öffnete den Kühlschrank. Er holte eine Packung Hähnchenbrust raus und schmiss sieauf die Spüle. “Sie sollten uns mal besuchen. Dann sehen sie, dass es Abby super geht und sie verdammt glücklich ist. Dafür sorge ich.” Er zwinkerte mir zu und ich versuchte die Schmetterlinge in meinem Bauch in Zaum zu halten.

 

“Sie wollen nicht, dass ich vor meinem Abschluss heirate. Das will ich ja auch nicht. Aber Wichita nervt mich. Ich vermisse Shep. Und euch auch.”

 

Ich zwickte sie in ihre Seite und sie quietschte. “Ich komme morgen früh nochmal vorbei, bevor ich fahre.” Sie umarmte mich, küsste meine Wange und verschwand aus der Tür.

 

Mein Handy vibrierte nur Sekunden später mit einer Nachricht von America. “Manche Dinge werden sich eben nie ändern”, sagte ich.

 

Ich bin stolz auf Travis. Er hat deinen Bikini nicht einmal erwähnt.

 

“Du hast das nicht wirklich draußen angehabt, oder?”

 

Ich kicherte.

 

“Was ist?”, fragte er.

 

Ich gab ihm mein Handy und ließ ihn die Nachricht von America lesen.

Er ließ den Kopf nach hinten fallen und hasste es genauso sehr wie ich eine ausgemachte Sache zu sein. “Agh… Ich kann mir einfach nicht helfen. Schau dich an”, resignierte er und deutete mit allen zehn Fingern auf mich. Er nahm mich wieder in seine Arme und übersäte meinen Nacken und mein Gesicht mit kleinen Küssen.

“Es ist wirklich nicht einfach eine Ehefrau zu haben, die so wunderschön ist wie du.”

 

“Gewöhn dich dran.”

 

“Ja, Frau.”

 

“Wie geht es Trent? Warst du heute bei ihm?”

 

“Nein, er wurde am Nachmittag entlassen. Ich dachte, wir fahren nach dem Abendessen zu ihm. Er bleibt jetzt erstmal bei Dad, wenn Cami arbeitet.”

 

“Guter Plan”, sagte ich und öffnete den Schrank. Ich guckte mir die Konserven an und versuchte mich zwischen Mais, Erbsen oder grünen Bohnen zu entscheiden.

“Was machen wir mit dem Hähnchen?”

 

“Ich wollte es einfach nur grillen.”

 

“Mit Mais und Kartoffelpüree?”, fragte ich.

 

“Hört sich gut an. Danach Netflix und Chillen?”

Ich guckte ihn an. “Wir sind sowas von langweilig.”

 

“Mir gefällt langweilig. Langweilig ist gut.”

 

Jemand klopfte an der Tür und ich verließ die Küche um sie zu öffnen. “Entweder hat Mare etwas vergessen oder es ist Marsha Becker.”

 

“Marsha Becker?”, fragte Travis Nase runzelnd.

 

“Wenn sie es sein sollte, wirst du schnell erfahren warum”, antwortete ich, bevor ich die Tür öffnete. “Hi.”

 

“Hi”, sagte der Mann vor mir. Sein Mund formte sich zu einem teuflischen Lächeln. Seine Muskeln versuchten sich aus seinem Shirt zu pressen, so wie es Travis´Muskeln auch immer machten und er schaute mich auf die gleiche Art an, wie Travis es tat, als er noch hinter allem her war, was eine Vagina hatte, bevor er sich in mich verliebte. “Ist Travis da?”

 

“Brandon”, sagte Travis angespannt. “Was machst du hier?”

 

“Ich dachte, ich komme mal vorbei”, antwortete er, als er an mir vorbei ging. Er schaute sich um und verurteilte jeden Winkel unserer Wohnung, danach musterte er mich von Kopf bis Fuß. Ich kreuzte meine Arme und konnte seine Augen auf jeder meiner Kurven fühlen. Es half auch nicht wirklich, dass ich an dem Tag, an dem ich Travis´Chef kennen lernen würde, nichts weiteres trug als ein Bikinioberteil und eine kurze Jeans-Shorts.

“Ich wollte die Frau kennenlernen, die es geschafft hat Travis Maddox zu zähmen.”

 

Travis´Kiefer zuckte und seine Hände ballten sich zu Fäusten. Ich hatte Angst, dass wenn Brandon mich noch einmal anstarren würde, Travis ihn attackiert.

 

“Baby”, sagte ich und ging auf Travis zu, bis ich hinter ihm stand. “Wir sind gerade dabei Abendessen zu machen, und mir war nicht klar, dass dein Chef vorbei kommen wollte. Es war nett dich kennenzulernen, Brandon, aber vielleicht solltest du ein anderes Mal wiederkommen.”

 

Brandon blinzelte kurz, überrascht von der Abfuhr. “Uhm, klar. Tut mir leid für die Störung. Ich war gerade auf dem Weg zu einem Freund ein paar Gebäude weiter und da dachte ich mir, ich komme kurz vorbei. Du hast Recht, Travis ist jetzt verheiratet. Ich kann nicht einfach vorbei kommen, wann ich will.”

 

“Das ist okay. Ich hoffe, du hast trotzdem einen schönen Abend.”

 

“Wir sehen uns morgen, Trav.” Sein Blick fiel auf mich. “Ich hoffe wir sehen uns bald wieder, Abby.”

 

Travis senkte seinen Kopf kurz und beobachtete Brandon dabei wie er ging, so als würde er auf den Angreifer warten, der den ersten Schritt macht. In der Sekunde in der sich die Türe schloss, entspannte sich Travis sichtlich.

“Leck mich”, sagte er, während seine Hand seinen Nacken massierte.

“Das hätte schlecht enden können.”

 

“Was zur Hölle war das?”, fragte ich ihn, als ich auf dem Weg war die Türe abzuschließen.

 

“Das war Brandon Kyle bei dem Versuch mich aus der Reserve zu locken.”

 

“Du machst jede Menge Geld für ihn. Warum sollte er das machen?”

 

“Ich weiß es nicht”, antwortete Travis und ging zur Spüle zurück. Er schaute aus dem Fenster und beobachtete Brandon dabei, wie er über den Parkplatz rüber zum nächsten Haus ging.

“Ich habs im Gefühl, dass wir das sehr bald rausfinden werden.”

 

 

 

 

 

 

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Kapitel 17

 

A Diamond Isn´t Enough -

Ein Diamant ist nicht genug

 

::Travis::

 

Anstatt an einem Tisch zu essen, saßen Abby und ich auf dem alten, schäbigen Teppich im Wohnzimmer meines Vaters. Abby hatte für meinen Vater ein Tablet hergerichtet, während Trenton sich auf der abgenutzten Couch, umgeben von Kissen erholte. Er benutzte seinen Schoß als Tisch. Acht verschiedene Verschreibungspflichtige kleine Flaschen standen neben ihm auf der Lehne der Couch.

 

Ich lächelte, als Abby auf die Knie ging und die Gabel mit einem Stück gebackenem Huhn in Richtung Trenton´s Mund führte. Mein Bruder und meine Frau mussten ebenfalls beide kichern. Dad lächelte beide an. Jedes mal, wenn sich das Haus so anfühlte, wie zu Lebzeiten von meiner Mutter, war Dad so glücklich und nichts konnte in dem Moment etwas daran ändern.

 

Trenton´s Zähne berührten die Gabel, als Abby sie ihm aus dem Mund ziehen wollte und sie verzog das Gesicht. “Oh nein! Du weisst, dass ich das hasse!”

 

Trenton lächelte, während er kaute. “Ich weiß.”

 

Abby drückte ihre Lippen zusammen, schnappte sich ein Stück vom Huhn und warf es Trenton ins Gesicht. Er muss damit gerechnet haben, denn er öffnete den Mund und das Stück landete genau dort. Er kaute weiter und sie starrte ihn, ohne wirklich böse auf ihn zu sein, an.

 

“Es schmeckt wirklich gut, Abby”, merkte Trenton an.

 

Ihr Gesichtszüge wurden sofort weicher. “Es ist Trav´s Rezept.”

 

“Eigentlich ist es das Rezept von Mom”, antwortete Trenton.

 

Sie drehte sich zu mir um. “Meint er das ernst?” Ich nickte. “Komm schon, Trav, sowas musst du mir erzählen. Ich kann doch deinem Vater nicht so eine erbärmliche Form von dem gebackenem Huhn deiner Mutter vor die Nase setzen.”

 

“Es ist perfekt”, sagte Dad. “Fast.”

 

“Fast”, schmollte Abby, während sie das Essen auf ihrem Teller mit ihrer Gabel hin und her schob.

 

“Es tut mir leid, Täubchen. Ich habe nicht wirklich darüber nachgedacht. Ich versaue Mom´s Rezepte bereits seit Jahren, aber hey, guck”, sagte ich und zeigte ihr meinen leeren Teller.

 

Abby runzelte die Stirn. “Du bist ein guter Koch. Das ist der einzige Grund weshalb ich dich geheiratet habe.”

 

Ich nickte lächelnd und versuchte dabei die Tatsache, dass ihr Spruch peinlicher Weise weh tat, zu vertuschen. “Ach, tatsächlich? Nunja, ich habe dich geheiratet weil…” Abby hob eine Augenbraue und ich musste schlucken.

 

“Du gemein bist.”

 

“Du hast mich geheiratet weil ich gemein bin?”

 

“Das ist einer der vielen Gründe.”

 

Sie zuckte mit der Schulter und aß ein weiteres Stück. “Wie auch immer. Solange wir verheiratet sind.”

 

Wenn Dad und Trenton nicht auch hier bei uns sitzen würden, hätte ich sie in den Arm genommen und sie gefragt, ob sie mich noch einmal heiraten würde. Abby warf mir selten solche Vorlagen zu und es verwandelte mich jedes Mal vom Bad Ass Ehemann zum verzweifelten Freund in eins komma vier Sekunden.

 

“Babe”, sagte ich, unfähig das Sentimentale in meiner Stimme zu unterdrücken. Das Schwierigste daran, Abby´s Ehemann zu sein war immer wieder neue Wege zu finden ihr zu zeigen, dass sie mein Ein und Alles ist. Blumen und Dates verblassten einfach gegen die Tatsache sie zu fragen, ob sie meine Frau sein will. Erst dann fiel mir wieder ein, dass ich sie nie wirklich gefragt hatte, ob sie mich heiraten will. Abby hatte mir den Antrag gemacht. Ich kaufte zwar den Ring und spielte das Szenario mehrfach in meinem Kopf durch, aber soweit kam es dennoch nie.

 

Abby nahm einen letzten Bissen, setzte ihren Teller ab, kam zu mir, küsste meine Wange und nahm meinen leeren Teller. “Noch jemand fertig mit Essen?”

 

“Ich mach das schon, Abby”, sagte Dad, als er gerade dabei war, aus seinem Sessel aufzustehen. “Du hast gekocht, ich mache sauber.”

 

“Kommt überhaupt nicht in Frage”, entgegnete Abby. “Es sind vier Teller, vier Gabeln und eine Auflaufform. Ich denke, dass kriege ich hin.”

 

Dad beobachtete Abby dabei, wie sie erst seinen Teller nahm, dann Trenton´s und in die Küche ging. “Sie ist eine Menge Dinge mein Sohn, aber gemein ist sie sicher nicht.”

 

“Ja, dass ist sie”, antwortete ich und beobachtete sie mit einem bescheuerten Grinsen dabei, wie sie das Geschirr zur Spüle brachte. “Ich habe das allerdings ernst gemeint. Ich habe es lieber, dass sie gemein zu mir ist anstatt von jemand anderem vergöttert zu werden.”

 

“Du bist ein verdammtes Baby, Trav. Sie ist nicht gemein”, sagte Trenton.

 

Ich rollte die Augen und lehnte mich zurück an die Couch. “Ich kann es kaum erwarten, bis es dir wieder gut geht und ich dir eine verpassen kann.”

 

“Dafür musst du erstmal den ganzen Sand aus deiner Vagina loswerden.”

 

Ich griff rüber und zog an ein paar Haaren von seinem Bein und er schreckte hoch.

 

“Aua, Arschloch! Mir geht es immer noch nicht gut!”

 

“Travis Carter”, warnte Dad mich.

 

Ich hob meine Hände und zeigte auf Dad. “Wie kannst du nur mit dem Wissen leben, dass du einen Lügner groß gezogen hast?”

 

Dad lachte, und schob das Tablett weit genug von seinem Schaukelstuhl weg, um sich mit seinen Füßen vor und zurück zu bewegen.

“Das frage ich mich auch jedes Mal, wenn ich dich angucke.”

 

Trenton gackerte und hielt sich sofort stöhnend den Bauch. “Oh, scheiße. Bring mich nicht zum lachen, es tut direkt wieder weh.”

 

“Trav”, fauchte Abby aus der Küche.

 

“Tut mir leid, Täubchen”, rief ich zurück. Ich guckte rüber zu Trenton. “Hör auf zu heulen, du bringst mich in Schwierigkeiten!”

 

“Ich habe hier die Schmerzen, du Penis!”

 

Ich schlug sein Knie. “Ich bin ein Penis? Du hast mehr Penis in deinem Charakter als in deiner Hose!”

 

Trenton musste wieder lachen und stöhnte gleich wieder. “Ich hasse dich. Hör auf.”

 

Ich seufzte und guckte über meine Schulter, um zu sehen ob Abby immer noch in der Küche beschäftigt war. “Also… Brandon Kyle kam heute unangekündigt bei uns vorbei, um meine Frau abzuchecken.”

 

Das, was von Trenton´s Lächeln noch übrig war erlosch sofort, als er den Namen von meinem Chef hörte. “Was zur Hölle sollte das?”

 

“Wer ist das?”, fragte Dad.

 

“Brandon Kyle. Ihm gehört das IronE”, erklärte Trenton. “Er hat mit mindestens zwei Frauen von seinen Trainern geschlafen, die ganzen anderen aus der Stadt nicht dazu gezählt. Meistens sind es Frauen von bulligen Typen mit einer Menge Temperament. Brandon sieht es als Herausforderung.”

 

Dad winkte ab. “Aber diese Frauen waren nicht Abby Maddox, oder?”

 

Als ich hörte wie Dad Abby´s neuen Namen sagte, kamen mein Herz und meine Gedanken direkt wieder zur Ruhe. Brandon konnte es den ganzen Tag lang versuchen, aber es würde nicht passieren. Allerdings sorgte die Vorstellung davon, wie dieses Arschloch versuchte bei meiner Frau zu landen, während er mir ins Gesicht lächelte dafür, dass ich ihn umbringen wollte.

 

“Ich dachte, du machst gutes Geld für ihn?”, fragte Trenton.

 

“Das mache ich auch, deswegen verstehe ich es auch nicht”, antwortete ich. Es gab genau eine Sache an die Brandon noch mehr dachte, als einen weiblichen Arsch: Geld.

 

“Du musst dich eine Weile unauffällig verhalten”, meinte Dad. “Lass keinen Idioten mit einem Todeswunsch dich zurück ins Scheinwerferlicht bringen.”

 

Dad hatte recht. Es war keine Antwort nötig. Damit erwischt zu werden, wie ich jemanden bedrohte, würde alles in Gefahr bringen wovor meine Familie mich vor beschützen will, egal ob es ihnen bewusst war oder nicht.

 

“Mal kurz was anderes. America redet ununterbrochen von der zweiten Hochzeit. Ich habe zwar den Ring gekauft, aber ich habe nie einen Antrag gemacht.”

 

Trenton kicherte. “Wie jetzt? Du Idiot hast ihr einfach einen Ring an den Finger gesteckt?”

 

“Nein”, missbilligte ich und schaute zu Abby in die Küche. Sie trocknete gerade die Auflaufform ab und war so gut wie fertig. Die Unterhaltung musste also schnell gehen.

“Die ganze Vegas Sache war ihre Idee. Ich hatte zwar einen Ring gekauft und gab ihn ihr auch, aber es war kein richtiger Antrag. Da die Hochzeit ja nochmal stattfinden wird, dachte ich mir, dass sollte der Antrag auch.” 

 

Dad lächelte. “Gute Idee, Junge.”

 

Trenton grinste. “Flash Mobs. Frauen lieben Flash Mobs.

 

“Du bist nutzlos”, erwiderte ich.

 

“Okay”, sagte Abby und hielt ein Glas Wasser in der Hand. “Weisst du was jetzt kommt, Trent?”

 

“Manga Pornos?”, antwortet Trenton mit ernsten Gesicht.

 

Abby und Dad verzogen angewidert das Gesicht.

 

“Was?”, quietsche Abby. “Ew. Nein. Nimm deine Tabletten.”

 

Trenton seufzte, während er die kleinen Flaschen nacheinander öffnete und sich die Tabletten in den Mund steckte und ein halbes Glas Wasser trank, um alle gleichzeitig runter zu bekommen. Er schluckte ein paar mal und gab das Glas dann zu Abby.

“Danke, Schwester.”

 

Abby nahm das Glas und brachte es in die Spüle. Sie kam zurück und setzte sich neben mich. Ihre Hände waren vom Spülen ganz aufgeweicht, aber ich nahm ihre Hand trotzdem, obwohl sie ungewohnt hart und flutschig zugleich anfühlte.

 

Als der Himmel anfing die Farbe zu ändern, stand ich auf und zog Abby mit mir. Sie küsste Dad auf die Wange, umarmte Trenton und stellte sicher, dass die beiden nicht noch etwas brauchten bevor wir gingen.

 

“Soll ich den Truck mitnehmen und ihn für dich tanken”, fragte ich.

 

Dad schüttelte den Kopf. “Vielleicht am Freitag.”

 

Er begleitet uns zur Haustüre und winkte uns als wir die Einfahrt verließen. Abby sprach über die Sachen, die wir noch aus dem Supermarkt brauchten und welche Rechnungen als nächstes fällig sind, aber meine Gedanken drehten sich nur um den Heiratsantrag. Jetzt, wo ich darüber nachgedacht habe, musste ich es auch machen und nichts war wichtiger. Wie auch immer ich es machen würde, es musste etwas Großartiges sein, etwas was sie immer daran erinnern würde wieviel sie mir bedeutete.

 

“Also Toilettenpapier und einen neuen Duschvorhang. Noch etwas was wir brauchen?”, fragte sie mich. Ihre große Aviator Sonnenbrille saß ihr fast auf der Nasenspitze, ihre Haare hatte sie in einen lockeren Pferdeschwanz gebunden. Sie trug eines ihrer Lieblingsshirts und eine Jeans Shorts und Sandalen. Absolut nichts besonderes, aber trotzdem hatte ich sie noch nie so wunderschön gesehen. Es gab keinen Tag an dem dachte es wäre nicht möglich sie noch mehr zu lieben als ich es schon tat, aber dann belehrte mich der nächste Tag eines besseren.

 

“Trav?”

 

“Huh?”

 

“Können wir kurz am Supermarkt anhalten auf dem Weg nach Hause?”

 

“Ja, klar”, sagte ich und schlug das Lenkrad nach links auf die Abbiegespur, da ich die schnellste Straße zu Wal-Mart bereits verpasst hatte.

 

“Bist du okay?”

 

“Ich? Ja.”

 

“Machst du dir Sorgen um Trenton? Er sah heute schon wieder richtig gut aus. Ich bin mir sicher er wird bald wieder zu seiner schlagfertigen Form finden.”

 

“Er liebt dich, weisst du.”

 

Abby berührte mit ihrer Hand ihre Brust. “Ich weiß. Ich liebe ihn auch.”

 

“Meine ganze Familie liebt dich. Du bist eine von uns.”

 

Ich konnte trotz ihrer Sonnenbrille sehen, wie sie mir zuzwinkerte. “Das war Teil meines Plans.”  Als ich nicht reagierte nahm sie meine Hand und drückte sie.

“Trav, warum sagst du das?”

 

“Ich bin ein erstklassiger Idiot, Täubchen. Du sorgst dafür, dass ich bei allen die mir etwas bedeuten wieder gut dastehe, weil ich endlich etwas richtig gemacht habe.

 

“Hör auf. So denken sie nicht.”

 

“Ich werde das zwischen uns nicht kaputt machen. Das verspreche ich.”

 

Sie zog ihre Augenbrauen zusammen. “Trav, was ist los? Warum sagst du das alles?”

 

Mein Blick fiel weiter auf die Straße vor mir. “Ich will einfach nicht, dass du dir sorgen wegen Brandon oder meinen Job machst. Ich werde mich beherrschen. Ich will, dass du stolz auf mich bist.”

 

“Du bist schon dabei mich stolz zu machen.”

 

Wenn sie mich so anguckte, war nichts anderes mehr wichtig. Ich brachte ihr Hand zu meinem Mund und küsste ihre Finger.

 

“Da fragt man sich wirklich”, sagte sie und hob ihre Füße auf die Armatur, die ich am Abend vorher noch sauber gemacht hatte. Es war mir völlig egal, denn ich konnte nur daran denken wie schön ihre Füße waren.

 

“Was denn?”

 

“Warum wir solange gewartet haben. Es fühlt sich an wie im Paradies”, sagte sie und lehnte ihren Kopf wieder an das Kopfteil vom Sitz. Die abendliche Sommerbrise wehte durch das offene Fenster und ihre Haare tanzten mit dem Wind.

 

I could have conquered a war, a mountain, a giant, or anything else life threw at me.

Ich hätte einen Krieg bezwingen können, einen Berg, einen Riesen, oder alles andere das das Leben mir entgegen warf.

Brandon Kyle war ein Scheisse fressender Idiot, der gerne mit dem Feuer spielte, aber Abby Maddox war meine Frau. Sie liebte mich und sah nie glücklicher aus.

Wir gingen durch die zehn Gänge unwichtiger Sachen, die wir am Ende trotzdem in unserem Einkaufswagen hatten bis wir das Toilettenpapier gefunden hatten, aber es war einfach nur ein weiterer Moment mit ihr der so perfekt war, aber alles andere als gewöhnlich.

 

Und das war genau der Grund, weshalb niemand uns was anhaben konnte. Das FBI ließ uns in Ruhe, genau wie die Reporter von der Studentenzeitung. Selbst Parker wagte es sich nicht mehr auch nur in Abby´s Richtung zu atmen. Wir waren bereits drei Monate länger verheiratet, als uns die Leute zugetraut hatten und es war kein Ende in Sicht. Jedenfalls war es das, was ich in dem Moment geglaubt hatte. 

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